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Betriebsrat entsetztBei MAN in Steyr müssen die Leiharbeiter gehen

Die Hälfte der 278 Leiharbeiter verliert in den kommenden Wochen ihren Job. Neue Verhandlungen über Sozialplan. Der Betriebsrat spricht vom "wirtschaftlichen Wahnsinn".

++ THEMENBILD ++ MAN-WERK IN STEYR
© APA/HELMUT FOHRINGER
 

Die MAN-Zentrale in München macht offenbar Ernst mit der Schließung des Standorts Steyr: Eine Woche nach dem Nein der Belegschaft zur Übernahme des Standorts Steyr durch Investor Siegfried Wolf hat sie am Donnerstag erklärt, die Verträge für die 278 Leiharbeiter zu kündigen. Zudem starten kommenden Montag die Verhandlungen über einen neuen Sozialplan, da der bisherige an eine Übernahme durch Wolf geknüpft war.

In den nächsten Wochen werde die Anzahl der Leasingarbeiter um rund die Hälfte reduziert. "In einem weiteren Schritt werden wir uns auch von den übrigen Leiharbeitnehmern trennen", teilte die Zentrale in München der APA mit. Nachdem "Plan A" der Übernahme abgelehnt worden sei, "setzen wir jetzt den angekündigten 'Plan B' der Schließung konsequent um. Einen 'Plan C' gibt es nicht", stellte der Konzern klar. 2023 soll das Werk mit 1900 Stammmitarbeitern ganz geschlossen werden.

Geplante Schließung könnte Milliarden kosten

Der Kündigungsverzicht bis 2030 gilt und wurde rechtswirksam vereinbart, sagt der Linzer Rektor der Johannes-Kepler-Universität. Mehr dazu lesen Sie hier.

"Wirtschaftlicher Wahnsinn"

Arbeiterbetriebsrat Helmut Emler hat bisher nur inoffiziell gehört, dass die Zentrale an die 125 Leasingarbeiter nicht mehr weiter beschäftigen wolle. Und das obwohl die Auftragsbücher voll seien. Wenn nach wie vor 86 Lkw in 4,5 Produktionstagen pro Woche vom Band gehen müssen und dieses Volumen mit der Stammbelegschaft aufrechterhalten werden soll, könnte dies laut Emler nur bedeuten: Zwei Sonderschichten, durch das Streichen der Freischicht Freitagnachmittag und das Einführen einer zusätzlichen am Samstag. Und damit stehe auch eine Überstundenverpflichtung im Raum. Die gleiche Stückzahl mit Überstunden zu produzieren, bezeichnet er als "wirtschaftlichen Wahnsinn". Aber offensichtlich "spielt Geld bei der aktuellen MAN-Führung keine Rolle". Bei den Gesprächen über einen Sozialplan für die Mitarbeiter kommenden Montag will er vor allem über den Fortbestand des Standorts samt allen Arbeitsplätzen reden. Daher habe man verlangt, dass der MAN-Eigentümer VW mit am Tisch sitzen solle, dazu aber vorerst keine Rückmeldung erhalten.

Verhandlungstisch statt Drohgebärden 

Die SPÖ Oberösterreich sprach nach Bekanntwerden der anstehenden Vertragskündigungen der Leasingkräfte in einer Aussendung von "erpresserischen Methoden". Anstelle "Drohgebärden aufzubauen, sollte das Management des Konzerns sofort wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Es wird auch Zeit, dass die Regierung die Samthandschuhe auszieht und endlich für die ArbeitnehmerInnen in Österreich kämpft." Landesparteichefin und Landesrätin Birgit Gerstorfer hatte sich bereits zuvor in einer Pressekonferenz vor dem Werk in Steyr weiterhin für eine staatliche Beteiligung bei MAN ausgesprochen.

Der Linzer Zivilrechtsexperte und Rektor der Johannes Kepler Universität (JKU), Meinhard Lukas, meinte, dass die geplante Schließung des Werks die deutsche Konzernmutter VW Milliarden kosten könne. So gebe es für das Werk nicht nur einen Standortsicherungsvertrag, sondern auch einen Kündigungsverzicht seitens des Unternehmens. Damit würden im Falle einer Schließung Kündigungsentschädigungen bis zum Jahr 2030 fällig werden, sagte Lukas auf Anfrage der APA.

