Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Ringen in SteyrSozialplan für MAN-Werk: Harte Bandagen vor dem Verhandlungsstart

Verhandlungen starten am Montag, Betriebsrat für "Sozialplan mit doppelter Freiwilligkeit". Kosten-Nutzen-Rechnung Personalabbau versus Schließung. MAN könnte Fördergelder zurückzahlen müssen.

© (c) FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAYR (FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAYR)
 

Am Montag starten im MAN-Werk in Steyr die Verhandlungen über den Sozialplan für den zur Disposition stehenden Standort. Betriebsrat Helmut Emler erwartet sich "zielführende" Gespräche und keine reine Präsentation des Plans seitens des Unternehmens, stellte er klar. So will er über "einen Sozialplan mit doppelter Freiwilligkeit", wie er bei MAN in Deutschland gelte, reden.

Damit meint der Belegschaftsvertreter, dass zum einen Arbeitnehmer nur von sich aus das Werk verlassen sollen. Zum anderen dürfe mit dem Sozialplan nicht die Schließung des Werks verbunden sein. Zu einem somit erreichten Personalabbau solle der Konzern eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen. Im "Worst Case" würde eine Schließung den Konzern zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro kosten, verwies Emler auf eine Expertise des Linzer Zivilrechtsexperten und Rektors der Johannes-Kepler-Universität (JKU), Meinhard Lukas. Für Steyr gebe es nicht nur einen Standortsicherungsvertrag, sondern auch den Kündigungsverzicht des Unternehmens. Im Falle einer Schließung würden Kündigungsentschädigungen bis zum Jahr 2030 fällig werden, meint Lukas. Die von MAN genannten Einsparungen von 80 Millionen Euro durch eine Produktionsverlagerung von Steyr nach Polen würden sich laut Betriebsrat dann erst in 15 Jahren rechnen, meint Emler.

"Prüfen Rückforderungen sehr genau"

Ein finanzielles Nachspiel könnte eine Schließung auch in Bezug auf geleistete Förderungen für MAN haben. Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG hat seit 2017 insgesamt 2,4 Millionen Euro öffentlicher Gelder in Projekte mit MAN investiert. Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, Subventionen von Unternehmen zurückzuverlangen. Laut Klausel ihrer Förderverträge können Forschungsgelder wegen betriebsbedingter Schließungen bis drei Jahre nach Abschluss eines Projektes zurückgefordert werden, sagte FFG-Geschäftsführer Klaus Pseiner im Ö1-Mittagsjournal am Freitag. Konkret geht es um rund 300.000 Euro FFG-Gelder für die Erforschung neuartiger Wasserstoffantriebe für Lkw von MAN. Dieses Projekt stehe kurz vor dem Abschluss. Sollte das Werk in Steyr tatsächlich 2023 geschlossen werden, prüfe man "Rückforderungen sehr genau", kündigte Pseiner an. Den Löwenanteil der Investition seit 2017 dürfte die FFG hingegen nicht vom Nutzfahrzeugehersteller zurückholen können. Das Großprojekt zu batteriebetriebenen Lkw endete bereits 2019 und liegt damit wohl außerhalb der Drei-Jahres-Frist.

"Bieten uns als Problemlöser an"

Im Vorfeld der Verhandlung am Montag hatten sich am Freitag noch die MAN-Belegschaftsvertretung, der Steyrer Bürgermeister Gerald Hackl und sein Vize Markus Vogl (beide SPÖ) mit Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (alle zwei ÖVP) getroffen. Darin wurde nochmals betont, dass es "jetzt an der Zeit ist, dass auch mögliche weitere Interessenten klare Konzepte auf den Tisch legen", hieß es einer Aussendung des Landes. Laut Emler "rufen Unzählige täglich an, die das Werk kaufen wollen".

