Wenn man ein Leben lang arbeitet, wie Herr Anton*, hat man bestimmte Vorstellungen davon, wie man seine Pension verbringen möchte. „Ich wollte endlich ein bisschen reisen und mit dem Zug durch Österreich und Deutschland fahren. Nichts Großartiges, nur das Leben ein wenig genießen.“ Die ÖBB-Vorteilscard hatte er sich schon gekauft, als er frisch in Pension war.

Wundinfektion

Bevor es losging mit der Verwirklichung seiner Träume, hatte er noch ein paar Arzttermine. Da stellte sich heraus, dass er eine Arterienverengung hat. Eine Operation war die Folge. „Es war ein Routineeingriff. Nach der OP hieß es, alles sei gut verlaufen und ich durfte das Krankenhaus bald wieder verlassen“, erinnert sich der Kärntner. Doch nach sieben Tagen daheim gab es Komplikationen. Er musste erneut ins Krankenhaus. „Es war zu einer Wundinfektion gekommen.“ Nicht einmal drei Monate später wurde dem Mann das Bein komplett amputiert.

Arbeitsjahre und Pension

Nun sitzt er in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung auf dem Sofa, neben sich einen alten, gebrauchten Rollstuhl, und sagt: „Am Anfang bin ich mit der Situation überhaupt nicht klargekommen und eigentlich habe ich das alles noch immer nicht verkraftet.“ Mehr als 45 Jahre hat er voll gearbeitet, im letzten Betrieb war er 20 Jahre lang. „Ich habe mich so auf die Pension gefreut und dann passiert das.“

An Ausflüge oder andere Unternehmungen ist derzeit nicht zu denken. Weil seine alte Wohnung nicht behindertengerecht war, musste Herr Anton umziehen. Er benötigt Hilfe bei der Körperpflege, seine Mahlzeiten bekommt er von „Essen auf Rädern“, für die Arbeiten daheim braucht er eine Haushaltshilfe. „Ich kann nur noch wenig alleine machen und fühle mich gar nicht mehr frei.“

Geringes Pflegegeld nach Amputation

Aber er versucht etwas Lebensqualität zurückzugewinnen: Er geht zum Physiotherapeuten, übt mit einer Prothese zu gehen und absolvierte eine Reha. Er braucht viele Medikamente und Therapien. „Die Selbstbehalte belasten mich ganz schön“, sagt er. Aber was ihn am meisten schockiert und wundert: „Ich bekomme nur Pflegestufe eins, obwohl mir mein ganzes Bein amputiert wurde“. 200 Euro und 80 Cent erhalte er jedes Monat Pflegegeld. „Ich finde das ist wenig und ich kann nicht verstehen, warum der Staat auf jemanden wie mich, nicht besser schaut“, sagt er ganz offen.

Er hilft sich selbst, so gut er das kann: „Von einem Bekannten habe ich einen acht Jahre alten Rollstuhl abgekauft, damit ich wenigstens ein bisschen mobil bin. Das Gehen mit der Prothese klappt überhaupt noch nicht.“ Es fehlt dem Pensionisten an Kraft und Übung.

Freunde

Herr Anton ist alleinstehend, aber zum Glück ist er nicht allein: Ein Jugendfreund und seine Ex-Freundin kümmern sich rührend um ihn. Sie fahren ihn zum Arzt und haben ihm beim Umzug geholfen. „Ich bin viel auf private Hilfe angewiesen“, sagt der Kärntner. „Ich bin so dankbar für meinen Jugendfreund, der mich jeden Tag besucht und für meine Ex-Partnerin, die für mich da ist,“ sagt er. Das gibt ihm Kraft. „Aber die Freiheit fehlt mir so sehr. Mein ganzes Leben lang war ich frei. Diese Unabhängigkeit vermisse ich. Ich kann nicht mehr einfach vor die Türe gehen, etwas einkaufen oder einen Spaziergang machen.“

Nach der Amputation sei er in ein tiefes Loch gefallen. „Ich wusste nicht, wie ich weiterleben soll“. Der Pensionist wird noch viele Therapien und Unterstützungen brauchen: Nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht, sondern auch in finanzieller. In der Wohnung, in der er lebt, hat er alte Möbel, die zu viel Platz wegnehmen und es unmöglich machen, dass er sich mit seinem Rollstuhl frei bewegen kann. Herr Anton braucht eine neue Einrichtung, einen besseren Rollstuhl und psychologische Unterstützung, damit er seinen neuen Alltag besser meistern kann.

* Namen und persönliche Daten von der Redaktion geändert