Schlechtes Essen kann zu guten Ideen führen – auch im wissenschaftlichen Bereich. Als die Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle bei einer Konferenz mit ihrem slowenischen Kollegen Borut Rončević bei einem unbefriedigenden Mittagsmenü zusammensaßen, kamen die beiden unweigerlich auf die weitaus bekömmlichere Küche Kärntens, Sloweniens und darüber hinaus zu sprechen. „Wir beschäftigen uns beide mit ethnischen Minderheiten und schätzen gutes Essen. Aus diesen Gemeinsamkeiten heraus entsprang die Idee zu den ‚Culinary Trails‘“, so die FH-Professorin.
Diese kulinarischen Pfade durch den Donauraum sind namensgebend für ein Forschungsprojekt, das sich dem jeweiligen kulinarischen Erbe der Volksgruppen von Bayern bis Bulgarien widmet. „Die erste Aufgabe bestand darin, dieses Erbe sichtbar zu machen und systematisch aufzuarbeiten. Wir waren viel unterwegs, haben Feldforschung betrieben und zahlreiche Kochbücher durchforstet“, sagt Stainer-Hämmerle, deren Team mittlerweile über 500 Rezepte und Orte mit kulinarischen Besonderheiten gesammelt hat.
Im nächsten Schritt soll dieser multikulturelle Wissenschatz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden: Auf der Projektwebsite können die kulinarischen Eigenarten von Roma, Gottscheern, und Co. entdeckt werden – und damit zu weiteren Entdeckungsreisen anregen. „Das Projekt hat auch einen klaren touristischen Hintergrund. Wir zeichnen damit Pfade vor, entlang derer eine neue Perspektive auf den Donauraum erkundet werden kann“, sagt Stainer-Hämmerle. Die jeweiligen Volksgruppen werden in diesem Zusammenhang auch bei der Entwicklung von eigenen Tourismuskonzepten unterstützt.
Kochkurse sind ebenfalls Teil des „Empowerments“ für die ethnischen Minderheiten. Über Generationen weitergegebene Hausmannskost soll so verfeinert werden, dass sie auch gastronomisch vermarktbar wird – und damit nicht nur zur leiblichen Stärkung der Volksgruppen beitragen kann.
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