Nach der Brand-Katastrophe im beliebten Skiort Crans-Montana herrscht in der Schweiz Entsetzen. Augenzeugen des Infernos in der Kellerbar „Le Constellation“, frühere Gäste und Anrainer schildern bedrückend die Tragödie. Die Medien der Eidgenossenschaft wie „Blick“, „SRF“ oder „20 Minuten“ und soziale Kanäle dokumentieren das Grauen.

Dabei werden zunächst schwere Vorwürfe gegen die Betreiber der Bar erhoben, sie hätten die Sicherheitsvorschriften sehr lasch befolgt: So gibt die Zeitung „Der Blick“ die Beobachtung eines ehemaligen Besuchers wieder, laut dem das Etablissement nur über einen einzigen Flucht- und Zugangsweg verfügt haben soll. Auch der 30-jährige Laurent kommt zu Wort, der in der Bar ein- und ausgegangen war. Ihm zufolge hätten die Gäste in dem Amüsierlokal so ziemlich alles anstellen können, was sie wollten. Rauchen inbegriffen. „Ich bin überrascht, dass es so lange ging, bis etwas passierte“, sagt Laurent. „Es kam mir vor, als würden die Betreiber immer wieder ein Auge zudrücken.“ Gegen 1.30 Uhr passierte es: Der beliebte Treffpunkt verwandelte sich in eine Flammenhölle, die der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin als eine der schlimmsten Katastrophen des Landes nennt. Man sei „vereint im Schmerz“.

Noch 100 Menschen schweben in Lebensgefahr

Die Kantonspolizei Wallis geht von rund 40 Todesopfern und 119 teils schwer Verletzten aus –80 bis 100 davon in Lebensgefahr. „Es war wie ein Ofen, in dem Menschen bei lebendigem Leib verbrannten“, erklärt eine Anrainerin von Crans-Montana gegenüber der Kleinen Zeitung. „Die Menschen hier stehen unter Schock, sie weinen und zittern.“

Die Suche nach der Ursache

Was war die konkrete Ursache des Unglücks? „Wir gehen davon aus, dass das Feuer von Wunderkerzen ausgegangen ist, die an Champagnerflaschen montiert waren. Von dort ausgehend sei die Decke in Brand geraten“, sagt Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud in einer Pressekonferenz. Im Internet finden sich entsprechende Bilder, die aus „Le Constellation“ stammen könnten. Auch kursieren im Netz Szenen schreiender Menschen, die der Flammenhölle entrinnen wollten. Doch die Authentizität der Aufnahmen lässt sich nicht belegen. Bis Freitagnachmittag gab es noch keine gesicherten Erkenntnisse über den Grund des Infernos, wie die Kantonspolizei auf Anfrage erklärte: „Die Ermittlungen gehen in alle Richtungen“, sagte ein Sprecher. Er erklärte, dass die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung eingeleitet habe.

Dabei dürften die Ermittler auch die Aussagen der Augenzeugen verwerten. Eine Überlebende schilderte laut Bluewin.ch die entsetzlichen Minuten in der Bar besonders bedrückend. Es handle sich um die 17-jährige Laëtitia, die folgende Aussagen gegenüber dem französischen Sender BFMTV gemacht habe: Nach dem Ausbruch des Feuers sei in „Le Constellation“ Panik ausgebrochen. „Wir rannten los. Das Feuer breitete sich sehr, sehr schnell aus, und der Rauch brannte in unseren Augen. Wir konnten nicht atmen.“ Die junge Frau habe eine Explosion gefühlt. „Ich spürte sie an meinen Beinen“, schildert sie weiter.

Mourners gather in front of flowers and candles laid near the site where a fire ripped through a crowded bar during New Year's Eve celebrations in the Alpine ski resort town of Crans-Montana on January 1, 2026. Several dozen people are presumed dead and around 100 injured after a fire ripped through a crowded bar in the luxury Swiss ski resort of Crans-Montana, Swiss police said on January 1, 2026. Police, firefighters and rescuers rushed to the popular resort, which is set to host the Ski World Cup from January 30, after the fire broke out in the early hours of New Year's Day. (Photo by MAXIME SCHMID / AFP)
Fassungslosigkeit und Trauer herrschen am Tag danach in Crans-Montana und weit über den Kanton Wallis hinaus vor © AFP

Augenzeugenberichte

Menschen hätten „wie verrückt“ gedrückt und geschubst. Dann sagte sie: „Ich befand mich unter drei oder vier brennenden Menschen, umgeben von toten Menschen.“ Ein ihr nicht bekannter junger Mann habe sie herausgezogen. „Dank ihm konnte ich entkommen, er ist ein Schutzengel“, wird Laëtitia von Bluewin.ch zitiert. Rund ein halbes Dutzend Menschen „aus ihrem unmittelbaren Freundeskreis würden derzeit vermisst“.

Helikopter brachten Menschen mit Brandwunden schließlich in Krankenhäuser, darunter das Universitätsspital Lausanne. Die Direktorin Claire Charmet sagte „24 Heures“, viele Patienten seien im Alter zwischen 16 und 26 Jahren. Sie hätten schlimmste Brandverletzungen erlitten. Die Behandlung könnte „Monate dauern“.

Die Behörden gaben auch weitere Informationen zu den Nationalitäten der 40 Opfer bekannt. 71 Personen sind Schweizer, 14 Franzosen, 11 Italiener, 4 Serben, 1 Bosnier, 1 Belgier, 1 Luxemburger, 1 Pole, 1 Portugiese. Bei 14 Personen konnte die Nationalität noch nicht ermittelt werden. Wie das österreichische Außenministerium am Freitag auf APA-Anfrage mitteilte, gebe es weiterhin keinerlei Informationen, dass auch Österreicher unter den Toten und Verletzten sind.