Ford KugaWalter Röhrl testet: So vertragen sich Diesel und Hybrid im Ford Kuga

Walter Röhrl, Doppel-Rallye-Weltmeister und Kleine-Zeitung-Cheftester, über den Ford Kuga.

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Alles Hybrid, oder was? Profitester Walter Röhrl und der Ford Kuga © OLIVER WOLF
 

Am Beispiel Ford Kuga ist der Wandel der Autobranche ganz gut abzulesen: Das Unternehmen hat sein 4,61 Meter großes SUV nicht nur mit Benziner- und Dieselmotoren aufgelegt, sondern setzt gleich auf drei Hybridvarianten, die stark ausdifferenziert sind.

Hybrid heißt eben das neue Zauberwort. Beim Test waren wir mit einem außergewöhnlichen Mild-Hybrid-Diesel unterwegs: Ein 48-Volt-System, 150-PS-Turbodiesel, ein riemengetriebener Starter-Generator, der zusätzlich 16 PS spendiert, sowie 50 Newtonmeter zusätzliches Drehmoment. Weiters im Programm: Ein Voll-Hybrid und ein Plug-in-Hybrid, der mit seiner 14,4-kWh-Batterie 56 Kilometer rein elektrisch schaffen soll.

Modellvorstellung: Ford Kuga

Bei Ford rollt die Elektrifizierungswelle an: Jede Pkw- und Nutzfahrzeug-Modellreihe soll um mindestens eine elektrifizierte Variante erweitert werden. Und in diesem Zusammenhang feiert der Kuga gleich eine doppelte Weltpremiere: Die dritte Generation kommt ist gleich in drei verschiedenen Hybrid-Optionen lieferbar: als Plug-in-Hybrid-Version, als Mild-Hybrid-Modell und als Voll-Hybrid-Alternative.

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Den Anfang macht zum Start im Frühjahr 2020 die Plug-in-Hybrid-Version. Sie umfasst einen 2,5 Liter großen Vierzylinder-Benziner sowie einen elektrischen Generatormotor und eine Lithium-Ionen-Batterie mit 14,4 Kilowattstunden Ladekapazität.

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Gemeinsam entwickeln sie eine Systemleistung von 225 PS. Rein elektrisch kann das SUV rund 50 Kilometer zurücklegen. Der Schnittverbrauch soll bei 1,2 Litern auf 100 Kilometer (29 g CO2/km) liegen. An der 230-Volt-Steckdose ist die Batterie in rund vier Stunden wieder aufgeladen.

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Die Mild-Hybrid-Version nutzt das Zusammenspiel eines 150 PS starken 2-Liter-Turbodiesels mit einem integrierten Starter-Generator. Das 48-Volt-System erweitert zudem die Einsatzmöglichkeiten des Start-Stopp-Systems, was den Verbrauch auf 5 Liter (132 g CO2/km) drücken soll.

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Der Voll-Hybrid wird Ende 2020 das Angebot abrunden: Auch hier kommt der 2,5 Liter große Benziner inklusive elektrischem Motorgenerator und Lithium-Ionen-Batterie zum Einsatz. Für die Kraftübertragung ist – wie auch beim Plug-in-Hybrid-Antrieb – ein stufenloses Automatikgetriebe verantwortlich. Als Hybrid kommt der Kuga wahlweise mit Front- oder Allradantrieb. Der Verbrauch soll bei 5,6 Litern liegen (130 g CO2/km).

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Abgesehen davon ist das SUV auch mit zwei Vierzylinder-Dieseln mit 1,5 und 2 Litern Hubraum sowie 120 und 190 PS zu haben. Der stärkere ist mit Allradantrieb kombiniert, die beiden Selbstzünder können überdies mit der Acht-Gang-Automatik versehen werden. Der Dreizylinder-Turbobenziner mit 1,5 Liter Hubraum leistet wahlweise 120 oder 150 PS und kommt in Verbindung mit einem Sechs-Gang-Schaltgetriebe.

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Damit er all das unter einen Blechhut bekommt, basiert der Kuga auf der gleichen Plattform wie der Focus und auch die Front sieht aus, als wäre sie dem Kompakten aus dem Gesicht geschnitten. Die neue Generation ist 44 Millimeter breiter und 89 Millimeter länger als der Vorgänger. Der Radstand wuchs um 20 Millimeter auf 2710 Millimeter.

