Mehr als 100.000 Menschen strömten diese Woche durch die Hallen des gigantischen Messegeländes in Barcelona, viele Millionen verfolgten darüber hinaus digital das Geschehen am „Mobile World Congress“ (MWC). Alljährlich gilt die weltgrößte Mobilfunkmesse als Taktgeber einer groß gewachsenen Industrie. Die Ausrichtung der 2700 Aussteller? Betont futuristisch und möglichst schrill. Eine seriöse Navigation wird in Barcelona schnell zur Herkulesaufgabe.

Ein zweifellos ernsthafter Schwerpunkt aber galt am MWC der Satellitenkommunikation. Erst vor ein paar Monaten verschickte die Deutsche Telekom dank Anbindung an Satelliten erstmals in einer Gegend ohne Mobilfunkabdeckung per gängigem Smartphone ein SMS. In Barcelona wurde jetzt bekannt gegeben, dass die Technologie „Direct to Handset“ (D2H) bis Ende des Jahres bereits großflächig in Europa verfügbar sein soll. Begrenzt wird der Dienst vorerst auf das Verschicken von Notfall-SMS, als Partner holt sich die Telekom nicht Elon Musks Starlink an Bord, sondern das Start-up Skylo.

Ebenfalls neu im Portfolio des größten europäischen Telekomunternehmens ist eine fliegende Mobilfunkantenne. Die Drohne, die 4000 Personen mit Mobilfunk versorgen soll, wurde für Katastrophenszenarien entwickelt und soll etwa bei Hochwasser oder Waldbränden für ein stabiles Handynetz in betroffenen Regionen sorgen.

Mit optisch außergewöhnlichen Lösungen fällt seit geraumer Zeit der chinesische Hersteller Lenovo auf. Waren es in den letzten Jahren noch ein ausrollbares Display (2023) und ein durchsichtiger Laptop (2024), ist es in Barcelona heuer ein flexibler Laptop-Bildschirm, den Lenovo mit im Gepäck hat. Das „ThinkBook Flip“ setzt auf ein Falt-Display, das je nach Bedarf zwischen 13 und 18,1 Zoll (rund 46 cm) Bildschirmdiagonale wechselt. Lenovos Idee ist es, mit einem Gerät möglichst viele Anwendungsbereiche abzudecken. Also von der Arbeitsstation mit erweitertem Bildschirm bis hin zum Tablet-Modus.

Praxistest noch ausständig

Die Einschränkung: Noch ist „Flip“ ein Konzept – und damit im selben Stadium wie ein Solar-Laptop, der am MWC präsentiert wurde. Lenovo zufolge reicht die Kraft der montierten Solarzellen aus, um sogar bei schlechten Lichtverhältnissen das Entladen des Laptops im Ruhezustand zu verhindern. Der unabhängige Praxistest steht freilich noch aus. Jedenfalls will dem chinesischen Technologiekonzern ein Quantensprung bei den auf der Rückseite befestigten Zellen gelungen sein. Sie würden nämlich einen Wirkungsgrad von mehr als 24 Prozent aufweisen.

Auf noch weniger Raum versucht sich Infinix an der Solar-Technologie. Der Hersteller zeigt sich überzeugt, dass künftig auch Smartphones ohne Steckdosen geladen werden. Eingesetzt werden spezielle Perowskit-Solarzellen, die das Smartphone in Hüllenform ummanteln.

Xiaomi: Neues von der Nummer 3

Abschließend aus der Nische noch zu den Marktführern. Während Apple und Samsung ihre aktuellen Flaggschiff-Smartphones bereits auf dem Markt haben, legte Xiaomi – mit mehr als 22 Millionen verkauften Geräten immerhin die Nummer drei am europäischen Smartphone-Markt – in Barcelona nach.

Die Chinesen präsentierten mit dem Xiaomi 15 die neue Premium-Serie und setzen dabei einmal mehr auf ein besonders ausgefeiltes Kamera-System als Unterscheidungsmerkmal. Werbewirksam wird versprochen, die Handy-Fotografie gar auf ein völlig neues Niveau heben zu können. Um das zu schaffen, greift Xiaomi auf ein zusätzliches Kamera-Objektiv zurück, das mit einem Magnetring am Smartphone befestigt wird.