Škoda OctaviaWalter Röhrl testet: Warum der Škoda Octavia in seiner Klasse unschlagbar ist

Škoda Octavia im Profitest: Ist das wichtigste Modell der Tschechen sogar besser als ein Golf? Walter Röhrl hat die Antworten.

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Meistertester Walter Röhrl und der Musterschüler Škoda Octavia Combi © OLIVER WOLF
 

Was waren das für Schlagzeilen voriges Jahr: Škoda Octavia löst den VW Golf als meistverkauftes Auto ab. Beide im Finale ihres Lebenszyklus, beide mit denselben Genen – und trotzdem hatte der Octavia plötzlich die Nase vorn.

Heuer wurden die Karten neu gemischt: Der Golf legte voll digitalisiert vor, der Octavia durfte erst danach starten. Man weiß ja, dass Wolfsburg ein wachsames Auge auf die schöne Konzerntochter hat, die einen Erfolg nach dem anderen einfährt und letztes Jahr sogar mehr Autos international verkaufen hätte können. Aber Produktionskapazitäten fehlten. Škoda ist ein echter Volkswagen im Sinne des Wortes geworden, das macht die Positionierung innerhalb des Konzerns nicht gerade einfach.

Modellvorstellung: Skoda Octavia

Die vierte Generation des Skoda Octavia ist in allen Dimensionen gewachsen und bringt einen nochmals größeren Kofferraum mit.

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Mit 4689 Millimetern Länge überragt der Octavia als Combi – in Mlada Boleslav traditionell mit C geschrieben – seinen Vorgänger um 22 Millimeter. In der Breite hat er um 15 auf 1829 Millimeter zugelegt. Der Radstand liegt bei 2686 Millimetern.

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Warum hier zuerst vom Hinterlader die Rede ist? Er ist nicht weniger als der meistverkaufte Kombi Europas und bekommt deshalb zum ersten Mal in der Startaufstellung den Vorzug vor der Limousine.

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Die Garage kann man aber auch hier schon ausmessen: Sie streckt sich mit einem Plus von 19 auf 4689 Millimeter bei gleicher Breite wie das Schwestermodell.

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Die gewachsenen Abmessungen verraten es bereits – im Innenraum gibt es wieder ein Alzerl mehr Platz und das Volumen des Kofferraums ist beim Kombi auf 640 und bei der Limousine auf 600 Liter angewachsen.

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Fix ist auch, dass der Octavia auch wieder als hemdsärmeliger Scout und sportlicher RS an den Start geht.

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Äußerlich erkennt man den neuen Jahrgang an Heckleuchten mit LED-Technik. In der Top-Version sogar mit Matrix-System, das beim Fernlicht einzelne Segmente automatisch ausblendet, um den Gegenverkehr nicht zu blenden.

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Und zum Abschluss winken die im Volkswagen-Konzern derzeit überaus beliebten dynamischen Blinker.

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Die Aufstellung der Ottomotoren beginnt mit dem dreizylindrigen 1-Liter-TSI mit 110 PS und dem 1,5-Liter-Vierzylinder mit 150 PS. Wenn sie mit dem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert sind (Standard ist eine manuelle Sechs-Gang-Box), ist ein Mild-Hybrid-System mit von der Partie. Stets mit Allrad und DSG tritt der 2-Liter-Benziner mit 190 PS an.

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Dieselseitig tritt ein aufgeladener 2-Liter auf den Plan. Und zwar mit 115, 150 und 200 PS – wobei man bei den stärkeren beiden auch Allradantrieb ankreuzen kann.

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Darüber rangiert der Plug-in-Hybrid bestehend aus einem 1,5-Liter-Benziner und einem Elektromotor mit einer Systemleistung von 204 und 245 PS, jeweils in Zusammenarbeit mit einem sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe.

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Zudem ist wieder eine bivalente Erdgasversion im Programm: Der 1,5 TSI mit 130 PS zieht seine Energie entweder aus drei CNG-Tanks 17,7 Kilogramm oder dem Benzintank mit 9 Litern Fassungsvermögen.

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Werfen wir einen Blick in den Innenraum: Das neue Lenkrad kommt jetzt mit zwei Speichen aus und auch die Mittelkonsole, die Türverkleidungen und die Instrumententafel wurden ganz neu entworfen. Der Bildschirm der digitalen Anzeigen hat eine Diagonale von 10 Zoll, genauso wie das zentrale Display in der Mitte des Armaturenbretts, über das sich auch die Klimaanlage bedienen lässt.

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Als erstes Modell von Škoda bekommt der Octavia ein Head-up-Display. Auch die Mittelkonsole wurde komplett aufgeräumt: Statt des bekannten Wählhebels bei Automatikversionen befindet sich ein neues Bedienmodul mit einer kleinen Wippe für die Auswahl der Fahrstufen.

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Weitere Extras: Die Infotainmentsysteme spielen von Streaming-Diensten für Radio und TV sowie drahtlose Smartphone-Einbindung alle Stückln. Analog aber angenehm sind die Sport- oder die rückenfreundlichen Ergo-Sitze, die beheizen, kühlen und auch massieren können. Zudem findet sich eine Drei-Zonen-Klimaanlage auf der Aufpreisliste.

