An Pinos Stammtisch sitzt ein wirklich bunter Haufen, jede politische Meinung ist dort repräsentiert. Sogar Manuele darf mitdiskutieren, ein ortsbekannter Linker, der einmal sagte: „Der einzige, der noch links von mir steht, ist Stalin.“ Zwar hört man selten auf ihn, er ist dennoch dabei. Und er gleicht seine Außenseiterrolle durch ein besonders lautes Organ aus.
Aber: So einig war man sich an Pinos Stammtisch noch nie, dass das Vorhaben, den Ort mit 200 E-Rollern zum Mieten aufzurüsten, eine selten dämliche Idee ist. Klar, wir dürfen hoffen, dass die Roller wenigstens mit einem Geo-Blockiersystem ausgestattet sind, so dass die Altstadt oder die Uferpromenade nicht befahren werden können. Aber ganz sicher ist das nicht. Und: Solche Systeme können eben auch gehackt werden. Kein Wunder, dass viele Städte die E-Roller-Mietstationen schon wieder verbannt haben. Ein weiterer Grund für die Verbannung: Das Abstellen kann keiner kontrollieren, sie stehen oft im Weg. Auf den mitunter schmalen Fußwegen in Grado werden es Eltern mit Kinderwagen oder Ältere am Rollator schwer haben.
Mehrarbeit
Pikantes Detail I: Die zuständige Firma stellt die Roller und kassiert die Einnahmen; für die Stell- und Ladeplätze im öffentlichen Raum muss sie dagegen offenbar keine Pacht zahlen, im Gegensatz zu jeder kleinen Enoteca und Gelateria, die für jeden Tisch auf der Straße blechen muss.
Pikantes Detail II: In Italien gilt für E-Roller Kennzeichen- und Helmpflicht. Gerade bei der Helmpflicht werden die Ortspolizisten viel zu kontrollieren haben. Jede Wette: Sie können die Mehrarbeit in der Hauptsaison kaum abwarten.
Vieles offen
Und schließlich: Die beliebte Schiffsverbindung Grado-Triest wird offenbar wieder aufgenommen, am 10. Juni soll es soweit sein. Wir freuen uns, aber nur sehr verhalten, denn „es müssen noch einige Genehmigungen eingeholt werden“, wie es von offizieller Seite heißt, und jeder, der das italienische Politsprech versteht, weiß nun, dass da noch vieles offen ist. Aber wir hoffen das Beste. Das neue Schiff namens „Nereos“ bietet Platz für 200 Personen und 30 Räder und kommt von einer sardischen Reederei. Wir dürfen also davon ausgehen, dass es hochseetauglich ist und nicht schon, wie sein Vorgänger im letzten Jahr, bei der dritten Ausfahrt unterzugehen droht.
Und kurz vor Redaktionsschluss dann noch folgende Meldung: Eine bei der Ausschreibung unterlegene Reederei legt Rechtsmittel ein, was das Ganze noch einmal verzögern könnte. Den x-ten Akt des Theaters lesen Sie nächste Woche.