Es ging Schlag auf Schlag. Mit der Grazer Andritz AG, AT&S mit Hauptsitz in Leoben-Hinterberg sowie der in Premstätten und München beheimateten ams-Osram AG haben die drei großen Börsenkaliber mit Sitz in der Steiermark am Donnerstag ihre aktuellen Bilanzdaten veröffentlicht. Ein Überblick.

Andritz AG: Konzernergebnis gesunken, Neuaufträge stark gestiegen

Für den auf Maschinen- und Anlagenbau spezialisierten Technologiekonzern Andritz AG hielt das erste Halbjahr viel Licht und etwas Schatten bereit. So ist das Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,4 Prozent auf 191,6 Millionen Euro gesunken, der Umsatz gab um 8,4 Prozent auf 3,65 Milliarden Euro zurück. Bemerkenswert fällt aber der Blick auf die Auftragsentwicklung aus. Bei den Eingängen konnte die Andritz AG ein Plus von 22,9 Prozent auf 4,73 Milliarden Euro verbuchen. Der Auftragsstand summiert sich per Ende Juni damit auf 10,398 Milliarden Euro. Diese starke Entwicklung sowie die stabile Marge beim operativen Ergebnis (EBITA-Marge) von 8,3 Prozent „verdeutlichen die Robustheit“ des Konzerns und seines diversifizierten Geschäfts, so Vorstandschef Joachim Schönbeck.

Andritz sorgte heuer bereits mehrfach mit Großakquisitionen für Aufsehen. So wurden LDX Solutions (nordamerikanischer Anbieter von Technologien zur Emissionsreduzierung), der italienische Maschinenspezialist für Tissue- und Wickeltechnologien, A.Celli Paper, sowie Diamond Power International, Experte für Kesselreinigungssysteme, zugekauft. Auch die italienisch-spanische Salico Group, Produzent von Adjustageanlagen für Metallband, wurde erworben. „Mit den jüngsten Akquisitionen haben wir unser Produktportfolio entlang der Wertschöpfungskette unserer Kunden weiter ausgebaut“, so Schönbeck. Zusammengerechnet kommen die vier Unternehmen auf einen Jahresumsatz von 370 Millionen Euro. Rund um die US-Zölle, die USA tragen immerhin 17 Prozent zum gesamten Andritz-Umsatz bei, habe man bisher „keine wesentlichen Auswirkungen festgestellt, wir werden die Entwicklungen jedoch weiterhin aufmerksam beobachten“.

ams-Osram: Zuversicht für das zweite Halbjahr

Der Sensor- und Chipspezialist ams-Osram baut derzeit am Stammsitz in Premstätten kräftig aus und investiert bis 2030 rund 570 Millionen Euro, in eine neue und hochmoderne Wafer-Produktionsstätte. Die Arbeiten am Standort „laufen nach Plan“, sagt Konzernchef Aldo Kamper zur Kleinen Zeitung. Die aktuelle Entwicklung – eine hohe Nachfrage in diesem Segment – zeige auch, dass dieser Ausbau ein richtiger und guter Schritt sei. Im ersten Halbjahr ist der Gesamtumsatz von ams-Osram von 1,665 im Jahr davor auf 1,595 Milliarden Euro gesunken, hier spielten auch Euro-Dollar-Wechselkurseffekte eine dämpfende Rolle. Das bereinigte Ergebnis nach Steuern fiel mit minus fünf Millionen Euro erneut negativ aus, nach einem Verlust von 36 Millionen Euro in der ersten Jahreshälfte 2024. Im zweiten Quartal konnte man das bereinigte Nettoergebnis mit 18 Millionen Euro aber ins Plus drehen.

Kamper zeigt sich zuversichtlich: „Wir erwarten weiterhin eine stärkere zweite Jahreshälfte, auch wenn der schwächere US-Dollar die Gesamtergebnisse belastet und die Zollpolitik für anhaltende Unsicherheit sorgt.“ Direkte Auswirkungen durch die US-Zölle seien „eher vernachlässigbar“, so Kamper. Die Frage sei aber, inwieweit es zu negativen Nachfrageänderungen auf den für ams-Osram wichtigen globalen Auto- und Smartphone-Märkten komme, „derzeit sieht es nicht danach aus“. Die Gemengelage rund um geopolitische Verwerfungen und Zölle hat aber den Goldpreis kräftig steigen lassen, „das hat Relevanz für uns, weil wir Gold verbauen“ – etwa in LED-Chips. Das führe zu einer zusätzlichen Belastung im niedrigen zweistelligen Millionen-Bereich.

Bei langfristigen Neuaufträgen, Design-Wins, sieht sich Kamper mit Verweis auf ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro und 2000 Einzelprojekten ebenso gut auf Kurs wie beim beschleunigten Schuldenabbau und der Umsetzung des Effizienzprogramms. Wie berichtet, will ams-Osram – um die Zinsaufwendungen auf unter 100 Millionen Euro jährlich zu senken – Vermögenswerte um mehr als 500 Millionen Euro veräußern. „Unser Plan, die Schuldenlast schneller zu reduzieren, geht auf.“

Der Schuldenstand liegt derzeit bei knapp zwei Milliarden Euro. Zuletzt wurde der Verkauf der Unterhaltungs- und Industrielampensparte um 114 Millionen Euro an die japanische Ushio bekanntgegeben. Der Prozess laufe weiter, nähere Details zu weiteren Verkäufen könne er noch nicht nennen, so Kamper.

AT&S: Mehr Umsatz, höherer Verlust

Der Leiterplattenhersteller AT&S hat im ersten Halbjahr u. a. die neue Hightech-Fertigung in Leoben in Betrieb genommen, in die rund 500 Millionen Euro investiert wurden. Anlaufkosten für neue Werke – auch in Kulim (Malaysia) – haben sich im ersten Quartal 2025/26 ausgewirkt, vor allem aber die negativen Dollar Wechselkursentwicklungen sowie der vorherrschende Preisdruck. Lichtblick: Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 398,9 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) legte um 9,4 Prozent auf 70,6 Millionen Euro zu. Insgesamt fiel der Quartalsverlust mit 55,9 Millionen Euro aber höher aus als im Vorjahreszeitraum (34 Millionen Euro).

Beim Ausblick für das Gesamtjahr hält man sich zurück: „Es herrscht immer noch kein klares Bild wie die US-amerikanische Regierung künftig mit Einfuhrzöllen für Waren in die USA umgehen will“, wird mitgeteilt. Für die eigenen Produkte rechnet AT&S nicht mit großen Auswirkungen, auf die Endprodukte für Kunden könnte es aber sehr wohl „erheblichen Einfluss“ haben -„und damit dann auch auf die Nachfrage nach Produkten von AT&S“. Auch die weitere Wechselkursentwicklung sei unklar. Der Aktienkurs von AT&S ist am Donnerstag gehörig unter Druck geraten.

Das erste Quartal habe zwar „ein Anziehen der Nachfrage gezeigt, die jüngste Dollar-Schwäche habe aber eine positivere Entwicklung verhindert“, schreiben die Analysten der Erste Group in einer ersten Reaktion. AT&S verbucht einen großen Teil seiner Umsätze in der US-Währung. Insgesamt bewege sich der Konzern aber weiter in die richtige Richtung, so die Experten.