Bei Elon Musk sind politische und unternehmerische Interessen längst ineinandergeflossen. Für Musk selbst hat das Vor- und Nachteile. Beginnen wir bei Punkt zwei und der wachsenden Protestbewegung gegen den vermögendsten Menschen der Welt. In deren Sog brennen Teslas in den USA und rasseln Zulassungszahlen weltweit nach unten.

Zweifellos gibt es aber auch gewisse Vorteile, die Musks Näheverhältnis zu US-Präsident Donald Trump heraufbeschwört. Eines dieser Zuckerln ist für Starlink bestimmt – das satellitenbasierte Kommunikationssystem im Besitz der Musk-Firma SpaceX. Dieses wurde nämlich recht plötzlich Teil eines großen US-Infrastrukturförderprogramms, in das Satellitentechnologie in Prä-Trump-Zeiten nie eingebunden war.

„Rückgrat der ukrainischen Armee“

Überhaupt ist Starlink gefühlt zurzeit in aller Munde. Naturgemäß auch in jenem des Eigentümers. Starlink sei das „Rückgrat der ukrainischen Armee“, ließ Elon Musk jüngst wissen. Die Frontlinie „würde zusammenbrechen“, wenn er, Musk, Starlink abschalten würde. Schätzungen zufolge sorgen in der Ukraine zurzeit 40.000 Starlink-Terminals für Internetempfang in Regionen, wo das über konventionelles Mobil- oder Festnetz nicht mehr möglich ist. Auch anderswo ist die Satellitenkommunikation großes – und politisch umstrittenes – Thema. In Kanada etwa kündigte die Provinz Ontario einen Vertrag mit Starlink, in Italien stellt sich die Opposition gegen den Anbieter.

 News Bilder des Tages the passage of a series of satellites from Elon Musk s SpaceX Starlink programme, over Flanders, in Lichtervelde, Friday 24 April 2020. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY KURTxDESPLENTER 2497354
In Summe hat Starlink zurzeit rund 7000 Satelliten im All © Imago

Die Vorbehalte sind primär politischer Natur. Technologisch, da ist man sich grosso modo einig, führt zurzeit kaum ein Weg an Starlink vorbei. Warum aber ist das so? Wir beginnen die Spurensuche bei Franz Teschl. Der Wissenschafter der TU Graz forscht am Institut für Kommunikationsnetzwerke und Satellitenkommunikation.

„Diese Megakonstellationen sorgen dafür“, erklärt er mit Blick auf Starlink, „dass an und für sich alle Regionen der Welt gleich gut abgedeckt werden können“. Megakonstellation. Ein Wort, das im Gespräch mit Teschl immer wieder fällt und uns schnell zu einem großen Wettbewerbsvorteil von Starlink bringt. Kein anderer Internetanbieter hat zurzeit so viele Satelliten im All. Zugleich, Vorteil Nummer zwei, bietet niemand die dafür benötigte Hardware derart günstig an.

TU-Experte Franz Teschl (Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation)
TU-Experte Franz Teschl (Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation) © KK

Aktuell rauschen rund 7000 Starlink-Satelliten in nur 550 Kilometer Entfernung zum Planeten um die Erde, in nicht allzu langer Zeit sollen es bereits 35.000 sein. Am Boden selbst braucht es nur den „Standard-Kit“, also eine Sammlung von kleiner Satellitenschüssel, einem WLAN-Router, Kabeln und Ständer. „Nutzer müssen die Starlink-Antennen nur auf einen Platz mit freier Sicht auf den Himmel hinstellen. Den Rest erledigt die Antenne, die sich selbst ausrichtet“, erklärt Experte Teschl. Bald soll alles noch einfacher werden und das Internet dank zahlreicher „Direct-to-Cell-Satelliten“ ohne Umwege – also ohne App oder Zubehör – auf gängige Smartphones gelangen.

40 bis 220 Mbit/s Download

Verfügbar ist Starlink-Internet heute auch in Österreich flächendeckend. Bereits ab 50 Euro im Monat können Privathaushalte Starlink-Satelliteninternet verwenden. Mit, zumindest am Blatt Papier, durchwegs attraktiven Bandbreiten. Das US-Unternehmen verspricht Downloadraten von 40 bis 220 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), hochgeladen werden Daten mit einer Bandbreite von acht bis 25 Mbit/s. Die Latenz, also die Verzögerungsrate, bewirbt der Konzern zurzeit mit 20 bis 60 Millisekunden. Funktionstüchtig ist Starlink-Internet auch auf Schiffen, in Flugzeugen oder im Wohnwagen.

An antenna for receiving the Internet signal from space Starlink on the ground in the park
Einfache Handhabung: Eine Starlink-Antenne im Park © Imago

Allerdings gilt im Gegensatz zu festnetzgebundener Technologie wie Glasfaserkabeln bei Satelliten-Internet die Mobilfunk-Formel: Desto mehr Menschen einer Region zugleich auf das Service zugreifen, desto schwieriger wird es, den Datendurchsatz aufrechtzuerhalten. Franz Teschl spricht auch eine weitere Einschränkung an, vor allem mit Blick auf die zunehmend höheren Frequenzbänder, auf die Starlink & Co zugreifen: „Je höher die Frequenz, desto größer ist im Allgemeinen der Effekt, den Regentropfen auf die Ausbreitung von Satellitensignalen haben. Regen wirkt in erster Linie dämpfend und das Empfangssignal wird schwächer“.

IRIS2, OneWeb und China

Kommen wir nun noch zur Konkurrenz von Starlink. Aus europäischer Sicht sticht hier vor allem IRIS2 ins Auge. Die Satellitenkonstellation soll bis 2030 einsatzbereit sein und zielt darauf ab, sichere Verbindungen für Regierungen, aber auch Bürger, herzustellen. „Es ist wichtig, dass Europa ein Satellitensystem selbst in der Hand hat“, sagt Experte Teschl dazu. Wohlwissend, dass noch einiges an Aufholbedarf besteht.

OneWeb von Eutelsat, der britisch-französisch-indische Anbieter von satellitenbasiertem Internet und globale Nummer zwei hinter Starlink, hat derzeit gerade einmal 650 Satelliten im Einsatz. Zum Ziel gebracht übrigens von Elon Musks Falcon-9-Raketen.

Ebenfalls hochaktiv ist China. Vernetzt in drei großen Projekten – Qianfan, GW und Honghu-3 – sollen bis 2030 in Summe fast 40.000 chinesische Satelliten für Internet auf der Erde sorgen. Was schön langsam die Frage aufwirft, ob es im niederen Erdorbit nicht bald eng werden könnte. Geht es nach Elon Musk, ist all das freilich kein Problem. Ende 2021 rechnete er der „Financial Times“ vor, dass „Milliarden“ seiner Satelliten Platz hätten. Deutlich anders sieht das die europäische Raumfahrtagentur ESA. Diese warnt regelmäßig vor dem wachsenden Risiko von Zusammenstößen, die in Kettenreaktionen immense Schäden verursachen können.