Das Unglück kam schleichend und erst unerkannt. Vor einigen Jahren fühlte sich der Familienvater, der seine manchmal schwere körperliche Arbeit immer in voller Form gemeistert hatte, müde und schwächer als sonst. Dann hatte er Schwindelanfälle und hörte plötzlich auf einem Ohr nichts mehr. Die Ärzte diagnostizierten einen Gehörsturz und nach mehreren Blutuntersuchungen die chronische myeloische Leukämie, eine bösartige Bluterkrankung. Der Familienvater muss dauernd starke Medikamente nehmen, sein Zustand ist stabil. Er begann wieder zu arbeiten. Doch wenige Monate später kam ein noch schlimmerer Schicksalsschlag. Und wieder kündigte er sich harmlos an.
Dauernde Schwäche
Seine Frau verspürte Müdigkeit und immer stärkere Schmerzen im Rücken, die ins Bein ausstrahlten. Man dachte an Ischias, die Ärzte zerstreuten die Bedenken, nahmen Claudia nicht ernst. „Ich fand kein Verständnis. Dann wurden die Schmerzen so stark, dass ich nicht mehr sitzen und nicht mehr gehen konnte“. Ein Bandscheibenvorfall wurde vermutet. Doch ein MRT förderte eine andere Wahrheit zutage. Es hatte sich ein Tumor im Knochenmark gebildet, die Ursache für die entsetzlichen Schmerzen. Seit Monaten wird Claudia mit Chemotherapie gegen das Multiple Myelom, den Knochenmarkskrebs, behandelt. Ihre Schmerzen kann sie mit Medikamenten teilweise unter Kontrolle halten, die Haare sind mittlerweile wieder gewachsen. Ihre Arbeit in der Landwirtschaft kann sie aufgrund der dauernden Schwäche nicht mehr ausüben, ihr Mann muss viele ihrer Aufgaben erledigen und betreut nun auch die schulpflichtige Tochter.
Melanie* ist eine gute Schülerin, will seit jeher Ärztin werden, ist hilfsbereit und macht gerne Musik. Sie unterstützte die Mutter, wo sie konnte, zeigte ihre Ängste nicht, versuchte mit ihrer Kraft, die kranke Mutter aufzuheitern und ihr Hoffnung zu geben. Doch nicht lange danach war sie die Dritte im Bunde, die vom Schicksal getroffen wurde. Bei ihr begann es mit einer Verkühlung und Verhärtung der Lymphknoten. Der Arzt stellte nach einer Blutabnahme eine viel zu hohe Zahl an weißen Blutkörperchen fest. „Die Zahl der Leukozyten stieg unaufhörlich an“, erinnert sich die Mutter, die mit ihrer Tochter sofort auf die Kinderonkologie einer Universitätsklinik fahren musste. Die Diagnose, akute myeloische Leukämie, war niederschmetternd. „Für uns brach endgültig eine Welt zusammen“, sagt die leidgeprüfte Mutter, die ihr eigenes Schicksal vergisst, wenn sie die Tochter im Krankenhaus besucht, wo sie aufwendige und zehrende Chemotherapien über sich ergehen lassen muss.
Hospizkarenz mit unklarer Perspektive
„Monate lang war Melanie durchgehend im Krankenhaus, sie bekam aufgrund der Immununterdrückung durch die Chemotherapie auch noch eine Lungenentzündung dazu“. Mittlerweile kann Melanie zwischendurch nach Hause, nimmt am Schulunterricht online teil und kann manchmal mit ihren Freundinnen mit Abstand und Maske kommunizieren. Mehr darf sie nicht. „Sie muss sehr viele Opfer bringen“, bedauern die Eltern, die ihre Tochter jede Woche zur Therapie begleiten, was Übernachtungen bedeutet. Anfangs durften die Eltern und Geschwister nur mit Maske und in Schutzkleidung zu ihr, die Situation war äußerst belastend. Nun erhält Melanie zusätzlich zur Chemotherapie Bestrahlungen. Meist ist sie sehr müde, schwach und schwindlig, beklagt sich aber nicht. Sie nimmt sehr viel Rücksicht auf ihre kranke Mutter, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankt, der Alltag ist extrem anstrengend. Tapfer bemüht sie sich gemeinsam mit ihrem Mann, für Melanie zu kochen, was sie essen darf und was ihr schmecken könnte. „Sie hat kaum mehr Geschmack, darf nur Gekochtes essen“.
Meist ist es der Vater, der sich für seine kranke Frauen an den Herd stellt. „Das mache ich gerne“, sagt er. Er betreut und pflegt seine kranke Frau und seine kranke Tochter, obwohl er selbst krank ist. Derzeit ist er in Hospizkarenz, aber was danach kommt, weiß er nicht. Die Ungewissheit zehrt an den Nerven. Nie hätte er, der keine Vorerkrankungen hatte, gedacht, dass innerhalb von zwei Jahren drei Personen in seiner Familie von Blutkrankheiten betroffen sein würden. Die finanzielle Belastung durch die Fahrten zu drei verschiedenen Krankenhäusern, die Übernachtungen würde er zu gerne auf sich nehmen, wenn seine Lieben wieder gesund würden. Nun steht die Renovierung des alten Badezimmers an, es soll barrierefrei und komfortabler werden, damit sich Frau und Tochter, die zusätzliche Pflegemaßnahmen durchführen müssen, leichter tun. Für monetäre Hilfe wäre er dankbar. Sein größtes Anliegen wie auch das seiner Frau: „Gesundheit kann man mit Geld nicht kaufen, Gesundheit wäre unser allergrößter Wunsch“.
* Namen und persönliche Daten von der Redaktion geändert