"An der Schmerzgrenze"Einigung auf neuen Metaller-KV: 3,55 Prozent mehr Lohn

Nach elfstündigem Verhandlungsmarathon konnte in der fünften KV-Runde eine Einigung erzielt werden: Die IST-Löhne und -Gehälter steigen um 3,55 Prozent - rückwirkend mit 1. November, die Mindestlöhne und Grundgehälter steigen um drei Prozent. Lehrlinge bekommen deutlich mehr Geld, Schichtzulagen erhöht.

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Rainer Wimmer (l.), Bundesvorsitzender der PRO-GE, und Johannes Collini, Geschäftsführer Fachverband Metalltechnische Indsutrie
Rainer Wimmer (l.), Bundesvorsitzender der PRO-GE, und Johannes Collini, Geschäftsführer Fachverband Metalltechnische Indsutrie © APA/Franz Neumayr
 

Die fünfte Verhandlungsrunde für den Kollektivvertrag der Metalltechnischen Industrie (MTI) brachte in der Nacht eine Einigung. Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie, in einer Aussendung: „Wir konnten heute schlussendlich einen Abschluss für unsere 134.000 Beschäftigten erzielen. Gerade in diesen unsicheren Zeiten sind Stabilität und Planbarkeit für Beschäftige und Unternehmen gleichermaßen wichtig. Die vereinbarten Lohn- und Gehaltserhöhungen bedeuten einen deutlichen Reallohngewinn für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das ist auch eine faire Anerkennung für das schwierige letzte Jahr.“

„Die kräftigen Lohn- und Gehaltserhöhungen sind vor allem ein Erfolg der Beschäftigten. Der starke Druck aus den Betrieben mit den Betriebsversammlungen und Warnstreiks hat auf Arbeitgeberseite für Bewegung gesorgt. Nur so war es möglich, ein sehr, sehr gutes Gesamtpaket inklusive kräftigen Steigerungen bei Schichtzulagen und Lehrlingseinkommen zu schnüren“, sagen indes die beiden Chefverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA).

"Fair bedeutet aber auch, dass der Abschluss für die Branche machbar sein muss. Dieses Ergebnis ist für viele Betriebe an der Schmerzgrenze, denn wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit der Branche besonders im Auge behalten", sagt Knill, der auch betont: „Der Abschluss ist am oberen Limit, die vielen Drohgebärden der Gewerkschaften in den letzten Wochen waren allerdings entbehrlich.“

Der für 134.000 Beschäftigte geltende Abschluss liegt damit über der aktuellen Inflationsrate von 3,2 Prozent, was den Arbeitnehmern wichtig war. Die Arbeitgeber hatten hingegen mit der rückwirkenden Inflationsrate von 1,89 Prozent argumentiert, die in Kollektivvertragsverhandlungen üblicherweise herangezogen wird. Entsprechend boten sie zuletzt 2,75 Prozent, während die Arbeitnehmer 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert hatten.

Die Eckdaten des KV-Abschlusses 2021 im Überblick

  • Die IST-Löhne und Gehälter in der Metalltechnischen Industrie werden rückwirkend per 1.11.2021 um 3,55 Prozent erhöht, die KV- Löhne und Gehälter um 3,0 Prozent.

  • Mindestlohn/Mindestgrundgehalt neu: 2089,87 Euro

  • Aufwandsentschädigungen werden um 2,5 Prozent erhöht.

  • Die Lehrlingseinkommen werden deutlich erhöht: im 1. Lehrjahr von 749 auf 800 Euro, im 2. Lehrjahr von 959 auf 1000 Euro, im 3. Lehrjahr von 1255 auf 1325 Euro und im 4. Lehrjahr von 1675 auf 1750 Euro. Das sind durchschnittliche Steigerungen von 5,5 Prozent.

