Während österreichweit ein Handyverbot für Unter-14-Jährige an Schulen ab 1. Mai beschlossen wurde, umwerben Mobilfunker die jungen Zielgruppen. sofern es Verträge im Haushalt gibt. Er sehe schon „die Problematik des Ablenkens, die Aufmerksamkeitsdauer wird immer kürzer“ sagt Drei-Chef Rudolf Schrefl, „ein gewisses Regulativ“ sei daher „nicht schlecht“. Vom Handyverbot an Schulen für Unter-14-Jährige hält er aber wenig: „Gerade bei den Jungen soll das Thema Handy mit ins Curriculum aufgenommen und der verantwortungsvolle Umgang gelehrt werden.“ Klare Regeln seien hilfreich – und nicht Verbote. Schrefl hofft, „da kommt noch mehr, was Bildung betrifft – sonst hätten wir eine Themenverfehlung“.

Rudolf Schrefl, Drei
Drei-CEO Rudolf Schrefl © Apa

Bei Drei sei mittlerweile – mit Ausnahmen – ein erheblicher Teil der Tarife an den Verbraucherpreisindex gekoppelt: „Wir holen uns so aber nur einen kleinen Teil der zusätzlichen Kosten“, sagt Schrefl. In diesem Jahr werde man aufgrund der Drei-Prozent-Schwelle nahezu keine Indexierung vornehmen, nur dort, wo diese bei einem Prozent liegt. „In Summe sind wir die einzige Branche, die deflationär wirkt.“

Streit um Servicepauschalen

Ein heftiger Streitpunkt bleiben die Servicepauschalen. Konsumentenschützer der AK brachten im Jänner 2024 eine Verbandsklage gegen A1, Magenta und Drei ein, das Verfahren befindet sich noch in erster Instanz. Für Schrefl ist die Klage „komplett unverständlich“, denn die Branche sei stark reguliert, die Servicepauschale wurde bei ihrer Einführung ab 2011 von Regulator und Wettbewerbsbehörde geprüft. „13 Jahre später will man, dass sich die Kunden das Geld zurückholen können.“  

Wenn man sich „von der Behörde alles freigeben lassen muss, ohne Rechtssicherheit zu bekommen, verstehe ich als Österreicher die Welt nicht“, so Schrefl zur Kleinen Zeitung. Bei neuen Tarifen gebe es keine Servicepauschalen mehr, dafür seien die monatlichen Zahlungen höher: „Sie müssen es ja irgendwo einpreisen.“ Müsste man die Servicepauschale für 13 Jahre zurückzahlen, kämen auf die Branche Milliardenkosten zu. „Dann werden Sie auch keinen Investor mehr finden.“ Man sei davon überzeugt, dass man nichts falsch gemacht habe: „Die Rückforderung ist für mich fast Wegelagerei.“ Am Freitag wurde bekannt, dass nach einer Klage der AK gegen Gebührenklauseln von A1 und Drei ein Vergleich erzielt werden konnte.

Kritik an gefördertem Glasfaserausbau

Kritisch sieht Schrefl den mit Hunderten Millionen Euro Steuergeld geförderten Glasfaserausbau: „Wie viel Glasfaser wollen wir noch vergraben? Das ist weder ökologisch noch ökonomisch.“ Es gebe noch Regionen mit Bedarf an schnellem Internet, „aber da ist 5G Standalone für die nächsten zehn Jahre mehr als ausreichend“. Er kenne „keinen Anwendungsfall in einem Haushalt, den ich mit 5G nicht abdecken kann“. Noch nicht versorgte „ländlichste Regionen“ sollen heuer noch mit 5G abgedeckt werden. Schrefl plädiert für einen technologieneutralen „Voucher“ für Breitband-Internet sowie für einen Digitalisierungsscheck für Unternehmen, um hier massive Defizite auszugleichen.

Die Idee des Kärntner Gemeindebundes, Mobilfunkmasten ­und damit die Mobilfunker ­zu besteuern, um die Finanznot der Kommunen zu lindern, lehnt Schrefl naturgemäß ab: „Die Umsatzentwicklungen aller Unternehmen sind flach, die Kosten steigen aber massiv an.“ Extra-Abgaben an den Staat müssten an die Kunden weitergegeben werden.