Bei der FTTH Conference, Europas führendem Glasfasergipfel, wurden den über 3000 Teilnehmern aktuelle Marktzahlen und innovative Technologien präsentiert. In Österreich hat nur jeder zweite Bürger Zugang zu einem leistungsfähigen Glasfasernetz, womit das Land im europäischen Vergleich einen der hintersten Plätze belegt. So das nüchterne Ergebnis des am Donnerstag zu Ende gegangenen Kongresses FTTH in Amsterdam. Wie es besser geht, zeigen Rumänien, die Niederlande, Portugal, Bulgarien und Frankreich, wo 90 Prozent der Bevölkerung und darüber hinaus erreicht werden. Österreich liegt 20 Prozentpunkte hinter dem EU-Durchschnitt von 70 Prozent.
Damit liegt das Land knapp vor Tschechien und Deutschland mit jeweils 42 Prozent. „Die mangelnde Glasfaserinfrastruktur bremst die digitale Entwicklung des Landes erheblich. Ohne flächendeckenden Zugang wird Österreich in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Quantencomputing nicht konkurrenzfähig bleiben“, gibt dazu die Interessenvereinigung Open Fiber Austria Association (OFAA) zu bedenken. Sie verweist darauf, dass auch Mobilfunknetze nur dann leistungsfähig genug seien, wenn ihre Basisstationen direkt ans Glasfasernetz angeschlossen sind.
A1 und Drei sehen Ausbau-Förderung kritisch
In Österreich hatten zuletzt die Mobilfunk-Netzbetreiber kritisiert, dass der Glasfaserausbau in Österreich primär ein Förderprogramm für die Bauwirtschaft sei, aber nicht die Breitbandversorgung ausreichend vorantreibe. So hatte Marktführer Telekom Austria gefordert, statt der Verlegung sollten die Haushalte gefördert werden, wenn sie sich einen Breitbandanschluss zulegen. „Wir sind selbst das Unternehmen, das am meisten Glasfaser ausbaut in Österreich, wir haben nichts gegen Glasfaserausbau“, sagte Vize-CEO Thomas Arnoldner im Februar und ergänzte: „Wir sind aber der Meinung: In Zeiten begrenzter Mittel sollte man diese verantwortungsvoll einsetzen.“ In den vergangenen Jahren seien 2,4 Milliarden Euro in Förderungen gepumpt worden, die Anschlüsse einzelner Haushalte seien mit bis zu 80.000 Euro gefördert worden. Im Durchschnitt koste ein Glasfaser-Anschluss in Österreich 2000 Euro, berichtete A1-Österreich-Chef Marcus Grausam.
Hintergrund
Jüngst bezeichnete Rudolf Schrefl, CEO von Drei, gegenüber der Kleinen Zeitung das Programm als „weder ökologisch noch ökonomisch“. Zuvor hatte öGIG-Chef Hartwig Tauber die Infrastruktur, die stabiler als Funk sei, verteidigt. Im ländlichen Raum gleiche sie zudem Standortnachteile aus.
Die letzte große Breitband-Förderaktion geht auf das Jahr 2022 zurück. Unter der damaligen Telekommunikationsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) wurde der Startschuss für die Auszahlung der zweiten Breitbandmilliarde in Höhe von 1,4 Milliarden Euro gegeben. „Das ist das größte Breitbandausbaubudget, das es jemals gab“, meinte damals die Ministerin.