  • Bei der Schichtarbeit wurde für die Zulagen ein Etappenmodell über mehrere Stufen und Jahre vereinbart. Die Zulagen für die zweite Schicht steigen demnach in den nächsten drei Jahren um jeweils 16 Cent auf 1,004 Euro/Stunde. In der dritten Schicht steigt die Zulage in den nächsten sechs jährlich um rund 25 Cent.
    • Zulage für die 2. Schicht: + 100 Prozent (in Etappen bis November 2023)
    • Zulage für die 3. Schicht: + 58,5 Prozent (in Etappen bis November 2027)

  • Für Betriebe, die wirtschaftlich schwierige Situationen zu bewältigen haben, gibt es dabei eine Möglichkeit, die Steigerung der Schichtzulagen unter klar definierten Umständen zu reduzieren.

  • Außerdem wurden für die Betriebe Erleichterungen bei den Rahmenbedingungen für Wochenend- und Feiertagsarbeit ausverhandelt, um besondere Auftragsspitzen besser bewältigen zu können. Und es wurde vereinbart, in einer Arbeitsgruppe „Zukunft der Arbeitszeit“ mögliche neue und flexiblere Arbeitszeitmodelle weiterzuentwickeln.

Signalwirkung für andere Branchen

Traditionell haben die Metaller-KV-Verhandlungen Signalwirkung für andere Branchen, weswegen sie von den Gewerkschaften besonders engagiert geführt werden. Bei einem Scheitern der fünften Runde hätten kommende Woche Streiks begonnen.

Der Durchbruch hatte sich bereits im Laufe des Tages abgezeichnet. Schon die Wahl des Verhandlungsortes außerhalb Wiens hatte darauf schließen lassen, dass beiden Seiten an einer Einigung in klausurähnlicher Atmosphäre gelegen ist. Üblicherweise wird in Wien in der Wirtschaftskammer verhandelt, zu dem Feilschen reisen auch mehrere Dutzend Betriebsräte aus ganz Österreich an. Zur fünften Runde trafen sich die Sozialpartner kurz nach Mittag in einer Gaststätte in der Nähe des Wallersee in Eugendorf. Am frühen Abend gab es eine Stärkung für die Nachtschicht, die dann aber nicht ganz so lang dauerte.

METALLER-KV: FORTSETZUNG DER VERHANDLUNGEN METALLTECHNISCHE INDUSTRIE
METALLER-KV: FORTSETZUNG DER VERHANDLUNGEN METALLTECHNISCHE INDUSTRIE Foto © (c) APA/FRANZ NEUMAYR (FRANZ NEUMAYR)

Kommentare (50)
DergeerdeteSteirer
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Bericht : Metaller-KV / Hoher Abschluss mit zarter Signalwirkung und einem großen Profiteur

Eine sehr aufschlussreiche Berechnung welche ihre Richtigkeit hat, .................
jedoch viele unter den Bürgern, um es wieder einmal so ausdrücken zu müssen, sind nicht fähig über den Tellerrand zu blicken, logisch zu analysieren und zu recherchieren was eine ein mal eins Rechnung ergeben muss, das Gezeter und Geschrei der Gewerkschaft ist leider in den 70er und 80er Jahren wirkungsvoll und ertragreich gewesen, in der jetzigen (heutigen) Zeit zählen viele andere Faktoren, um die aufzuzählen reicht das Kommentarfeld leider nicht aus, es braucht nur jeder interessiert und informativ den Gesetzeslagen nachgehen und nachforschen, die Zeit muss man sich halt nehmen um dem auf den Grund zu gehen, im Endeffekt ist "immer" der steuereinhebende Staat der Gewinner und das arbeitende Volk im Endeffekt der Verlierer!!

schadstoffarm
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Die

Steuern werden auf ein nummerkonto in der Schweiz überwiesen und von der Regierung verjausent? Ich glaube nicht, tim.

SoundofThunder
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Profitieren wird der Staat

Wie es an anderer Stelle erklärt wird. Du bekommst im Monat 70€ mehr,dafür zahlst 100€ im Monat mehr Steuer. Ökosoziales Belastungspaket.

deCamps
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Diese primitive und unkultivierte Art eines Lohnsystems im Wirtschaftsgefüge

findet größtenteils nur mehr in Österreich statt. Nachzuschlagen.
.
Dieses System ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr zeitgerecht. Siehe in anderen Gesellschaften wie sich die nach dem Kriegsende entwickelt haben. Hängt mit den politischen parteilichen Milliardenverbrennung für die Machtpolitik in Politik, Bürokratie und dem Wirtschaftsgefüge samt seiner Netzwerke und Institutionen auf allen 3 politischen Ebenen., der letzten Jahrzehnte statt, gibts du mir, gebe ich dir.
.
Daher wird es auch Morgen keine effektiven und zielführenden Reformen geben, egal welche Koalition egal welche Regierung am Ruder sitzt.

