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Chef von Hygiene Austria Tino Wieser zum Masken-Krimi: "Ich habe mit dem Kurz nie telefoniert"

Palmers will Hygiene Austria weiterhin übernehmen. Derzeit werden Masken auf Lager produziert. Wieser: Qualität der zugekauften FFP2-Masken ist hervorragend. Wieser: "Ich finde es einfach nicht in Ordnung, wenn sich ein Partner in dieser Zeit, salopp gesagt, ein bissl davonstiehlt."

INTERVIEW: TINO WIESER
INTERVIEW: TINO WIESER © (c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)
 

Nachdem der Faserhersteller Lenzing als Mehrheitseigentümer des Maskenproduzenten Hygiene Austria am Montag überraschend seine beiden Geschäftsführer zurückgezogen hat, muss sich der verbliebene Geschäftsführer Tino Wieser vom Minderheitsgesellschafter Palmers alleine um Schadensbegrenzung im Maskenskandal kümmern. Eigentlich habe er das Unternehmen ganz übernehmen wollen, aber Lenzing habe den Kontakt abgebrochen, sagte Wieser am Montagabend zur APA.

Lenzing hatte am Nachmittag per Aussendung erklärt, dass mit sofortiger Wirkung die Nominierung von Stephan Sielaff als Geschäftsführer der Hygiene Austria zurückgezogen und Stephan Trubrich als Geschäftsführer abberufen werde. Als Grund wurde genannt, dass man keinen vollständigen Zugang zu wichtigen Unterlagen erhalten habe.

"Letzte Woche haben wir zusammen mit der Lenzing an der Aufklärung der ganzen Sache gearbeitet, auch das ganze Wochenende bis auf gestern um acht Uhr, wo ich dann auf einmal allein da gesessen bin", sagte Wieser zur APA. "Heute kam das Statement zu Mittag, während alle Mitarbeiter zu einem Team Lunch eingeladen wurden, dass alle Mitarbeiter der Lenzing abgezogen werden."

Krach bei Hygiene-Austria-Eigentümern

"Nicht in Ordnung"

Lenzing sei bis dahin mit 15 bis 20 Leuten vor Ort gewesen. "Von der Aufgabenaufteilung her war von Anfang an klar, dass die Lenzing die Produktion und die Materialbeschaffung plus Qualitätssicherung und Zertifikate macht", so Wieser. Die Aufgaben von Palmers seien Verkauf, Marketing, Logistik und Buchhaltung gewesen. "Ich finde es einfach nicht in Ordnung, wenn sich ein Partner in dieser Zeit, salopp gesagt, ein bissl davonstiehlt."

Die Begründung von Lenzing, wonach man keinen Zugang zu wichtigen Unterlangen erhalten habe, lässt Wieser nicht gelten. "Wissen Sie, was bei einer Hausdurchsuchung passiert? Die beschlagnahmen alles. Wir sind bis Samstagabend hier gesessen, haben alles zusammen ausgearbeitet. Gestern noch sind Daten ausgetauscht worden, heute in der Früh sind die letzten Daten ausgetauscht worden." Aber es sei eben keine Einsicht in Unterlagen möglich, die bei der Staatsanwaltschaft seien.

"Ich habe alle angerufen, es hebt keiner ab"

Am Wochenende sei die Maskenproduktion unterbrochen gewesen, inzwischen habe man sie aber wieder aufgenommen, berichtete Wieser. Man produziere jetzt eben vorerst auf Lager. "Die letzte Woche war jetzt nicht die umsatzstärkste, das muss man ganz klar sagen." Die Qualität der Masken sei aber hervorragend, auch wenn geringe Mengen in China zugekauft worden seien. Das habe man am vergangenen Wochenende neuerlich überprüfen lassen.

Er habe weiterhin vor, die Hygiene Austria ganz zu übernehmen. "Ich habe ein Übernahmeangebot gelegt, wir waren schon in Vertragsausarbeitung, es war für 14 Uhr heute der Notar bestellt", sagte Wieser. Stattdessen habe es aber die überraschende Presseaussendung der Lenzing gegeben. Er sei nach wie vor an der Übernahme interessiert, aber "da muss man mit mir reden. Wenn der Mehrheitsgesellschafter nicht mehr mit dir redet, dann wird's ein bissl schwierig. Ich habe alle angerufen, es hebt keiner ab."

Bisher mehr als 100 Millionen Masken produziert

"Ich verstehe die Verunsicherung der Menschen", so Wieser, aber "unsere Masken sind alle höchste Qualität. Wir haben auch die beim Lohnfertiger gefertigten Masken über das Wochenende noch einmal überprüfen lassen." Es müsse sich niemand Sorgen machen, "die Masken sind besser als alle anderen, die man am Markt kaufen kann." 98 Prozent ihres Umsatzes habe die Hygiene Austria in Österreich gemacht. "Wir sind ein österreichisches Unternehmen, und alles, was ich ausliefere, ist in Ordnung." Bisher habe man mehr als 100 Millionen Masken produziert, nur ein geringer Teil davon sei wegen der hohen Nachfrage bei einem Lohnfertiger zugekauft worden. "Ich bin der Meinung, dass ich nichts verbrochen habe", sagte Wieser. "Ich war der Meinung, dass ein gewisser Anteil am Produkt ausreicht, um 'Made in Austria' draufzuschreiben." Es handle sich um das gleiche Baumuster und das gleiche Material, "sie sind doppelt so teuer wie wenn man sie selber herstellt".

