„Schauen Sie sich das Video an“, sagt sie leise und zeigt die ersten Aufnahmen ihres Babys am Handy. Man sieht, wie sie ihr neugeborenes Kind hochhebt und ihrem Lebensgefährten auf die Brust legt. Sanft streichelt er sein Baby, er ist in einem Krankenbett und kann nicht aufstehen, er kann sein Kind nicht halten und nicht küssen. Doch man sieht, wie liebevoll der Vater das Neugeborene anhimmelt. Kurze Zeit später wird der Vater tot sein. Sein jüngstes Kind wird er nie richtig kennenlernen. Seinen anderen Kindern muss die Mutter sagen: „Ihr wisst ja, dass der Papa krank war. Jetzt ist er bei den Engeln und passt auf euch auf …“
Die junge Kärntnerin kann kaum in Worte fassen, was ihr und ihren Kindern passiert ist. Ganz unerwartet hat sie ihren Lebenspartner verloren und ist jetzt mit ihrer Großfamilie alleine.
„Mein Lebensgefährte ist während der Arbeit zusammengebrochen. Dann kamen die Ärzte darauf, dass er unheilbar krank ist.“ Die Frau war schwanger, als sie von der Diagnose erfuhr. Die Heilungschancen lagen bei 20 Prozent. „In diese 20 Prozent steckten wir alle Hoffnung.“ Doch keine Therapie hat geholfen. „Am Ende konnte mein Partner nicht einmal mehr sprechen oder gehen.“ Bald nach der Diagnose starb der mehrfache Vater. „Es hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, erzählt die junge Mutter. „Aber ich muss meine eigene Trauer zurückstellen und für meine Kinder da sein. Als Mutter muss man funktionieren - auch in so einer Situation.“
Viele Jahre waren sie und ihr verstorbener Partner ein Paar. Beide wollten eine große Familie und schafften sich ein gemeinsames Zuhause. „Er hat immer viel gearbeitet, war sehr fleißig und hat fast alles selbst gemacht“, schildert die Kärntnerin. „Nie war er krank, nicht einmal verkühlt.“ „Wir haben viel mit den Kindern gemacht und die Zeit daheim genossen“, sagt sie.
Jetzt weiß sie weder ein noch aus. Da sind Schulden, die laufenden Kosten, der Verlust ihrer großen Liebe, die trauernden Kinder und die Bürokratie. „Wir mussten uns gerade darum kümmern, dass die Kleinen Waisenrente bekommen und dass sie zur Nachmittagsbetreuung gehen können, damit die Mutter etwas mehr Luft hat“, sagt die Sozialarbeiterin, die der Familie in dieser schwierigen Zeit hilft. „Manchmal weiß ich nicht, wie ich den nächsten Tag überstehen soll“, sagt die Alleinerzieherin.
Trotz all des Schmerzes versucht sie nach vorne zu blicken und macht erste, vage Zukunftspläne. „Ich möchte mit den Kindern umziehen, in eine neue Wohnung, in der wir uns wohlfühlen. Dort will ich einen Neustart machen.“ Die Frau muss auf ihre finanzielle Situation achten. Die Begräbniskosten, die Notarkosten, die Kreditraten und der bevorstehende Umzug belasten sie sehr.
„Er hat so gekämpft“
Manchmal, wenn sie nicht mehr weiß, wohin mit ihren Sorgen, kommt ganz unerwarteter Trost von ihren Kindern. Ihre kleine Tochter sagte kürzlich zu ihr: „Mama, weißt Du eigentlich, dass der Papa auf einer Wolke sitzt und immer auf mich schaut?“ In solchen Fällen nimmt sie gerne ihr Handy und zeigt den Kindern die Videos von früher – als die Welt für sie und die Kinder noch in Ordnung war. Als der Papa noch gelebt hat, gesund war und mit den Kleinen gespielt hat.
„Er hat so gekämpft“, sagt die Frau. Sie sei bis zum Schluss an seiner Seite gewesen, berichtet sie. Als er im Sterbebett lag, habe sie noch ein letztes Mal das Baby zu ihm gebracht, damit er es noch einmal spüren kann. „Seine Liebe war ein Geschenk“, meint die Mutter. „Seine Liebe gibt mir die Kraft weiterzumachen.“
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