Die kleinen Dramen der Lokalpolitik – nun ging es in die letzte Runde im Strandstreit. Und: Der Stranddirektor, der kurz vor dem Knockout stand (zugegeben: sein Mandat lief eben auch nach drei Jahren aus), hat es geschafft, für weitere drei Jahre auf seinem Posten zu verbleiben. Dabei war er ja schon schwer angezählt und rechnete selbst nicht mehr damit, weitermachen zu können.
Er hat zwar einen guten Job gemacht und viele neue Initiativen auf den Weg gebracht. Die Buchungszahlen waren und sind hervorragend, und zuletzt gab es für Grado sogar eine Auszeichnung für den „innovativsten Strand Italiens“.
Todeskuss
Bloß geht es bei diesen und ähnlichen Posten, in Italien wie anderswo, nie um die Leistung, sondern um den politischen Proporz. Angenehme Posten wie diese werden gern paritätisch nach dem Stimmgewicht der Parteien besetzt, über den Verteilerschlüssel wird parteiübergreifend in den Hinterzimmern der Region entschieden („du gibst mir das, dafür kriege ich das“) – in Österreich ist das ja nicht anders. Der Stranddirektor war sozusagen auf dem Opfertisch, um wieder die richtigen Verhältnisse herzustellen.
Ob die vielen Unterschriftenaktionen zugunsten des Stranddirektors etwas gebracht haben? Schwer zu sagen – in Pinos Bar hieß es, solche Unterschriftenaktionen seien immer eher der „Todeskuss“ und würden meistens das Gegenteil bewirken.
Feindliches Klima
Zwei Dinge haben eine Rolle gespielt: Erstens hat der Stranddirektor sich nicht auf dem Posten ausgeruht, sondern ist wirklich in seiner Funktion aufgeblüht und hat viel bewegt. Zweitens hat, wie ein Insider dem Autor berichtete, der ursprünglich vorgesehene Gegenkandidat aus Cervignano schon früh die Segel gestrichen – er wolle in keinem „feindlichen Klima“ den Job antreten. Was wohl tatsächlich auf die Unterschriftenaktionen zurückgeführt werden kann. Die örtliche Tageszeitung schrieb poetisch: Die Kandidatur des Mannes aus Cervignano sei „tramontata“, frei übersetzt: Er sei mitsamt seinen Ambitionen in den Sonnenuntergang geritten.