Opel CorsaWalter Röhrl testet: Der neue Opel Corsa ist voll auf Kurs

Walter Röhrl, Doppel-Rallye-Weltmeister und Kleine-Zeitung-Cheftester, über den Opel Corsa.

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Profitester Walter Röhrl und der Opel Corsa: Neustart mit Charakter © OLIVER WOLF
 

Die Zukunft von Opel war über viele Jahre mehr als ungewiss. Warum man aus dem riesigen Potenzial der Rüsselsheimer so wenig gemacht hat, blieb mir ein Rätsel. Als dann die PSA-Gruppe – also der Peugeot-Citroën-Konzern, der jetzt auch mit Fiat eine gemeinsame Zukunft plant, – den deutschen Autohersteller übernahm, konnte ich mir nicht vorstellen, wohin diese Reise gehen sollte.

Diese Woche wurde dann bekannt: Über eine Milliarde Gewinn, eine Erfolgsprämie wird für alle Opel-Werksmitarbeiter ausbezahlt, in drei Jahren scheint man das Steuer herumgerissen zu haben.

Man muss freilich feststellen: Das ging mit einem beinharten Sanierungskurs einher, bei dem viele Mitarbeiter ihre Jobs verloren, die Modellpalette völlig umgekrempelt wurde und letztlich eine Marke herauskam, die aus dem Baukastensystem der PSA-Gruppe aufgebaut wurde.

Modellvorstellung: Opel Corsa

Dass der neue Opel Corsa auch vollelektrisch kommt, das ist bereits gesetzt. Was sonst noch unter die Haube kommt, haben die Rüsselsheimer jetzt verraten: Zum Marktstart des 4,06 Meter langen Fünftürers werden Benziner und Diesel in Leistungsstufen von 75 bis 130 PS implantiert.

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Schauen wir uns das genauer an: An der Basis arbeitet der 1,2-Liter-Benziner mit 75 PS, der mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,1 Litern davonkommt und an ein manuelles Fünfgang-Getriebe geflanscht ist.

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Einen Turbolader legt der gleiche Dreizylinder-Motor mit 100 PS und maximalen 205 Newtonmetern Drehmoment oder 130 PS bei 230 Newtonmetern drauf. Die Verbräuche sollen bei 4,2 bzw. 4,5 Litern liegen. Beim 100-PS-Motor haben die Kunden die Wahl zwischen einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder einer Achtstufen-Automatik, das Topmodell kommt immer fremdverwaltet.

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In der Palette findet sich auch ein 1,5-Liter-Diesel mit einer Leistung von 102 PS und einem maximalen Drehmoment von 250 Newtonmetern. Der Verbrauch soll sich im Schnitt bei 4 Litern einpendeln.

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Damit die kleinen Kraftwerke ihr Schmalz auch in Fahrspaß umwandeln, hat Opel den neuen Corsa auf Diät gesetzt: Die leichteste Variante unterbietet mit 980 Kilogramm sogar die magische Tausend-Kilo-Marke. Mit seiner im Vergleich zum Vorgänger um 48 Millimeter niedrigeren Dachlinie sieht er auch flotter aus. Einbußen beim Platz soll es deshalb nicht geben, denn der Fahrer sitzt jetzt 28 Millimeter tiefer.

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Im Cockpit ist mit dem neuen Infotainment-Angebot mit 7- oder 10-Zoll-Touchscreen für Unterhaltung gesorgt. Mit von der Partie sind auf Wunsch praktische Alltagshelfer wie das beheizbare Lenkrad oder beheizbare Ledersitze mit Massagefunktion für den Fahrer, LED-Scheinwerfer und verschiedene Optik-Pakete, um den Corsa zu individualisieren.