"Das ist Europa, das ist nicht die Pampa"

Kritisiert wurde auch, dass die Zertifizierung der FFP2-Schutzmasken nicht in Österreich durchgeführt wurde. Auch die Überprüfung am vergangenen Wochenende sei wieder in Ungarn erfolgt, sagte Wieser. "Das ist Europa, das ist nicht die Pampa. Wir haben damals im Zuge der Zertifizierung in ganz Europa überall angerufen: 'Wer kann uns schnell ein Zertifikat ausstellen?' Österreich hat erst, ich glaube seit Dezember letzten Jahres, eine Zertifizierungsstelle." Bei anderen Zertifizierungsstellen hätte es Wartezeiten von sechs bis acht Monaten gegeben.

 "Ich habe mit dem Kurz nie telefoniert"

Wieser wies auch den Vorwurf zurück, die Hygiene Austria habe nicht angemeldete Leiharbeiter beschäftigt. Man habe sich dreier Personalbereitstellungsfirmen bedient und sich jeden Monat Auszüge der Sozialversicherung und des Finanzamts vorlegen lassen um zu überprüfen, ob alle Mitarbeiter korrekt angemeldet sind. "Im Zuge der letztwöchigen Ermittlungen haben wir von allen Mitarbeitern alle Anmeldungen gehabt. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer." Aktuell habe man 220 Beschäftigte und habe vorgehabt, Mitte des Monats auf 300 aufzustocken.

Eine politische Dimension erhält der Skandal durch Wiesers Verwandtschaftsverhältnis zur Büroleiterin von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), die mit seinem Bruder, Palmers-Vorstand Luca Wieser, verheiratet ist. Die Hygiene Austria könnte von diesem Naheverhältnis profitiert haben, so der Verdacht. Wieser weist auch diesen Vorwurf zurück. "Wir haben von all dem, was wir über den gesamten Zeitraum produziert haben, in Summe gerade einmal ein Prozent an öffentliche Stellen, Regierungen und die BBG (Bundesbeschaffungsgesellschaft, Anm.) verkauft", so der Hygiene-Austria-Geschäftsführer. "Ich habe mit dem Kurz nie telefoniert. Ich war bei seiner Wahlveranstaltung - was weiß ich, wann das war, 2015? - um ihm zu gratulieren, das war's."

Kommentare (29)
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Gedankenspiele
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Naja,...

...wenn die Schwägerin die Büroleiterin von Kurz ist und jeder weiß wie vorsichtig das Team rund um Kurz bei solchen Dingen vorgeht, ist es wenig verwunderlich, dass es keine direkten Gespräche zwischen Kurz und Tino Wieser gab, wenn's stimmt.

Vielleicht gabs ja nicht einmal Gespräche zwischen Kurz und seiner Büroleiterin. Würde mich nach all den unglaubwürdigen Aussagen der Türkusen im Ibiza-UA auch nicht mehr wundern.

GanzObjektivGesehen
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Der Etikettenschwindel gehört natürlich aufgeklärt und bestraft.

Ob dadurch ein wirklicher Schaden entstanden ist, muss erst festgestellt werden.
FFP Masken sind seit Jahrzehnten in Verwendung. Für Österreich ein typisches Importprodukt. Die Zertiifizierungen fanden auch immer im Ausland statt, meist Ungarn und Irland.

Pollheim
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Wahrscheinlich...

...hat er auch nie Termine mit dem BK Kurz gehabt, sondern nur mir Frau Martina Kurz von der Novomatik. Nur falls jemand fragt ;)

Christoph T
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statt einer Entschuldigung nun folgende Aussage:

"Ich war der Meinung, dass ein gewisser Anteil am Produkt ausreicht, um 'Made in Austria' draufzuschreiben." -- geht's noch?

--> wie kann so ein Mensch Geschäftsführer mehrere Unternehmungen gewesen sein. Das zeigt die Skrupellosigkeit mit der viele in Österreich Geschäfte machen.

Ich hoffe dass Sich die Wirtschaftskammer (leider vom gleiche Couleur) hier eindeutig von solchen Geschäftsgebaren differenziert und diese "Wort und Bildmarke" dementsprechend schützt. Aber was ist mit den Geschädigten (haben vor dem großen Run auf FFP2-Masken begann) 20 Stk. um €100 gekauft, im guten Glauben ein österreichisches Produkt zu kaufen. Dann der Preisverfall und nun auch noch diese miese Art....
Ich hoffe für die Angestellten, dass es weitergeht. Aber es muss Konsequenzen für diesen verbliebenen Geschäftsführer geben und es muss jemand Vertrauensvoller hierbei eingesetzt werden. Mit so einer Einstellung muss man seinen Platz von selber räumen.