SoundofThunder
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🤔

Ohne die Sozialpartnerschaft,über die Sie so herziehen,gäbe es in Österreich nur mehr prekäre Arbeitsverhältnisse. Siehe Deutschland:Dort sind nur mehr 40% der Arbeiter in einem KV. Der Rest frisst Sch…. Und das man bei Verhandlungen aufeinander zugehen muss um zu einer Einigung zu kommen ist überall so. Oder verhandeln Sie bei einem Autohändler nicht ein paar Prozente vom Kaufpreis runter?

melahide
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Gehälter

und KVs sollten automatisch um die Inflation angepasst werden. Als „Bonus“ sollte man auch endlich die Beteiligung von Mitarbeitern am Gewinn als 3. Sonderzahlung hinein verhandeln. Oder am Umsatz. Unternehmen machen immer mehr und mehr Gewinn, bei den Mitarbeitern wird um jedes Zehntel-Prozent geknausert.

Balrog206
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Mel

Beteiligung am Verlust hast vergessen zu erwähnen !
Automatische Erhöhung plus X % hast meine volle Zustimmung !

melahide
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Wieso

soll ein Arbeitnehmer am Verlust beteiligt werden? Ein Aktionär haltet auch nur die Hand auf ohne was dafür zu tun. Der Arbeitnehmer erwirtschaftet mit seiner Arbeitskraft den Gewinn und sollte daran beteiligt sein.

Balrog206
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Liebe Mel

Ö besteht angeblich zu 80% aus KMU unternehmen ! Gewinn X liegt nicht am Sparbuch das ist dir schon bewusst ! Bei uns zb verbleibt der Gewinn immer im Unternehmen also ed gibt keine Ausschüttung !

DergeerdeteSteirer
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@Balrog206............................"Beteiligung am Verlust hast vergessen zu erwähnen !"


Da sind aber nur in sehr sehr wenigen Fällen Arbeitnehmer daran beteiligt bzw. die schuldigen!!
Wenn ein Unternehmer z.B. seinen Hals vor Profitgier nicht voll bekommt, durch falsche Durchplanung und Koordination von Aufträgen verplant und auch finanziell verspekuliert, zu exzessiv expandieren will usw. ......... usw., .......................... da liegt der Ball nicht beim Arbeitnehmer, oder siehst das anders oder die türkise Brille !

Ich denk in 43 Arbeitsjahren, als fachlicher Idealist und Techniker, im Handwerksgewerbe mit durchgehenden Arbeitsjahren, nur zwei Arbeitgebern in der bisherigen Berufslaufbahn, bin ich überzeugt den Überblick und Durchblick zu haben, das sage und meine ich ohne Überheblichkeit und Einbildung!!

Balrog206
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Das

War trotzdem nur ein Wink mehr nicht ! Ich würde sagen es kommt nat auf die Branche an , in der Industrie wirst es nicht haben , wo viel Kundenkontakt da ist könntest eine Beteiligung haben ! Und zur Sicherheit ich mag keine der 3 Altparteien !

Lucifer rs
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Genau das ist eingetreten🤕

Bei zu erwartender Inflation von 4,5 bis 5% ist der Verlierer immer der Arbeitnehmer ich würde zur größten Austrittswelle bei den Gewerkschaftsgruppen raten und sie für immer zerschlagen, sie sind ein desolater Haufen möchte wissen was der Wimmer verdient, das er so einen Abschluss als Erfolg verkauft🤢

checker43
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Die

Verhandlungen basieren auf der Inflation des Vorjahres. Wenn es 2021/22 durch die Bank 5 % Inflation geben sollte (und nicht nur für ein paar Monate), wird sich das nächstes Jahr bei den Verhandlungen niederschlagen.

