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Salzburgs Erzbischof schaut im Süden nach dem Rechten

Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Gurker und jetzigen St. Pöltner Bischof, Alois Schwarz, haben den Vatikan zu Konsequenzen gezwungen: Salzburgs Erzbischof Franz Lackner soll als Apostolischer Visitator im Süden nach dem Rechten schauen. Kardinal Christoph Schönborn begrüßte die Maßnahme. Die Visite beginnt Mitte Jänner. Schwarz zeigte sich indes "fassungslos" über gegen ihn erhobene Vorwürfe.

© APA (Archiv)
 

Der Konflikt in Gurk schwelt bereits seit längerem. Schwarz wird unter anderem Misswirtschaft in der Diözese vorgeworfen. Eine - nach dessen Wechsel nach Niederösterreich - eingesetzte Kommission präsentierte am Dienstag gegen die Weisung des Vatikans ihren Prüfbericht. Die Rede war von fragwürdige Personalentscheidungen und einem "System Schwarz", an dem eine enge Vertraute des Bischofs maßgeblich beteiligt gewesen sein soll.

Lackner selbst meinte zu seiner Berufung zum Visitator, ihm gehe es um eine "transparente Klärung". Im Zentrum stehe dabei "die Sorge für den Glauben des Volkes Gottes und die Wiederherstellung des Vertrauens in seine Hirten". Der Dienst beginne Mitte Jänner und endet mit einem Bericht an den Vatikan. Lackner, der als Metropolit der Kirchenprovinz Salzburg für Gurk zuständig ist, bat um "offene Kooperation und sachliche Ehrlichkeit".

Schönborn als Vorsitzender der Bischofskonferenz begrüßte die angeordnete Visitation. Er sei dankbar, dass Rom so rasch und klar eine Entscheidung getroffen habe. Wenn gegen einen Bischof Vorwürfe vorliegen, sei der Vatikan die zuständige Instanz, um dies zu prüfen. Erzbischof Lackner sei zudem von Rom "trefflich gewählt". Lackner werde sicher ein gutes Team zusammenstellen, "viel zuhören, hinschauen, sich ein Urteil bilden und dann nach Rom berichten", so Schönborn.

Auch in der betroffenen Diözese Gurk regte sich Freude über die Entwicklung. Deren Administrator, Engelbert Guggenberger, begrüßte im Namen des Domkapitels den Schritt "ausdrücklich und vorbehaltlos". Es werde eine Bestandsaufnahme der Situation in Diözese und Bistum sowie der im Zuge der Prüfung des Bischöflichen Mensalgutes erhobenen Daten geben. Die Unterlagen im Zusammenhang mit der Prüfung seien bereits nach Rom übermittelt worden.

Ein "Apostolischer Visitator" ist ein Beauftragter des Papstes, der in einer Diözese oder einem anderen kirchlichen Bereich als eine Art Kontrolleur mit umfassenden Befugnissen agiert. Die Untersuchten sind laut Kirchenrecht verpflichtet, "vertrauensvoll mit dem Visitator zusammenarbeiten, indem sie auf rechtmäßiges Befragen wahrheitsgemäß" zu antworten haben. Die Einsetzung eines Visitators für eine gesamte Diözese bedeutet, dass dieser im Auftrag des Papstes die gesamte Amtsführung des Diözesanbischofs - im Falle einer Sedisvakanz die des Diözesanadministrators - sowie alle diözesanen Einrichtungen zu überprüfen hat. Sein Bericht dient als Grundlage für weitere Entscheidungen des Apostolischen Stuhls.

Schon einmal gab es eine derartige Visite einer Diözese in der jüngeren österreichischen Kirchengeschichte: 2004 beauftragte Papst Johannes Paul II. den damaligen Feldkircher Bischof Klaus Küng nach skandalösen, von Ortsbischof Kurt Krenn verharmlosten Vorfällen im Priesterseminar St. Pölten - wo Schwarz derzeit residiert. Danach erfolgten unter anderem die vorübergehende Schließung des Priesterseminars und der Rücktritt Krenns.

Der St. Pöltner Bischof Schwarz zeigte sich unterdessen am Donnerstag "fassungslos" über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Er habe in Kärnten "erfolgreich gewirtschaftet", sagte er zum ORF Niederösterreich. Über die Apostolische Visitation seiner früheren Diözese Gurk-Klagenfurt durch den Salzburger Erzbischof Franz Lackner sei er "dankbar und froh". Zölibats-Vorwürfe wolle er nicht auf sich sitzen lassen.

"Ich bin sehr dankbar und froh, dass Papst Franziskus jetzt einen Visitator nach Kärnten schickt, um die Dinge aufzuklären", sagte Schwarz im Gespräch mit dem ORF. "Ich werde von meiner Seite natürlich mithelfen. Wo ich gefragt werde, werde ich Auskunft geben, denn ich kenne die Diözese ja sehr gut und ich weiß, wie wir dort gearbeitet haben und was wir dort alles auf den Weg gebracht haben", so der Bischof.

Zum Vorwurf der Misswirtschaft meinte Schwarz: "Über einen längeren Zeitraum hin denke ich, dass wir in Kärnten eigentlich für die Kirche sehr erfolgreich gewirtschaftet haben und auch das Gut, das uns anvertraut wurde, bewahrt haben."

"Ich habe an mehreren Stellen, an Leitungspositionen in der Diözese, Frauen gehabt und immer versucht, ein gutes Vertrauensverhältnis zu meinen Amtsleitern zu haben. Das gilt natürlich auch für die Frauen, die in den verschiedenen Leitungspositionen sind. Auch zur Direktorin des Bildungshauses St. Georgen", sagte der St. Pöltner Bischof. Zum Vorwurf, das Zölibat gebrochen zu haben, meinte er: "Das ist ein Vorwurf, den ich nicht auf mir sitzen lasse. Ich habe mich immer nach der Ordnung der Kirche verhalten. Ich war so mit den Menschen unterwegs, in korrektem Umfang, mit den Frauen und mit den Männern."

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Danke für Ihr Verständnis.

orbil
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Guggenberger braucht einen Visitator!


Er pfeift nämlich offensichtlich auf den Papst! Möchte wohl selber Papst werden. Als Inquisitor von Gurk wurde er diese Woche bereits weltweit berühmt.

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krassnig1
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Visitator

Die Diözese Gurk braucht meiner Ansicht nach keinen Visitator. Dieser wäre in der Diözese St. Pölten besser eingesetzt.

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