Die praktische Konsequenz einer Werksschließung und Kündigungen wären Kündigungsentschädigungen für die entgangenen Löhne, "da sprechen wir aufsummiert über die Jahre über Milliardenbeträge", so Lukas. Für die Höhe der Entschädigungen wären auch Einkommen aus neuen Jobs zu berücksichtigen.

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Danke für Ihr Verständnis.

Hildegard11
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Jetzt wäre es Zeit....

....für Generalstreik. Eh schon egal. MAN Manager zeigen ihr wahres Gesicht....eher eine Fratze...

kritik53
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Generalstreik

Solche Blödheiten kann wirklich nur jemand, dem man Gewerkschaft ins Hirn gestempelt hat, verzapfen.

makhe
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Da werden auch die Politiker

nichts ändern können. Da geht es rein um Konzernstrategie, die leider niemand wirklich kennt.
Es gibt aber einen Vertrag mit Standortgarantie. Wird, bzw. in welcher Form wird der eingehalten? Wenn keine Einhaltung gegeben, müssen sich die Gerichte damit beschäftigen. Politiker und Betriebsrat können hier nichts mehr bewegen!

Unternehmer
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unglaubliche Verantwortungslosigkeit!

als ich in den Medien das Abstimmungsergebnis gehört habe war ich entsetzt. Mit so viel Kurzsichtigkeit habe ich nicht gerechnet. Man darf Arbeitern keine so weitreichenden betriebswirtschaftlichen Entscheidungen treffen lassen. Die können und dürfen so etwas nicht entscheiden, deshalb sind Sie Arbeiter. Wenn sie in der Lage wären solche Entscheidungen zu treffen wären Sie Unternehmer geworden. Mich erschüttert auch die unglaubliche Verantwortungslosigkeit vom Betriebsrat. Super Leistung, eine historische Chance aus Kleingeisterei kaputt, tausende Arbeitslose, eine der ältesten Traditionsmarken endgültig weg. Gratulation!

schadstoffarm
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dann kannst auch Demokratie abschaffen

im übrigen sollte dir als Unternehmer eh klar sein warum eine an sich unnötige Abstimmung durchgeführt wurde. Und das ganze kontrafaktisch auch noch als historische Chance zu werten spricht ehr für deinen unternehmerischen Optimismus.

Toyota11000
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gut dass der Wolf

in der Udssr bleibt. gut gemacht belegschaft. lasst euch nichts gefallen.

Balrog206
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Toyota

Für dich wäre deinem Nick entsprechend ein Arbeitsaufenthalt in Japan Augen öffnend !

Ratte
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Was genau haben Sie...

...in diesem Fall nicht verstanden? Oder finden Sie das wirklich gut, dass die meisten jetzt statt 15 % weniger Gehalt Arbeitslose beziehen werden? Eigenartige Ansicht, aber bitte...

petera
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Die Mitarbeiter bekommen wahrscheinlich

Bis 2030 vollen Lohnausgleich, da mehrere Verträge (Standort-/Beschäftigtungsgarantie) vorhanden. Siehe auch anderen Bericht.

Die Leiharbeiter wären auch bei Wolf sofort rausgeschmissen worden.

gm72
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Ach so, darum geht's den Menschen also!

Volle Kohle für was auch immer. Naja, dann ja auch eine Art von B.sch.ss.

leserderzeiten
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Na worum solls sonst gehn?

Die Arbeiter haben ihren Vertrag eingehalten. VW und Wolf glauben sie können tun und lassen was sie wollen.

Wenns nicht ums Geld geht, dann soll doch VW alles lassen so wies ist.
Aber der Bonus muss passen, nur halt für gewisse.

hieblerc116
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Kurzsichtige Belegschaft

Das Abstimmungsverhalten war beschämend. Man ist den Argumenten der Gewerkschafter gefolgt und nun stehen zumindest die Leiharbeiter auf der Straße. Ein Gehaltsverzicht auf das Niveau des Kollektivvertrages und eine Beteiligung wäre besser gewesen als sich selbst arbeitslos zu entscheiden. Jene die sich gegen die Übernahme durch Wolf entschieden haben, gehört 50%des Arbeitslosengeld gestrichen. Nun soll aufgrund der Wahlen in OÖ im Herbst die Politik die Lösung für die das selbstgewählte Aus bringen? Alle Räder stehen still wenn unser starker Arm es will, hieß es einmal. Diese Zeiten sind vorbei!

petera
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Ich habe es oben schon geschrieben

Die Leiharbeiter wären auch bei Wolf gekündigt worden. Zusätzlich auch noch Fixpersonal.