"Wenn alle wollen", hält es Gerald Ganzger für "sehr realistisch", dass es für das MAN-Werk in Steyr eine Zukunft gibt. Mit "alle" meint der Sprecher des Green-Mobility-Konsortiums rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) dessen Investorengruppe, die Konzernzentrale des Nutzfahrzeugeherstellers in München sowie Ex-Magna-Chef Siegfried Wolf. Als Diskussionsmodell sieht Ganzger eine Dreiteilung des Standorts Steyr. MAN könnte die Lackiererei weiter betreiben, Wolf dort, wie in seinem Übernahmeplan vorgesehen, Lkw produzieren und die Egger-Gruppe das Green Moblity Center errichten. "Groß genug ist das Werksgelände", meinte der Sprecher. Man biete sich quasi als "Problemlöser" an und warte auf eine Einladung von MAN zu Gesprächen. Eine derartige Bündlung der Interessen sei eine Denkvariante. Besteht der Wunsch zur Erörterung, werde das Konsortium einen namhaften Sprecher ‒ ohne dass Ganzger dessen Namen nennt ‒ zu einem runden Tisch schicken. Werde es am MAN-Standort Steyr nichts mit dem Green Mobility Center, suche sich das Konsortium einen neuen Ort, meint er. Konkreteres war nicht zu erfahren.

Kommentare (5)
Kommentieren
hansi01
1
3
Lesenswert?

Wissen die Gewerkschafter was es heißt

Der Zug hat gepfiffen. Ja er ist abgefahren. Unsere Vorfahren in der Steiermark waren gescheiter. Gold für 1 Jahr oder Erz für immer da. Sie haben sich für das Erz entschieden. Und noch heute haben wir es.

Ratte
5
11
Lesenswert?

Allein der Umstand, dass die Gewerkschaft...

..noch immer mitkeppelt, wäre Grund genug, jedes weitere Gespräch zu verweigern. Die haben von nichts eine Ahnung und wollen gerne auf Kosten anderer Flagge zeigen. Diesen sogenannten "Arbeitnehmervertretern" kann man nur unverzüglich den Ausgang zeigen...

dieRealität2020
6
14
Lesenswert?

da kommen jetzt Leute wie Lukas und Konsorten und versuchen ihre Meinungen

.
als klagbare Rechtsgrundlage zu geben, nach dem Motto kein Problem, alles roger, die Konsorten wollen VW (MAN) die Wirtschaftlichkeit erklären und haben anscheinend noch immer nicht begriffen, VW (MAN) wird das tun, was aus wirtschaftlichen finanziellen Gründen erforderlich bzw. notwendig ist und was sich für VW (MAN) rechnet.
.
Die Rückzahlung der Fördergelder, Peanuts für VW (MAN). Und noch immer gibts keine Offenlegung der Verträge über die Förderungsvereinbarungen, sondern nur Geschwätz. Bis dato gibt es in der Öffentlichkeit nur mündliche Hinweise aus dem Vertrag. Langsam frage ich mich ob Lukas und Konsorten z.B. Gewerkschaft und Politik tatsächlich die Verträge schon eingesehen habe?
.
Na dann ist ja alles roger. Laut Betriebsrat Emler "rufen Unzählige täglich an, die das Werk kaufen wollen". Das Unternehmen? Oder nur die Anlage das Werk? Sozialplan? VW (MAN) zahlt alle Forderung der Gewerkschaft, lassen die Anlagen und das Werk da und können gehen.
.
Wo haben alle Beteiligten bis jetzt gelebt?

altbayer
3
18
Lesenswert?

Neue Investoren ?

Wie im Bericht zu lesen wollen die neue Investoren die Immobilie MAN.Steyr, um andere Produkte zu fertigen.
KeKelit produduziert Installationsmaterial - glauben die Arbeiter wirklich, dass KeKelit die gleichen Löhne wie MAN weiter zahlt.
Anderer KV - da sprechen wir von mehr als 15% Lohnabstriche.

Hellimaria
7
30
Lesenswert?

Ein Lob für alle Errungenschaften der Gewerkschaft im Arbeiterkampf

Aber wann kommen diese Herrschaften endlich in der Gegenwart an? Wenn ich diese Forderungen lese, weiss ich nicht on ich laut lachen, mir auf die Stirn greifen soll oder gleich laut weinen soll? Wann begreift diese Spezies endlich, dass sie neben dem Spielfeld steht und nicht am Spielfeld? Sorry aber so schafft man sich einfach nur ab und wird als Partner auf Augenhöhe nicht mehr angesehen werden.