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In puncto Assistenzsysteme lässt sich Opel ebenfalls nicht lumpen: Ein Highlight im wahrsten Sinn des Wortes ist das adaptive blendfreie LED-Matrix-Licht: Die insgesamt acht LED-Elemente werden von einer hochauflösenden Frontkamera der neuesten Generation gesteuert und passen den Lichtstrahl automatisch und kontinuierlich der jeweiligen Verkehrssituation und Umgebung an.

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Dazu kommen Systeme zum Erkennen von Verkehrsschildern, Spurhalten, Warnen vor dem Toten Winkel, eine 180-Grad-Rückfahrkamera, ein Geschwindigkeitsassistent oder der sensorgesteuerte Flankenschutz, der beim Rangieren unter 10 km/h davor warnt, wenn ein Hindernis die Fahrzeugseite streifen könnte.

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Deshalb war für mich die Kernfrage, als ich den Opel Corsa von meinem Kollegen der Mobilitätsredaktion übernahm: Besitzt der Corsa überhaupt noch eine eigene Identität? Ist Opel überhaupt noch spürbar? Also rein in den Corsa, wir hatten bei unseren Testtagen den Peugeot 208 – der auf der gleichen Basis steht – mit dabei.

Beim Außendesign fällt gleich einmal auf: Schnörkellos ist das neue Design geworden, der Corsa wirkt auch dynamischer denn je. Das ist auch eine Folge davon, dass er länger und niedriger bemessen wurde. Die Schnauze gefällt mir außerordentlich gut, das ist schon noch immer Opel.

Plus & Minus

+ Baukasten. Die Motoren aus dem PSA-Konzern weisen bei entsprechender Fahrweise guten Verbrauch auf, ein Elektro-Corsa rollt heran.
+ Spürbar. Lenkung, Fahrwerk, alles gibt eine gute Rückmeldung, das Auto ist spürbar.

- Klassisches Interieur, mir gefällt’s. Kollegen aus der Redaktion sind nicht so überzeugt. Geschmackssache.

Wenn man sich ins Auto setzt, sieht man, dass man den Corsa auch auf dieser Ebene bewusst anders positioniert hat als seinen französischen Kollegen. Nehmen wir nur Instrumente und Cockpit: Der Corsa ist hier noch recht klassisch unterwegs (keine Experimente) – ich geb’s ja zu, das gefällt mir. Am auffälligsten hat man aber die fahrerischen Unterschiede herausgearbeitet. Und das halte ich – weil man ja auf der gleichen Basis steht und sich aus einem Baukasten bedient – für eine besonders wichtige Entscheidung. Immerhin war der Corsa fast fertig, als PSA übernahm – das Auto wurde neu aufgesetzt.

Opel Corsa GS-Line

Preis. Ab 22.349 Euro für die 130-PS-Version mit Acht-Gang-Automatik; 75-PS-Version mit Fünf-Gang-Getriebe ab 14.639 Euro.
Antrieb. Dreizylinder-Benziner; 130 PS, 230 Newtonmeter maximales  Drehmoment bei 1750 U/min; Achtgangautomatik.
Abmessungen. 4060/1765/1433 mm L/B/H.
Verbrauch. 5,6 l/100 km Werksverbrauch.

Der Corsa federt etwa – im direkten Vergleich – bei ein und derselben Kuppe weniger nach, er suggeriert einen anderen Kontakt zur Außenwelt. Der Corsa ist etwas härter abgestimmt, das muss man auch mögen. Man spürt das Auto anders. Auch die Lenkung überzeugt. Selbst der 130-PS-Dreizylinder klingt nicht so dominant, wenn man voll beschleunigt. Klar untersteuert das Auto, wenn man es überfordert – aber auch hier hat man ein gutes Maß erwischt.

Opel ist eine andere Marke geworden, daran gibt es nichts zu rütteln. Das ist die eine Seite. Die andere: Der PSA-Konzern und seine deutsche Dependance bauen Autos, die einen eigenen Charakter, einen gewissen Opel-Charakter besitzen. Hoffentlich hält man diesen Kurs.

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