Warum soll man in einem Betrieb (Standort) der Profitabel ist auf eine Lohnkürzung eingehen? Um die Gewinne der Aktionäre zu maximieren?

Das einzig beschämende ist, dass die Regierung, allen voran das Arbeits- aber auch das Wirtschaftsministerium still halten. Krähen kratzen sich halt keine Augen aus.

Ratte
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Wenn man sehr böse ist,..

...könnte man darüber spekulieren, ob gewerkschaftliches Handeln und Intelligenz einander mittlerweile ausschließen....

violet
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Betriebsrat ist Dinosaurier!

Diese Performance seitens Betriebsrat ist unverantwortlich und völlig realitätsfern!
Die handelnden Personen haben den Sprung ins 21.Jahrhundert nicht geschafft. Die leidtragenden sind die noch dort arbeitenden Menschen, denn sie werden ihren Job verlieren und weiters der Steuerzahler.

schadstoffarm
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Besser ein Ende mit Schrecken

Als Schrecken ohne Ende. Lkw Kabinen für die Russen zu lackieren ist eh a schnapsidee.

Ratte
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Logisch, die LKW...

...haben ja - Gott bewahre - einen Dieselmotor. Da ist natürlich eine schadstoffarme Existenz als Arbeitsloser um Klassen besser.

justinjohnson
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Vielleicht war es eine

Retourkutsche des VW Konzern über die eifrigen Abgasklagen österreichischer
VW-Fahrer! Hat dem Konzern sehr viel Geld
gekostet!

Stratusin
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Das denke ich nicht,

aber es wäre das mindeste an Solidarität, Produkte des VW-Konzerns bis auf weiters zu boykottieren. Wär bei uns Arbeit vernichtet, sollte bei uns keinen Markt haben. Sollen sie ihre VW dort verkaufen wo sie in Zukunft produzieren.

Ratte
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Sie meinen also, ich soll lieber...

...ein koreanisches Auto kaufen, um Solidarität mit jenen zu zeigen, die sich selbst in die Arbeitslosigkeit hineintheatert haben und jetzt - ganz solidarisch - gerne die anderen Arbeitnehmer dafür bezahlen lassen würden.
Ich nehme an, Sie haben ein gewisses Naheverhältnis zu Gewerkschaft und/oder SPÖ, oder...?

Stratusin
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Nein in kleinster Weise,

aber jede Reaktion verlangt eine Gegenreaktion. Das Dumme verhalten der Mitarbeiter, verlangt ja nicht unbedingt ein dummes Lemminghaftes Verhalten der Konsumenten.

joektn
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Heftig

Ich finde es von den Mitarbeitern schon arg, dass sie quasi über ihre eigene Kündigung abgestimmt haben. Jetzt ist das Geschrei groß aber sie hatten es selbst in der Hand. 15% weniger Lohn wären real maximal zwischen 250 und 350€ netto gewesen. Dafür gäbe es einmalig 10.000€ als Bonus und eine Beteiligungsprämie die den Netto Verlust wieder ausgeglichen hätte. Unverständlich wieso man das abgelehnt hat. Man ist also lieber Arbeitslos...

Ratte
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Wenn das so stimmt,...

...muss man aber schon an der Intelligenz der Abstimmberechtigten zweifeln....

Stratusin
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Daran kann man wirklich zweifeln,

kennen einen Fall wo sowas vorgekommen ist. Die denken sich sicher, bevor der Wolf an uns was verdient. Verarmen wir lieber. Was auch funktionieren kann. Der Wolf macht sein Geld eben wo anders, der hat uns die letzte Jahre auch nicht gebraucht um sein Vermögen zu vervielfachen. Entweder man spielt mit, oder ist weg vom Fenster. Man hat sich für zweites entschieden.

Ratte
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Ich bin mir auch ziemlich sicher,...

...dass Viele eher verarmen als der Herr Wolf. Man muss halt beim spielen auch darauf schauen, wer die Bank hat...

ronny999
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Überraschung Überraschung

- Danke an die rote Gewerkschaft - statt wenigsten 70% Jobs gibt es halt jetzt keine mehr. Sollten zur SPÖ gehen - einen Drozda hat sie ja auch mit einem Traumjob trotz fraglicher Qualifikation versorgt.

 
Kommentare 1-26 von 58