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Staat soll einsteigenSPÖ fordert Gipfel zu MAN-Steyr: "Sitzen bleiben, bis weißer Rauch aufsteigt"

SPÖ fordert einen MAN-Gipfel und ein Eingreifen der staatlichen Beteiligungs-AG: Die Bundespolitik, der Landeshauptmann und die Sozialpartner setzen sich nach dem Abtimmungsergebnis in Steyr, das die bisherigen Pläne vereitelte, für den Erhalt des Standorts ein.

Um die Arbeitsplätze  "muss man kämpfen bis zur letzten Sekunde", sagte Rendi-Wagner
Um die Arbeitsplätze "muss man kämpfen bis zur letzten Sekunde", sagte Rendi-Wagner © APA/HANS PUNZ
 

Aus Sozialpartnerschaft und Politik kamen am Freitag Appelle an den Lkw-Hersteller MAN, in Sachen Steyr wieder an den Verhandlungstisch zurück zu kehren, um eine Schließung des Werks doch noch abzuwenden. Am Abend erklärte auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), sich für den Standort einsetzen zu wollen.

Kurz sagte im ORF-Interview, er hoffe sehr, dass es eine Möglichkeit gebe, die Masse der Arbeitsplätze am Standort und auch den Standort zu retten.

Heute äußert sich die SPÖ zur "Sicherung der Arbeitsplätze am MAN-Standort in Steyr und eine zukunftsorientierte Industriepolitik für Österreich": SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und SPÖ-Industriesprecher Rainer Wimmer informieren.

Rendi-Wagner forderte einen MAN-Gipfel, "so alle so lange am grünen Tisch sitzen bleiben, bis weißer Rauch aufsteigt". Um die Arbeitsplätze - allein am Standort selbst rund 2.000 - "muss man kämpfen bis zur letzten Sekunde".

Die Lösung für die SPÖ: Die Schaffung eines Beteiligungsfonds bei der staatlichen Beteiligungsgesellschaft Öbag, mit einem Volumen von zehn Milliarden Euro, und nicht nur mit Blick auf MAN: Dieser Fonds könne dazu dienen, strategische Weichenstellungen vorzunehmen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Auch Deutschland habe längst einen solchen Fonds - dort mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro - geschaffen.

Rendi-Wagner betonte, man müsse auch VW in die Pflicht nehmen: Das Unternehmen habe schließlich auch öffentliche Förderungen bekommen und jahrelang Gewinne nach Deutschland abgeliefert.  Die Mitarbeiter seien hochqualifiziert, die Förderungen hätten dazu beigetragen, eine enorm wichtige, zukunftsorientierte Transformation in Richtung E-Mobilität zu bewerkstelligen, und die Schließung wäre eine Katastrophe für die Region: Eine Milliarde Wertschöpfung sei allein mit dem Standort Steyr verbunden, 2.000 Arbeitsplätze seien direkt und tausende weitere indirekt betroffen.

"Es braucht jetzt eine handlungsfähige Bundesregierung, die sich an die Seite der Belegschaft stellt." Und die viel zu lange nichts getan habe. Was es noch brauche: "Keinen Frühstücksdirektor in der Öbag, der 600.000 Euro Jahresgage hat und nicht mehr handlungsfähig ist". Thomas Schmid habe keine Autorität mehr und er sei nicht mehr handlungsfähig: "Er muss gehen, und zwar sofort."

Industrie-Sprecher Rainer Wimmer erklärte noch einmal, warum die Belegschaft in Steyr gegen das Konzept des Industriellen Sigi Wolf stimmen musste:

  • 1.000 Arbeitnehmer sollten gekündigt werden, und keiner weiß, wer betroffen sein wird
  • Alle Beschäftigten sollten 15 Prozent weniger Gehalt bzw. Lohn bekommen
  • Alle Betriebsvereinbarungen sollten aufgekündigt werden
  • Der bestehende Standortsicherungsvertrag bis zum Jahr 2030 sollte wirkungslos werden
  • Von der VW-Führung aus habe es ein Ultimatum gegeben: Sigi Wolf oder gar nichts

Wimmer: "So kann man mit den Menschen nicht umgehen". Zumal es durchaus andere Perspektiven gebe. Die Regierung habe Hilfe versprochen, aber nicht gegeben. "Die Kollegen hätten sich im Laufe des letzten Jahres oft gewünscht, dass der Kanzler den Hörer in die Hand nimmt und fragt: "Wie geht es Euch?". Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck habe gesagt, sie arbeite an einem Österreich-Konsortium. "Frau Ministerin, wie weit sind Sie?"

