Der steirisch-bayerische Chip- und Sensorenhersteller ams-Osram sieht sich aktuell nur gering von den höheren US-Importzöllen betroffen. Zu schaffen mache dem Unternehmen aber der hohe Goldpreis. Dieser habe zuletzt im „niedrigen zweistelligen Millionen“-Bereich belastet, sagte Vorstandschef Aldo Kamper am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz.
Im Geschäft mit Ersatzlampen im Automobilbereich produziere man vor Ort in den USA. Bei Halbleitern und LEDs, die in Österreich bzw. Deutschland hergestellt werden, könne man die Zölle über Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben. Zudem sei die Konkurrenz ebenso von den Importtaxen betroffen.
Viel Gold verbaut
Noch unklar sei, inwiefern die Zölle zu einem allgemeinen Rückgang der Nachfrage führen. „Momentan sieht es nicht so aus“, zeigt sich Kamper aber optimistisch. Die große Unsicherheit rund um die US-Zollpolitik hat aber zu einer steigenden Goldnachfrage geführt und die Preise dementsprechend in die Höhe getrieben. „Das hat Relevanz für uns, weil wir viel Gold verbauen.“
„Bisher keine Beeinträchtigung des Geschäftes“ sieht Kamper durch chinesische Exportkontrollen für Seltene Erden. Der Bedarf bei ams-Osram sei nicht sehr groß. Für die betroffenen Produkte habe man zudem alternative Lieferketten.
Umsatzrückgang im zweiten Quartal
Der in Zürich gelistete Konzern hat im zweiten Quartal 2025 einen Umsatz von 775 Millionen Euro erwirtschaftet. Das sind fünf Prozent weniger als in der Vergleichsperiode im Vorjahr. Den Rückgang führt das Unternehmen auf einen schwächeren US-Dollar, das nicht zum Kerngeschäft gehörende Halbleitergeschäft und eine Bestandskorrektur bei Automobil-LEDs zurück.
„In einem weitgehend anspruchsvollen Umfeld haben wir geliefert“, kommentierte Kamper die Zahlen. Man erwarte sich weiterhin eine stärkere zweite Jahreshälfte, auch wenn der schwächere US-Dollar die Gesamtergebnisse belaste und die Zollpolitik für anhaltende Unsicherheit sorge. Für das dritte Quartal heuer wird ein Umsatz zwischen 790 Millionen und 890 Millionen Euro angepeilt, bei einer EBITDA-Marge von 19,5 Prozent.
Abbau der Schuldenlast
„Unser Plan, die Schuldenlast schneller zu reduzieren, geht auf“, war Finanzchef Rainer Irle in der Früh in einer Aussendung zitiert worden. Die Firma hatte vor gut einer Woche angekündigt, eine 500 Millionen Euro schwere 2029er-Anleihe zu platzieren, um ausstehende Osram-Aktien vorzufinanzieren und 150 Millionen Euro der 2027er-Wandelanleihe zurückzukaufen.
Rund um die Abfindung für Osram-Minderheitsaktionäre wartet man weiterhin auf ein Gerichtsurteil. Kamper rechnet in der zweiten Jahreshälfte oder Anfang 2026 mit einem Richterspruch. ams hatte die deutsche Osram 2020 übernommen.
Am Dienstag kündigte das Unternehmen zudem den Verkauf der Unterhaltungs- und Industrielampensparte an den japanischen Leuchtenentwickler Ushio für 114 Millionen Euro an. Die Nettoverschuldung wird am Donnerstag mit 1570 Millionen Euro und damit auf annähernd gleichem Niveau wie ein Jahr zuvor angegeben.
Nettoverlust 5 Millionen Euro im Halbjahr
Das bereinigte EBITDA stieg im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 145 Mio. Euro, was einer bereinigten EBITDA-Marge von 18,8 Prozent entspricht. Das bereinigte Nettoergebnis betrug im zweiten Jahresviertel 2025 18 Millionen Euro, nach einem Verlust ein Jahr zuvor und im ersten Quartal. Der Free Cash Flow lag bei minus 14 Millionen Euro. ams-Osram bestätigt damit die vor rund einer Woche veröffentlichten, vorläufigen Zahlen.
Mit Blick auf das gesamte erste Halbjahr kommt das Unternehmen mit Hauptsitz in Premstätten auf Umsatzerlöse von 1595 Millionen Euro, nach 1665 Millionen ein Jahr zuvor. Das bereinigte Ergebnis nach Steuern fällt mit minus 5 Millionen Euro erneut negativ aus, nach einem Verlust von 36 Millionen Euro in der ersten Jahreshälfte 2024.