Lucifer rs
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Für was dann das Ganze🤦🏻‍♂️

Noch etwas, Heute steht auf den Mittagstisch der Knills statt Backhendl Krimsekt und Kaviar so schaut’s aus der Erfolg geht zu 100% an die Unternehmer Vertretung👍

checker43
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Das Ganze

ist für die Festlegung der Höhe der Gehaltserhöhungen. Wenns das nicht gäbe, gäbe es keine Gehaltserhöhungen, die bestehenden Verträge würden unverändert weitergelten. Dazu das Ganze.

Lamax2
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Ende der Vorstellung...

... man klatsche. Jedes Jahr das gleiche Schauspiel.

checker43
2
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Hm

Sie meinen, beide Seiten wussten also schon vor den Verhandlungen, was das Ergebnis sein wird und die ziehen da nur eine Show ab? Belege dafür?

Balrog206
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Checker

Da jedes Jahr das gleiche ist ! Beweis genug ?

checker43
1
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Nein

Das ist kein Beweis. Weil es nicht jedes Jahr dieselben Abschlüsse gibt. Wenn Sie meinen, dass es jedes Jahr das Gleiche ist, weil Gewerkschaft x fordert, Arbeitgeber y bieten und man sich am Ende auf z einigt: Ja, das ist so bei Verhandlungen. Sie hören ja auch nicht mit dem Kauf von Autos auf, weil es jedesmal eine Verhandlung zwischen Ihnen und dem Verkäufer gibt.

Balrog206
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Dann

Bitte warum ist es kein Ziel der Gewerkschaft diese 3,55% für alle Branchen zu erzielen ? Es kann nicht sein das die für alle verhandeln aber je nach Mitgliederzahl es ihnen dann egal ist wenn der Abschluss wie bei uns im 1,4% niedriger ist ! Pflege zb sind Löhne zu gering lt Medien wo ist da die Gewerkschaft ! Kein Interesse??
Neue Wege sollte es dafür geben der für alle gleich ist ! Und das sag ich dir als Ag u AN !

wasloswerden
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Diese Lohntreiberei in den zu-

gegeben wertschöpfungsstarken Branchen wird mittelfristig die weniger starken Branchen von der Landkarte verschwinden lassen - so sind überzogene Forderungen auch immer Vertreiberaktionen für schwächere Branchen….wenn so gewollt, dann auch gut-bedeutet aber in Summe weniger Arbeitsplätze…

mtttt
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Phyrrussieg

Mit dem Anheizen der Löhne wird nur die Inflation verstärkt. Braucht ein Arbeitnehmer eine handwerkliche Dienstleitung, bleibt sie immer gleich schwer bezahlbar. Mehr netto fürs brutto wäre es gewesen. Aber das wird im Bürokratenland Österreich wohl unerreichbar bleiben.

Hildegard11
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Sozialpartnerschaft war ein ewiges.....

....Erfolgsgeheimnis Österreichs. Kurz um Bande wollten alles zerschlagen. Mit der Pandemie kamen sie wieder angekrochen. Gut weg dieser Kurz, allerdings viel zu wenig weit weg.

deCamps
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Sozialpartnerschaft war ein ewiges..... ....Erfolgsgeheimnis Österreichs.

Beim Blick auf die Faken der Sozialpartnerschaft, handelt es sich klar und ohne Zweifel um gegenseitige Deal, mit dem durch die Jahrzehnten Milliarden verbrannt wurden. Gibst du mir, gebe ich dir.
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Ich bin immer erschüttert, wenn ich hier manche Kommentare lesen kann. Der Staat zahlt derzeit ca. 22 Milliarden Zuschuss auf die Pensionen. Davon gehen allein ca. 12 Milliarden an die "staatlichen Pensionäre" und nur 10 Milliarden an die ASVG Pensionisten. Hat hier wer eine Vorstellung, was das tatsächlich über unser Land und seiner Entwicklung seit Kriegsende aussagt?

cockpit
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Ist 3,55, Grund 3%

Ich glaub, da stimmt was nicht.

manfred130366
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Sinnerfassend lesen soll helfen

3% Basiskollektiverhöhung für neue Dienstverhältnisse. 3,55% für bestehende Dienstverhältnisse.

 
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