Fallbeispiel aus der Praxis: Ein 17-jähriger Jugendlicher schließt mehrere Handyverträge und Online-Abo-Services wie Netflix, Spotify und DAZN ab. Anfangs wirken die monatlichen Kosten überschaubar, schnell summieren sich aber mehrere Hundert Euro Schulden. Kein eigenes Einkommen außer dem AMS-Kursgeld, Raten werden nicht beglichen. Nach den Mahnungen schalten sich Inkassobüros ein. Innerhalb weniger Monate wächst aus zunächst 80 Euro an monatlichen Verpflichtungen ein Schuldenberg von über 4000 Euro.
Fälle wie dieser kommen Elisabeth Niederer als Geschäftsführerin von Jugend am Werk regelmäßig unter. Als Bildungsforscherin an der PH Kärnten macht sie sich Gedanken, wie die Schuldenproblematik bei Jugendlichen eingedämmt werden kann. „Mein Praxisblick hilft mir, die wissenschaftliche Analyse auf die reale Lebenswirklichkeit auszurichten, gerade auch im Hinblick auf Jugendliche, die in besonderem Maß von Bildungsbenachteiligung betroffen sind“, sagt Niederer. In einem Forschungsprojekt, das sich der Finanzbildung in der Schule widmet, ist das eine äußerst nützliche Perspektive.
Der Fokus liegt aber zunächst auf den Lehrerinnen und Lehrern. Das Team der PH rund um Niederer hat Lehrkräfte aus allen Schulstufen zum Thema „Financial Literacy“ befragt: „Erste Ergebnisse zeigen, dass Lehrkräfte Finanzbildung eine sehr hohe Relevanz zuschreiben. Gleichzeitig äußern viele Kolleginnen und Kollegen Unsicherheiten, wie sie dieses Wissen im Unterricht praxisnah und nachhaltig integrieren können. Auf dieser Grundlage ist es uns wichtig, nicht nur Bedarfe zu erheben, sondern auch konkrete Angebote zu entwickeln.“
Die Erkenntnisse aus der Studie fließen direkt in Bildungsangebote ein, die sowohl für Lehrende zur Weiterbildung als auch für Studierende der PH in der Ausbildung offen stehen. „Ziel ist es, Sicherheit im Umgang mit Finanzbildung zu vermitteln und gleichzeitig Methoden an die Hand zu geben, die im Unterricht unmittelbar einsetzbar sind“, sagt Niederer. So sollen Schüler im Unterricht lernen, wie sie ein Budget führen, Konsumentscheidungen kritisch zu reflektieren und Verträge mit Ratenzahlungen realistisch einzuschätzen. Stolperfallen wie Online-Käufe und Handyverträge werden besonders beleuchtet.
Zu lange warten sollte man damit nicht: „Je früher Wirtschafts- und Finanzbildung gelehrt wird, desto nachhaltiger entwickeln sich die Kompetenzen. Bereits in der Volksschule sollten finanzielle Basiskompetenzen spielerisch vermittelt werden“, fordert Niederer.
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