Bevor wir die Badesachen aus dem Schrank holen und für den Strand packen, betrachten wir aus aktuellem Anlass ein typisch italienisches Phänomen, nämlich den posto fisso.
Vorab: Im letzten Jahr wurden in Grado zwei Stellen für die vigili ausgeschrieben, die Gemeindepolizei. Auf die beiden freien Stellen meldeten sich 116 Bewerber. 116! Praktisch der halbe Ort.
Warum bloß? Es ist ein Job mit relativ geringem Verdienst, mit so gut wie keinen Aufstiegschancen. In Österreich oder Deutschland würde man jedem davon abraten. Aber es ist ein ganz sicherer Job ohne jeglichen Stress. Ab und zu ein Strafzettel für einen vorwitzig parkenden Touristen, hier und da eine freundliche Ermahnung an Einheimische, die in der Fußgängerzone Fahrrad fahren. Für die echten Straftaten sind die Polizia di Stato oder die Carabinieri zuständig. Als vigile radelt man auf einem weißlackierten Fahrrad pfeifend durch den Ort, hält hier und dort auf einen caffè und einen Plausch an, alle sind freundlich zu einem. Beim alljährlichen Hochwasser muss man die Straße zum Hafen sperren; viel dramatischer wird es nicht, und an einem durch Stress ausgelösten Herzkasper wird kein vigile eingehen.
Der erfolgreichste italienische Film aller Zeiten heißt „Quo Vado“, stammt aus dem Jahr 2016 und dreht sich, mit Checco Zalone in der Hauptrolle, um den posto fisso (im Deutschen heißt der Film kalauernd „Der Vollposten“). In der ersten Szene geht der Dorfpfarrer durch die Grundschulklasse und fragt die Kinder, was sie denn später mal werden wollen. Als der Pfarrer Klein-Checco fragt, antwortet der: „Ich will einen posto fisso, so wie du, Herr Pfarrer.“
Unkündbar
„Fisso“ heißt „fest“, genauer aber „unkündbar“, wofür in den letzten Jahrzehnten die einflussreichen Gewerkschaften und die lange starke kommunistische Partei mit zahlreichen Gesetzen gesorgt haben, denn um von einem posto fisso vertrieben zu werden, musst du schon deine Oma mit einem Klappspaten erschlagen. Das sorgt für ökonomische Lähmung, für eine schwerfällige Bürokratie, für eine generelle Trägheit beim Durchsetzen neuer Initiativen. Aber das sorgt auch dafür, dass viele Italiener mit einem zufriedenen Lächeln durchs Leben laufen.
Nun zum aktuellen Fall: Die Region Friaul-Julisch Venetien hat 30 posti fissi zu vergeben, mit so atemberaubend vagen Jobbeschreibungen wie „Collaboratore amministrativo“ oder „Specialista Turistico Culturale“. Wie viele Bewerber haben sich auf die dreißig Stellen gemeldet? 7500.