Der Name sollte Programm sein. „Tube“, die Röhre, stand für den Fernseher, das „You“, Du, unterstrich die aktive Komponente des Dienstes. „Broadcast Yourself“, „Strahle dich selbst aus“, diente als Ur-Slogan und das erste je hochgeladene YouTube-Video zeigte einen der Mitgründer groß ins Bild gerückt. Verpixelt und vor Zoo-Elefanten in San Diego. Bis heute wurde „Me at the zoo“ 348 Millionen Mal angeschaut.
Gegründet von den ehemaligen PayPal-Mitarbeitern Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim, ging YouTube am 14. Februar 2005 online. Aktiv wurde die Domain inmitten einer unternehmerischen Findungsphase. Das ursprüngliche Konzept einer Video-Datingplattform wurde ebenso schnell verworfen wie der Slogan „Tune in, hook up“. Schon bald öffneten die Gründer die Plattform für alle Arten von Videos. Betont einfach sollte es sein, eigene Inhalte hochzuladen und zu teilen.
Ein Paket, das funktionierte. Nur wenige Monate nach dem Start zählte YouTube bereits 30.000 tägliche User, im März 2006 waren 25 Millionen Videos online. All das sorgte für massives Begehren. Schlussendlich war es US-Suchmaschinenriese Google, der im November 2006 zuschlug und sich für 1,3 Milliarden Euro das damals 67 Kopf starke Team und die rasant wachsende Plattform einverleibte. Ein Goldgriff, wie man heute weiß. Alleine im letzten Quartal setzte Google-Mutter Alphabet mit YouTube-Werbung 10,4 Milliarden US-Dollar um.
Beginn der On-Demand-Kultur
Aber zurück zum Beginn der 20-jährigen Jubilarin. Deren Wachstum beschleunigte sich mit der Einführung des Partnerprogramms noch einmal deutlich. Seit damals können YouTuber mit ihren Inhalten auch Geld verdienen.
Auch wenn es nur einige wenige sind, die sich den größten Teil des Kuchens abholen, wurde YouTube so zum Sehnsuchtsort. Der über die Jahre gewichtigen popkulturellen Einfluss ausübte. So gilt die Plattform als federführender Beschleuniger der Entwicklung weg von linearem Fernsehen hin zur On-Demand-Kultur, also dem „Fernschauen“ auf Abruf.
Früh begannen die Algorithmen des Dienstes zudem, Massenphänomene zu begünstigen. Der „Gangnam Style“ erreichte 2012 als erstes Video mehr als eine Milliarde Zugriffe, weltweit tanzten Menschen aber auch auf realen Bühnen zu den Rhythmen des südkoreanischen Rappers Psy. Der „Harlem Shake“ folgte ein Jahr später und wurde ebenfalls millionenfach nachgeahmt.
Auch der Aufstieg von besonders populären Künstlerinnen und Künstlern à la Billie Eilish oder Justin Bieber ist eng mit ersten Veröffentlichungen auf digitalen Plattformen wie Soundcloud oder eben YouTube verbunden. Das Beispiel Bieber dient dabei nahezu prototypisch. Die Mutter des heutigen Superstars veröffentlichte früh erste Videos des Juniors bei Gesangswettbewerben. Eine kleinere, lokale Fangruppe formierte sich digital und machte 2008 den Musikmanager Scooter Braun auf Bieber aufmerksam. Dieser kontaktierte wiederum Justin Biebers Mutter – der Rest ist Musikgeschichte.
Spielende Superstars
Andere „YouTuber“ wuchsen ausschließlich in der digitalen Welt und wurden dort zu Superstars. Egal ob sie sich wie PewDiePie beim Videospielspielen abfilmten oder wie MrBeast auf teure Stunts und lukrative Verlosungen spezialisierten.
Mit der Popularität wuchs allerdings auch die Kritik an YouTube. Früh wurden Streitigkeiten um die rechtmäßige Verwendung gewisser Inhalte treuer Begleiter der Plattform. Mit der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA lieferte sich der US-Riese jahrelang wahre Gerichtsschlachten, „Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar“ wurde vielerorts zum geflügelten Wort. Dazu gesellte sich Kritik bezüglich der Rolle des Portals als Verbreiter von Hassreden, Fake News oder anderen problematischen Inhalten.
2,5 Milliarden aktive User
Anderswo versuchten Staaten, das immer relevanter werdende Portal und seine vielfältige Landschaft einzudämmen. Bereits im Jahr 2007 wurde in der Türkei erstmals der Zugriff auf YouTube gesperrt, es sollte nicht der letzte derartige Eingriff sein. In China ist YouTube de facto seit 2008, mit einigen wenigen Unterbrechungen, gesperrt. Auch in Marokko, Thailand oder im Iran wurde die Videoplattform zumindest zeitweise abgedreht.
Der globalen Popularität tat all das in Summe wenig Abbruch. Monat für Monat zählt YouTube, beliebt vor allem bei einem jüngeren Publikum, heute mehr als 2,5 Milliarden aktive Nutzerinnen und Nutzer.