Das war nix: Die erste Runde im Bieterwettbewerb ging zu Ende, ohne dass sich ein Interessent fand, der die Schiffsverbindung von Grado nach Lignano und nach Triest übernehmen will. Wir erinnern uns: Der alten Chaos-Reederei wurde gekündigt, weil sie erst viele Jahre lang mit einem nicht seetüchtigen Schiff operierte und dann ein neues Schiff in Dienst stellte, das im Juni bei einer der allerersten Ausfahrten mit 80 Personen an Bord fast abgesoffen wäre. Diese Kolumne hat das Desaster übrigens vorhergesagt – denn „Audace“ („Wagemut“) darf ein Schlachtschiff heißen, aber doch kein Ausflugsdampfer!
Es wäre schade, wenn die Linie nicht zustande kommt, denn ein Tagesausflug per Boot vor allem nach Triest war sehr beliebt bei vielen Urlaubern. Jedenfalls immer dann, wenn das Schiff nicht in Seenot geriet. Thomas Soyer, Chef vom Consorzio Grado Turismo, ist besorgt und spricht von einem „entscheidenden Service“ für die Attraktivität Grados. Auch viele Fahrradtouristen vom Alpe-Adria-Trail haben die Schiffslinie gern genutzt.
Zuständig für die maritime Verbindung ist nicht Grado, sondern der Verkehrsverbund von Gorizia. Denn der öffentliche Nahverkehr ist Provinz- und Regionenangelegenheit. Die Regierenden von Grado können also nichts dafür, dass da nichts vorwärts geht.
„Mini-MOSE“
Bleiben wir auf dem Wasser: Was Venedig kann, kann Grado schon lange, findet Armando Di Nardo vom „Consorzio di bonifica Pianura Friulana“, einer Behörde, die sich um öffentliche Aufträge kümmert. Der Generaldirektor schlägt ein „Mini-MOSE“ für Grado vor, also ein bewegliches Fluttor, das bei Hochwasser den Hafen verschließt und so zumindest in der Innenstadt das acqua alta verhindern könnte.
Bei dem großen MOSE in Venedig sollen Schmiergelder von einer Milliarde Euro geflossen sein, 36 Personen, darunter der Bürgermeister und praktisch die gesamte politische Führungsriege der Stadt, wanderten ins Gefängnis. Sollte es in Grado ähnlich rund gehen, geht dieser Kolumne über Jahre der Stoff nicht aus.