Zukunftskonzept oder Kampf?

Er sei in sehr engem Kontakt mit Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer, erklärte wiederum der Kanzler, aber auch mit den Sozialpartnern "und wir stehen alle bereit, unseren Beitrag zu leisten". Kurz sprach Qualifizierungs- und darüber hinaus gehende Maßnahmen an.

Der Betriebsrat will sich mit der Konzernführung an den Verhandlungstisch setzen, am Freitag deponiert wurde. Gibt es keine Lösung, schließt die Gewerkschaft Streik und Klagen nicht aus, wurde im "Kurier" bekräftigt. Die Gewerkschaft hat wiederholt angekündigt, bei betriebsbedingten Kündigungen vor Gericht zu ziehen.

Kommentare (76)
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Klgfter
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dienspö soll an konsum und co denken ......

wo die roten die finger drin hatten - kamen nur rote zahlen raus ........ also der staat braucht sich bei solchen dingen nicht rauslehnen !

Occam
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Eine Option

In den USA, dem Mutterland des Kapitalismus kaufte der Staat in der Krise Anteile von Chrysler und verkaufte die Anteile später wieder. Ist also nicht so absurd, wie manche tun.
Rendi-Wagner fordert staatliche Beteiligung zur Rettung von MAN in Steyr.

Occam
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Türkise Kompetenz

Die Regierung schafft es nicht einmal, das Geld von der EU aus dem Recovery-Fonds zu bekommen, weil sie Monate verschlafen haben. Da gehts um fast 4 Milliarden Euro. Weniger PR, endlich arbeiten!

Robinhood
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Standortgarantie

Wird immer wieder von der Politik genannt, kann aber nur von der Politik gegeben werden, da diese ja im Zweifel niemals oder sehr selten Verantwortung übernimmt.

SoundofThunder
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Keiner hier hat den Artikel gelesen.

Es geht nur darum Anzupatzen.😏

UVermutung
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Ich finde auch, dass die SPÖ den Betrieb übernehmen sollte,

...mit Standortgarantie bis 2030 mindestens.

glashaus
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Wieso

hat Herr Wolf keine Standortgarantie abgegeben? Vielleicht deshalb weil er genau weiß das er nur den Namen und das Knowhow für die Produktion in Russland günstig haben will.

UVermutung
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@Glashaus der Name Steyr hat in Österreich sicher einen guten Klang.

...aber in Russland. Knowhow? Wenn dem so ist, dann wird er den Betrieb als Knowhow Zentrum sicher erhalten wollen. Aber es ist viel einfacher:
Wolf wollte aus sentimental-patriotischen Gründen einen Grössen Haufen Geld hintragen um die Marke wiederzubeleben und zunächst 1000 Leuten Arbeit und Sinn zu geben. Wer weiss, später vielleicht mehr, wenn's läuft.
Und die Antwort war halt: Schleich di.
Passt eh alles. Fast so wie der durchschnittliche Zugang der Österreicher zur Corona-Krise. Radikal selbstschädigend.

mtttt
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Name

Ja hat einen ganz tollen Namen dort. Dieselmotor M1 wer kennt ihn ? In Nizni Nowgorod hat er eine Heimat gefunden. Steyr als Staatsbetrieb hat es zerlegt. Was nützen tolle Arbeiter und Ingenieure ohne Unternehmen mit Vision und Herzblut. NICHTS, das sollte mittlerweile wissenstechnich Allgemeingut sein. Bitte es der PRW erklären.

crawler
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Steyr als Staatsbetrieb

hat es zerlegt, weil beamtete Manager das Sagen hatten. Heute ist das nicht mehr so. Heute ist es schon anrüchig wenn die Regierung einen zweifellos topqualifizierten Manager vorschlägt, der von den Aufsichtsräten dann auch wirklich gewählt und bestellt wird. Es wird so sicher bald ein Gesetz geben, dass Vorstände ausschließlich auf Vorschlag der Opposition bestellt werden dürfen.

Balrog206
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Glashaus

Welche Garantien geben AN ab das sie zb einem Betrieb erhalten bleiben und nicht für ein paar € mehr sofort wechseln !!

Patriot
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@Balrog: Schon wieder nichts als Blödsinn!

Jede/r Arbeitnehmer/in ist in Zeiten wie diesen froh, wenn er/sie einen Arbeitsplatz hat!

Balrog206
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Patriot

Nähere Bezeichnung erspar ich mir befürchtet dich , in welcher Blase lebst du überhaupt !! Schick uns Lehrlinge und Facharbeiter !!!!!!

