„Auf den Kopf muss auch Öl hinauf. Damit die Haare wieder wachsen!“ Josie ist zwar erst drei Jahre alt, aber sie erklärt ihrer Mama Silke bereits mit ernster Miene, wie sie das Pflegeöl auftragen soll. Dass ihre Haut nach mehreren Chemotherapien, darunter Hochdosis-Chemos mit Stammzellentransplantation, und einer Strahlentherapie besonders empfindlich ist, weiß die Kleine ganz genau. Und weil die Therapien auch ihre Haare immer wieder ausfallen lassen, ist sie überzeugt: Ein bisschen Öl hilft bestimmt.
Als Silke Prieler im vergangenen April mit ihrer Tochter zum Kinderarzt fährt, weil Josie plötzlich verwaschen spricht und ihre Zunge beim Essen nicht richtig mitmacht, scheint zunächst alles harmlos. Ein Termin beim Neurologen bringt Entwarnung – „pumperlg’sund“ sei die Kleine. Die Symptome verschwinden, der Sommer wird fröhlich. Josie lacht viel, wirbelt durchs Leben und freut sich auf den Start in die Kinderkrippe.
„Du hast gleich den riesigen Tumor gesehen“
Dann kommt das Fieber. Hartnäckig hält es sich mehrere Tage, doch das Blutbild ist unauffällig. Schließlich darf Josie doch in die Krippe. Die Freude ist groß – bis der Anruf der Pädagogin kommt: Josie hat sich übergeben. Zu Hause wirkt sie bald wieder fit, isst mit Appetit, schläft ruhig. Alarmiert ist Silke am nächsten Morgen, als ihr auffällt, dass Josie beim Spielen ihre rechte Hand kaum benutzt und ein Mundwinkel herabhängt. „Genau so hat es bei meinem Papa nach seinem Schlaganfall ausgesehen“, erinnert sie sich. Und: „Das war der Moment, in dem unser Marathon begonnen hat.“
Der Kinderarzt schließt einen Schlaganfall aus und schickt Mutter und Kind weiter ins LKH Stolzalpe, von wo es sofort weitergeht in die Kinderklinik nach Leoben. Ein MRT wird gemacht. „Da waren wir noch guter Dinge, dass schon alles passen wird“, erzählt Silke. Das ändert sich in dem Moment, als Silke und ihr Mann Markus am Tisch des zuständigen Arztes Platz nehmen: „Er hat das Bild vom MRT umgedreht – und da bin ich zusammengebrochen. Du hast gleich den riesigen Tumor in diesem kleinen Kopf gesehen.“
Die Ärzte erklären die Risiken – Sprachverlust, Lähmungen, ungewisse Folgen
Es folgen der Transport nach Graz, ein weiteres MRT, noch am selben Tag die Operation. Die Ärzte erklären die Risiken – Sprachverlust, Lähmungen, ungewisse Folgen. Silke hat große Angst; erst kurz zuvor ist ihr Vater nach einer Operation am Kopf gestorben. Die ganze Nacht zittern und bangen Silke und Markus, bis endlich am Morgen der ersehnte Anruf kommt: Josie ist wach und fragt nach Mama und Papa. Ihr Mädchen liegt mit Netzhaube im Bett, ein Auge zugeschwollen, die Hände in Fäustlingen, die Arme fixiert, damit sie sich nicht verletzt. Silke ist überwältigt von einer Mischung aus Angst und Erleichterung: „Ich habe gleichzeitig gelacht und geplärrt.“
Sechs Tage später darf sie nach Hause, doch die endgültige Diagnose steht noch aus. Als sie kommt, trifft sie die Eltern mit voller Wucht. Silke erinnert sich noch genau an das Gespräch mit dem Arzt: „Wir sind vor Herrn Dr. Benesch gesessen und er sagt: ,Ihre Tochter hat einen sehr bösartigen Tumor.‘ Ich schau ihn an und frage nach: ,Nicht einfach bösartig? Sehr bösartig?‘ Er antwortet: ,Ja, sehr bösartig.‘ Und dass wir mit der Chemo gleich morgen starten müssen.“ ETMR, so lautet die Bezeichnung des äußerst schnell wachsenden und aggressiven embryonalen Tumors, der erfolgreich aus Josies Kopf entfernt worden war. Vor dem Ärztezimmer bricht Silke zusammen: „Das ist alles wie in einem schlechten Film, habe ich mir gedacht“, so Silke, die nun hörbar tief Atem holen muss, während sie an diesen Moment zurückdenkt.
Aber sie fängt sich schnell, weil Josie gerade mit ihrer Oma in die Küche kommt, ihren „Babykatzenohren“-Haarreifen präsentiert und übers ganze Gesicht strahlt. Sie trippelt durch die Küche, dreht sich wie ein kleiner Wirbelwind und freut sich auf ein Häferl Kakao. Schelmisch schaut sie zur Mama, als sie das Kakaopulver nicht in die Milch hineinrührt, sondern sich den Löffel mit dem süßen Pulver gleich in den Mund steckt. Sie kichert. „Schlaumeier“, meint die Oma lächelnd.
Unterstützung bei den Kosten für ein Zuhause zum „Ankommen“
Nach der Diagnose ist für Silke Prieler der Moment gekommen, ihr Heurigen-Lokal, das die gelernte Gastronomin bis dahin in der Nähe ihres Wohnorts mit Leidenschaft betrieben hat, zuzusperren. Natürlich müssen Löhne weiterbezahlt werden und laufende Zahlungen sind zu bewältigen. Alles nachrangig neben den Sorgen um Josie, aber dennoch eine finanzielle Last im Hintergrund. Für Josies Papa ist es ein andauernder Balanceakt: Der Erwerbsarbeit als Selbstständiger und als Betriebshelfer in einem großen regionalen Unternehmen nachgehen und den Verdienstentgang abfedern, sich um den Bauernhof kümmern – und sollte dann tatsächlich noch etwas Zeit übrigbleiben, auf der Baustelle des künftigen Eigenheims herumwerkeln.
Mit viel Eigenleistung hatten Familie und Freunde daran gearbeitet, das Obergeschoss des Elternhauses bewohnbar zu machen. Schlafzimmer und Bad sind fertig, doch der Rest ist Baustelle: Dachstuhlausbau, Elektrik, Küche, Josies Zimmer. Kommen sie von den anstrengenden Therapien in Graz und Wiener Neustadt zurück in die Obersteiermark, können sie zwar bei Silkes Schwester unterschlupfen, aber es fehlt ein Ort zum „Abschnaufen“. Keine Baustelle mehr, sondern ein Zuhause zum Luftholen und Kraft tanken. Genau das wünschen sich die Prielers. Damit dieser Wunsch Wirklichkeit werden kann, braucht Familie Prieler Unterstützung bei den Kosten für all jene Schritte, die notwendig sind, um die Baustelle zu einem Zuhause zu machen. Damit dies gelingen kann, bitten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, um Unterstützung.