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Neben dem Serienfahrwerk stehen zwei weitere Fahrwerke im Katalog Auswahl: ein Sportfahrwerk das 15 Millimeter tiefer liegt und eines für Schlechtwege, das 15 Millimetern mehr Bodenfreiheit bietet. Auf Wunsch gibt es auch eine adaptive Fahrwerksregelung.

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Kommen wir zu den alltagsfreundlichen „Simply Clever“-Lösungen, für die Škoda berühmt ist: Dazu zählt erstmals ein Schlafpaket, das auf der Rückbank zwei bequeme, größere Kopfstützen und eine Decke bietet.

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Neu sind auch ein verbessertes komfortabel nutzbares Netzpaket im Kofferraum sowie die automatische Rolloentriegelung im Kombi. Eine Multifunktionstasche unter der Gepäckraumabdeckung bietet weiteren Stauraum.

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Und schließlich zu den Assistenzsystemen: Eines unterstützt den Fahrer mit einer aktiven Verstärkung des Lenkmoments bei einer drohenden Kollision mit einem Fußgänger, Radfahrer oder anderen Fahrzeug dabei, durch ein kontrolliertes Ausweichen den Unfall im Idealfall zu verhindern.

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Der Ausstiegswarner zeigt dem Fahrer vor dem Öffnen seiner Tür an, wenn sich von hinten ein anderes Fahrzeug oder ein Radfahrer nähert.

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1/20

Wie gut der neue Octavia geworden ist, spürt man schon auf den ersten Metern. Und vor allem dann, wenn man diese so wie ich bei Regen zurückgelegt hat: Sogar mit Frontantrieb kommt man in den Genuss einer fantastischen Traktion. Da glaubt man kaum, dass es lediglich 150 PS sein sollen. Das Auto lenkt perfekt ein, man kann es kaum besser machen. Der Diesel arbeitet druckvoll und ist ein Plädoyer dafür, dass der Selbstzünder Zukunft hat. Zwei Kats reduzieren die Stickoxid-Emissionen massiv, umweltpolitisch ist der Diesel sowieso eine gute Möglichkeit, CO2 zu reduzieren.

Plus & Minus

+ Größenordnung. Das Platzangebot ist schlicht und ergreifend sensationell.
+ Fahrerlebnis. Klasse, von der Lenkung bis zum komfortablen Fahrwerk. Škoda trifft einfach den Nerv der Zeit.
+ Umwelt. Allen Unkenrufen zum Trotz: In Sachen Technik und Verbrauch ist der 150-PS-Diesel ein Plädoyer dafür, dass der Diesel doch eine Zukunft hat.
+ Preis-Leistungs-Verhältnis: Perfekt.

- Minus. Da muss ich diesmal passen.

Mit einem Verbrauch von knapp unter fünf bzw. knapp über fünf Litern auf 100 Kilometern für diese Größenordnung ist man perfekt unterwegs. Noch dazu kommt der Škoda in interessanten Plug-in-Hybrid-Varianten, meine Kollegen aus der Mobilitätsredaktion werden darüber berichten. Auch das Fahrwerk hat Klasse: komfortabel, ohne Sänfte zu sein.

Das Ambiente ist gut, selbst die Kunststoffeinsätze haben eine besondere Qualität. Beim Infotainment hat man sich etwas einfallen lassen: Unter dem mittleren Bildschirm gibt es eine Schalterleiste, mit der man die wichtigsten Menüpunkte anwählen kann. Ich geb schon zu: Für Leute in meinem Alter kann die Fülle an Möglichkeiten am Touchscreen ein bisschen problematisch sein. Wenn man sich eine Stunde damit beschäftigt, weiß man aber Bescheid.

Škoda Octavia Combi Premium TDI DSG

Preis: Ab 35.750 Euro. Testwagen mit Extras (Premium-Komfort-Paket, Head-up-Display etc.): 43.188,58; Einstiegspreis Octavia Combi: 23.380 Euro.
Motor: Turbodiesel; 1968 ccm; 150 PS bei 3000 bis 4200 U/min; max. Drehmoment 360 Nm 1600 bis 2750 U/min.
Testverbrauch: rund um 5 Liter/100 km.
Abmessungen: 4689/1468/1994 mm L/B/H; 640 bis 1700 l Kofferraum; Dachlast 75 kg.

Eine Stärke des Škoda ist das Platzangebot: Selbst hinter einem 1,95-Meter-Mannsbild mit meiner Statur sitzt man hinten wunderbar. Noch mehr Knieraum im Vergleich zum Vorgänger, dabei ist der Škoda nur um zwei Zentimeter gewachsen.

Der Vergleich zum Golf? In ein paar Bereichen hat man dem Konzernprimus Golf vielleicht ein paar edlere Noten spendiert. Unterm Strich liefert Škoda aber mit seiner anderen Dimensionierung das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, das man beim Kauf eines Autos dieser Klasse bekommen kann. Für eine Familie, für alle möglichen Einsätze – auch da gibt es keine Diskussion.

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