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Dies wirkt sich natürlich auch auf die Platzverhältnisse im Interieur positiv aus. Zum Beispiel: Obwohl das SUV 20 Millimeter flacher ausfällt als zuvor, dürfen sich die vorne Mitfahrenden um 13 Millimeter mehr Kopffreiheit freuen, die hinten Sitzenden sogar um 35 Millimeter. Die gesamte zweite Reihe kann, je nach Bedarf, vor- und zurückgeschoben werden. So ergibt sich wahlweise eine Kniefreiheit von 124 Millimetern oder ein zusätzliches Kofferraumvolumen von 67 Litern.

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Erstmals an Bord des Ford Kuga ist der Fahrmodus-Schalter, mit dem der Fahrer unter anderem das Ansprechverhalten des Gaspedals, der Servolenkung und der Traktionskontrolle sowie – bei den Modellen mit Automatikgetriebe – die Schaltstrategie steuern kann. Je nach Motor- und Antriebsvariante darf er bis zu 2250 Kilogramm an den Haken nehmen.

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Erstmals in der Autoindustrie verlässt Ford mit dem optionalen 12,3 Zoll großen „True Color“-Display das typische Rechteckformat und setzt auf die sogenannte „Freiform“-Technologie.

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Der Clou beim Mild-Hybrid: Zusätzlich Kraft und Drehmoment werden vor allem beim Anfahren eingespielt, das ganze System ist sicherlich das Herzstück des Autos. Der ohnehin drehmomentstarke Diesel erfährt einen zusätzlichen Boost, ich hätte mir nie und nimmer gedacht, dass der Motor lediglich 150 PS hat – ich hätte mehr getippt.

Wenn man schlau fährt, drückt man den Verbrauch auf rund fünf bis maximal sechs Liter. Das ist für diese Gewichtsklasse und dem Leistungspotential ein ganz guter Wert. Für mich eine sehr vernünftige Lösung.

Plus & Minus

+ Herzstück. Der Diesel-Hybrid hat richtig Saft und Kraft: Der Mild-Hybrid macht das Auto richtig leichtfüßig.
+ Bemerkenswert. Das Fahrwerk ist straff, bisweilen stramm – das hat richtig Klasse.

- Plastifiziert. Ein bissl zu viel Plastikeinsatz beim Interieur.

Dazu kommt, dass der Kuga fahrerisch Spaß macht, er fühlt sich etwas straffer als die Konkurrenz an, bisweilen wirkt er sogar stramm. Die Lenkung ist exakt, von Ford ist man diese Klasse gewöhnt. Einziger Schwachpunkt: Es ist soviel Kraft da, dass die Vorderräder – vor allem auf nasser Fahrbahn – leicht durchdrehen.

Optisch ist der Kuga sehr ansprechend geraten: Front- und Heckpartie, der Kühlergrill: Alles zeugt von Charakter, der Kuga sticht aus der Ford-Modellpalette heraus.

Platzangebot? Alles gut, vorne wie hinten, selbst hinter meiner Fahrergröße sitzt man fein im Fond. Beim Interieur reden wir nicht um den heißen Brei herum: Plastik heißt das Stilmittel, aber man hat es immerhin sauber verarbeitet. Resümee? Ich ordne den Kuga als Familienauto ein, praktisch, unterhaltsam, sehenswert – als SUV sozial verträglich.

Ford Kuga 2.0 EB Hybrid

Preis/Testwagen: 44.550 Euro; Aktionspreis Ford Kuga ab 30.660 Euro.
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel, 150 PS, 370 Nm bei 3500 U/min.
Verbrauch: rund um 6 Liter auf 100 km.
Eckdaten: 4,61/1,88/1,68 m L/B/H; 475-1534 l Kofferraum.

Kommentare (2)
Carlo62
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Diesel und Hybrid

Also drei Antriebe laut Überschrift?

Carlo62
1
3
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Hybrid Bedeutung:

Hybrid bedeutet von zweierlei Herkunft oder aus Verschiedenartigem zusammengesetzt.
Wenn jetzt ein Diesel mit einem Hybrid zusammenarbeitet sind laut Definition drei verschiedenartige Antriebe vorhanden! Bitte liebe Redakteure: versucht das Geschriebene auch selbst zu verstehen!