Industriefreund
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Verstaatlichung

Hoffentlich nur eine Drohung!

VH7F
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Die Logik der Sozis unter Pam

Zuerst Lockdown bis zum Konkurs, dann Verstaatlichung? Es ist so schön, dass die in Opposition sind und hoffentlich noch viele Jahre bleiben.

glashaus
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VHF

den Lockdown hat aber türkiesGrün verordnet. Also was soll dein Kommentar?

LaPantera69
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Runter mit der roten Brille

Pro
Wir brauchen alle die Perspektive auf einen annähernd normalen Sommer. Die Alternative zu zehn Wochen mit regionalen Mini-Lockdowns ist ein kurzes, aber wirksames Runterfahren im ganzen Land.
Pamela Rendi-Wagner, SPÖ-Chefin

andrea84
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Beteiligen

Woran will sich Frau Wagner beteiligen?
Man steigt aus, Herrn Wolf will die Belegschaft nicht.
Es gibt keine Firma an der sich der Steuerzahler beteiligen kann.
Hat Frau prw die Steuerzahler überhaupt gefragt, ob die sich überhaupt beteiligen wollen?
Ich habe den Eindruck Frau Wagner kennt sich überhaupt nicht aus.

altbayer
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Kapfenberg

Da muss ich immer an ein Gespräch mit einem Kapfenberger denken:
"In den 1980ern hat der VOESTler (damals noch verstaatlicht) zum ÖBBler gesagt: Du Armer, du verdienst weniger, ich Zahl dir dein Bier.
- Heute sagt der ÖBBler zum VOESTler: Du Armer, du verdienst weniger, ich zahl dir dein Bier!"
Die Voest mischt heute noch am Weltmarkt mit - MAN ist noch in den 1980ern!

Robinhood
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Dienstleistungsverrechnung

Die ÖBB kriegt ja von Bund, Ländern und Gemeinden über 1 Milliarde€ pro Jahr öffentliches Geld, wird quasi subventioniert.

dieRealität2020
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@leserzeiten - ich denke das ist im Prinzip ganz einfach zu beantworten

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Über Förderungen gibt es verständlicherweise immer Verträge die gegenseitigen Rechte und Pflichten der Vertragspartner beinhalten. Wie auch die Standort Garantie bis 2030. Die Frage stellt sich: Warum wurden diese Verträge noch nicht offen gelegt?
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Ich bin kein Freund von Vermutungen, aber hier könnte es durch die österreichische verstaatlichte Pragmatik so sein, dass nur einseitige Willenserklärungen vorhanden sind. An und für sich keine Seltenheit im privaten Wirtschaftsgefüge.
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Eigenartig, dass hier Wagner den Weg zurück in die Vergangenheit versucht. Verstaatlichen? Förderungen? Soziale Unterstützungen? Was sollte in dieser Besprechung geschehen?
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Ich befürchte, dass sich über die Vertragssituation und den gesetzlichen Bestimmungen MAN größtenteils aus verschiedenen Verpflichtungen herausnehmen kann.
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Ich bin erschüttert, dass es diese Handlungs- und Verhaltensweisen seitens Gewerkschaft und Politik noch 2021 in Österreich gibt. Irgendwo ist hier der Wurm drinnen. In den letzten Jahrzehnten hat es mehrere komplette Pleiten mit einer weitaus höheren Mitarbeiterzahl gegeben.
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Hintergründig habe ich den begründeten Verdacht, dass hier Wagner versucht das sichtbare voraussichtliche Misslingen dieser Gespräche dann der Bundesregierung zuzuschieben

Robinhood
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Beteiligung?

Woran? Es braucht einen Eigentümer, einen Unternehmer, dann kann man sich auch beteiligen. Wenn der nicht gefunden wird, dann macht das Alles keinen Sinn. Und das die Gewerkschaft kein Unternehmen führen kann, dafür gab es ja genügend Beweise in der Vergangenheit.

SoundofThunder
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🤔

Welche Unternehmen hat die Gewerkschaft geführt?

Robinhood
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Gedächtnis

Bawag, Konsum,.........

Patriot
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@Robinhood: "Aufrechnen gehört zu den dümmsten Dingen,

die man tun kann!" (Dirk Stermann)

glashaus
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RobinHood

die Gewerkschaft ist auch nicht da um ein Unternehmen zu führen.Sie vertritt die AN und sollte sie vor der Geldgier von Managern ala Wolf oder denen von VW.

 
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