Seit letztem Jahr ist sie geschlossen, aber für Vergessliche bietet sie bis Ende Juni einen besonderen Service: die bekannte Sofortreinigung Waidmannsdorf will treuen Kunden jetzt noch die Möglichkeit geben, ihre Kleider oder Teppiche, die gegen Vorkasse gereinigt wurden, nach telefonischer Vereinbarung abzuholen. Was übrig bleibt, wird karitativen Einrichtungen gespendet.

„Wintermäntel, Jacken und Daunendecken lagern teilweise seit einem halben oder ganzen Jahr bei uns, auch drei Hochzeitskleider sind noch da“, sagt Eleonore Vallant, die ihre Putzerei nach 55 Jahren erfolgreicher Tätigkeit schließen musste, um mit 85 Jahren in Pension gehen zu können. „Meine Kinder meinten, es sei nun an der Zeit, dass ich auch auf mich schaue“, erzählt die beliebte Klagenfurter Unternehmerin, die mit vielen Kunden und Kundinnen „gemeinsam alt“ geworden ist. „Viele kamen als Studenten zu uns und später nach der Rückkehr aus Wien wieder. Es sind viele persönliche Beziehungen entstanden“.

„Meine Kinder meinten, es sei nun an der Zeit, dass ich auch auf mich schaue“, sagt die Unternehmerin
„Meine Kinder meinten, es sei nun an der Zeit, dass ich auch auf mich schaue“, sagt die Unternehmerin © Weichselbraun Helmuth

Im Jahr 1970 eröffnet

Im Jahr 1970 meldete Eleonore Vallant, die gerne selbstständig werden wollte und von einem Vertreter einen guten Tipp bekam, das Gewerbe „Textilreiniger - Chemischreiniger, Wäscher und Wäschebügler” an und gründete in der Waidmannsdorfer Straße 70 eine der ersten Firmen in dieser Branche, die sich nach der Entwicklung der chemischen Reinigung in den USA nach und nach etablierten. Gemeinsam mit ihrem Mann eröffnete sie fünf Jahre später am Baumbachplatz eine Filiale.

„Wir hatten so viel Arbeit, dass wir oft zu Stoßzeiten im Frühjahr oder vor Ostern eine ganze Woche kaum zum Schlafen kamen. Die Menschen gingen früher schön angezogen zur Arbeit, Bankangestellte waren gute Kunden“, erinnert sich die Reinigungsexpertin, die sich durch viele Kurse weitergebildet hat. Gereinigt wurde so schonend wie möglich maschinell und händisch mit speziellen Mitteln, die fettlösend sind oder Lacke und Schmiere entfernen können.

Im Jahr 1970 eröffnete Vallant ihre erste Filiale
Im Jahr 1970 eröffnete Vallant ihre erste Filiale © Weichselbraun Helmuth

„Frau Monika“ war 44 Jahre dabei

„Früher war es sehr leicht, Personal zu bekommen. Die jungen Leute waren ehrgeizig und wollten arbeiten“, erinnert sich Vallant, die mit ihren Mitarbeiterinnen gegenseitige Wertschätzung verbindet. Viele blieben über Jahrzehnte bei ihr, die unersetzliche „Frau Monika“ sogar 44 Jahre lang. Bis 2020 arbeitete Vallant sechs Tage die Woche von 7.30 Uhr bis 18 Uhr, erst seit der Pandemie waren die Geschäfte am Samstag geschlossen. „Zwanzig Jahre lang gab es für uns keinen Urlaub.“ Und trotzdem habe sie sehr gerne gearbeitet.

„Ich liebe den Kontakt zu Menschen“, sagt die vierfache Mutter und siebenfache Großmutter, die jetzt noch viel vorhat und die Freiheit genießt, die sie vorher nie hatte. „Endlich kann ich durch die Stadt gehen und die Geschäfte anschauen.“ Ihr Englisch möchte die unermüdliche 85-Jährige verbessern, Italienisch lernen, Yoga- und Kneipp-Kurse besuchen und reisen. „Sich daheim zurückzuziehen, bringt nichts“.