Nicht nur um den Breitbandausbau selbst, auch um die Fördermittel für diesen ist ein regelrechter Wettbewerb ausgebrochen, wie auch Hartwig Tauber, Co-Geschäftsführer der Österreichischen Glasfaser-Infrastrukturgesellschaft (öGIG), bestätigt. Die Breitbandinitiative Kärnten (BIK), eine Gesellschaft des Landes, reichte im dritten Call in der Hoffnung auf nicht abgerufene Gelder durch andere Bundesländer Projekte ein, die die reservierten Bundesmittel um das Doppelte übersteigen.
Obwohl so für private Unternehmen nicht viel übrig bleibe, betont der öGIG-Chef: „Wir bauen in Kärnten, mit Ausnahme Villach, ohne Förderung. In der Nordost-Steiermark und im Thermenland sind einige größere Förderprojekte dabei. In Summe bauen wir die Glasfasernetze in 90 Prozent der Fälle eigenfinanziert bis zum Haus.“ Seit fünf Jahren sei man am Markt, österreichweit surfen mehr als 50.000 Haushalte im öGIG-Betreibernetz, das allen Serviceprovidern – aktuell 20 Anbietern – offensteht. 2025 werde man rund 240 Millionen Euro investieren, die langfristig zurückverdient werden müssen. Das Eigenkapital kommt von der Allianz, zu deren Gruppe das Tochterunternehmen gehört.
Zahl der Anschlüsse wächst stark
Mehr als die Hälfte der insgesamt 28 in Planung befindlichen Projekte entfallen auf Kärnten und Steiermark (7 bzw. 8). Damit wird sich die Zahl der kärntenweit angeschlossenen Haushalte und Unternehmen bis Jahresende auf 31.000 fast verdoppeln, in der Steiermark mit 49.000 fast verdreifachen, auch weil sich zahlreiche Projekte (16 bzw. 29) bereits in Bau befinden. „Pörtschach und Krumpendorf sind bald abgeschlossen. Auch in Wolfsberg, Ferlach oder Paternion ist die Ausrollung in Sicht“, so Tauber.
Standortvorteil am Land
Die teils hohen, geförderten Anschlusskosten, die nach Medienberichten vergangenen November für Aufregung sorgten, verteidigt er: „Dass Zigtausende Euro für einen Bauernhof aufgewendet werden, gibt es.“ Dass die Förderung etwa in der Steiermark gezielt genutzt werde, sehe man daran, dass zwei Drittel des Ausbaus eigenwirtschaftlich erfolge. Zur Stärkung der ländlichen Gebiete strebe man aber eine Abdeckung von 90 Prozent an. Denn: „Bei der Breitbandversorgung braucht es Chancengleichheit zwischen Stadt und Land.“ Sie ermögliche Telearbeit, Betriebsansiedelungen und Familienzuzug. So habe sich etwa gezeigt, dass die Anbindung im Görtschitztal die Baugründe attraktiviert.
Zu Sinn und Unsinn der Infrastruktur meint Tauber: „Die Debatte über 100 Megabit ist noch nicht lange her und mittlerweile fast Standard. Start-ups, KMU und Industrie werden stabile Datenraten und nicht schwankende Bandbreiten brauchen. In zehn Jahren werden wir über Gigabit reden.“ Viele Anwendungen würden erst kommen, wie schnell, das zeige aktuell die künstliche Intelligenz.