Santiago Sondón versucht es mit einer Metapher aus dem Bauwesen, um seine Arbeit zu erklären: „So wie ein Architekt ein Haus entwirft und die unterschiedlichen Anforderungen des Bauherren in einen Plan übersetzt, so arbeiten auch die Designer von analogen Schaltungen. Jeder Mikrochip hat andere Aufgaben zu erfüllen, aber seine einzelnen Bestandteile kommen immer wieder vor – so wie jedes Haus auch eine Küche oder ein Bad besitzt.“ Solche wiederkehrenden Elemente bedeuten für die Designer mühevolle Handarbeit, die sich immer wiederholt. Das Forschungsprojekt SODA der FH Kärnten soll dafür sorgen, dass diese Arbeit bald überflüssig wird und Freiraum für die wirklich wichtigen Aufgaben von Chip-Entwicklern schafft.
Denn diese Experten sind am Markt heiß begehrt und dementsprechend Mangelware. Ihre Mikrochips stecken überall, wo die analoge Welt auf die digitale trifft: In Sensoren, in drahtlosen Kommunikationsgeräten und in allem, was mit Spannungsversorgung zu tun hat – analoge Schaltungen erzeugen elektrische Signale und machen den Einsatz von Kameras, Mikros oder GPS erst möglich.
Angesichts der wachsenden Zahl solcher Geräte im Alltag ist die Chip-Industrie extrem gefordert: Immer neue Anwendungen erfordern neue Chip-Architekturen. Sondón: „Wir entwickeln Software, die es erlaubt, viele Schritte in der Entwicklung zu automatisieren. Damit wollen wir auch ein Stück weit den Fachkräftemangel entschärfen.“ Was auch ganz im Sinne der Wirtschaft ist – in Villach kooperiert die FH mit dem Weltkonzern Infineon, der sich von der Technologie Wettbewerbsvorteile auf einem hart umkämpften globalen Markt erhofft.
Monatlich trifft sich das Team der FH mit Experten von Infineon, um die weiteren Schritte abzustimmen. Kommendes Jahr soll es einen ersten Testlauf für die Software geben: Dann wird mit dem neuen Design-Prozess erstmals ein einsatzfähiger Computerchip aus dem Reinraum rollen. Allerdings nicht bei Infineon – die erste Fertigung übernimmt der taiwanesische Konzern TMSC als weltgrößter Auftragsfertiger.
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