Bond
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Hallo Nachbarn

Höchste Zeit, dass sich die Krisengewinnler vorstellen, bevor sie sich dann rund um den Wörther See breitmachen.

fersler
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mit

dem Kanzler telefoniert man nicht, mit dem Kanzler spricht man direkt im stillen Kämmerlein und lässt sich dann vom Kanzler per Video als mutiges österreichisches Unternehmen, das die HEIMISCHE Maskenproduktion gerettet hat, bejubeln.

der alte M.
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Langsam frage ich mich

...wer kennt Kurz überhaupt?

helmutmayr
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Das Schlimme ist ja

nicht Masken aus China zu Importieren. Die bauen diese wahrscheinlich eh besser als wir. Das Umpacken mit "Schwarzarbeitern" im Keller und diese dann als Made in Austria auszugeben, dass ist ein schweres Verbrechen.
Der meinte wohl, dass wenn CE oben steht ein jeder weiß, dass es sich um "China Export" handeln muss.

Herzilein1103
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Schwägerin

Für wie blöd hält uns der Typ. Seine Schwägerin ist eine der engsten Mitarbeiterinnen und Vertraute von Kurz. Sind Kurz und Mickl Leitner beim Betriebsbesuch vom Himmel gefallen oder musste dies jemand organisieren. Wahrscheinlich hat er da mit Kurz auch nicht gesprochen. Das stinkt nach Korruption

altbayer
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Manager

Erkennt der Manager eigentlich selbst die Widersprüche in seinem Interview?

Was mich noch interessieren würde:
Wie viele der beschäftigten Leiharbeiter haben ihren Lebensmittelpunkt in Österreich. Ich habe beruflich auch mit "Menschenhändlern" zu tun - da gibt es nicht Arbeiter mit ihrem Lebensmittelpunkt in Österreicher. Übrigens muss der Geschäftsführer vor Arbeitsbeginn sämtlich Unterlagen der Leiharbeiter prüfen, auch prüfen, ob die Leiharbeiter auch wirklich ihren vereinbarten Lohn laut Anmeldung bekommen - nicht wie im Interview :""Im Zuge der letztwöchigen Ermittlungen haben wir von allen Mitarbeitern alle Anmeldungen gehabt. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer."

Schwoazasteira92
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ÖVP=Korruption

Jajaja

GanzObjektivGesehen
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Leider ist es so, dass die Korruption mit der Politik so verbunden ist....

.....wie das Foul mit dem Fußball. Diese Tatsache gilt für FPÖ, SPÖ und ÖVP nachgewiesener Maßen. Für die NEOS und DIE GRÜNEN lasse ich noch die Unschuldsvermutung gelten.

Brauchealles
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Leider ist es so

Und weil es so ist? Dagegen muß man angehen!Ich kann das nicht akzeptieren.

maxworks
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au

ein selten primitiver Kerl !!

Bummelantin
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Und wo kommt die Mehrheit der Masken?

wirklich - was für eine Problematik und Dramatik. Was bitteschön kommt heute nicht aus China? Ich weiß wo mein Essen herkommt aber dann wird es schon spannend. Bitte keine Aufregung - leere Kilometer

bam313
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Ich habe

dem Kurz nie telefoniert.
Achso ....

redniwo
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als geübter Österreicher

höre ich damit die Bestätigung dass da etwas ziemlich genau umgekehrt gelaufen ist.

scionescio
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Mir kommen gleich die Tränen - so arm wie er ist und sicherlich im besten Glauben nur das Beste für die Österreicher wollte und sich dafür aufgeopfert hat ....

... typisch für die KLZ, dass sie so jemanden auch noch Raum für den Freispruch in eigener Sache gibt.

Vielleicht erklärt er auch, warum er als einziger schon wegen eines Großauftrags mit dem Bund verhandelt hat, obwohl die Beschaffung noch nicht einmal beschlossen war- welches Vöglein ihm das wohl gezwitschert hat und warum man man mit ihm verhandeln musste, obwohl die Prüfstelle des Bundesheeres Bedenken angemeldet hatte ...

em1962
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Rette dem Dativ

jemandem

GanzObjektivGesehen
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Dem Dativ kann keiner mehr retten tun.....


feringo
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@GanzObjektivGesehen : Dem Dativ kann keiner mehr ...

Vielleicht doch, wenn irgendeinerIn dem Akkutiv um Hilfe ersucht und dieser dem Genitiv sein Leben verunmöglicht! 😂

GanzObjektivGesehen
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Ich kauf mir einen neuen Duden....

bam313
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Und auch den Akkusativ.

Ich habe mich geraden verdrückt und sah plötzlich den Quelltext diese Forums.
Geil!
So geht das!
Nurmis entlarven sich selbst.

himmel17
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Besser-Wieser

Wie viele Millionen Stück macht die "geringe", aus unerklärlichen Gründen streng geheimgehaltene, in China zugekaufte Masken-Menge aus? Oder waren es nur ganz ganz verschwindend wenige, verschwiegene, ganz vernachlässigbar wenige? Wo genau und von wem genau wurden die super-tollen, kaum vorhandenen und untergejubelten China-Masken geprüft? Sicherlich nicht in Austria, oder? Wollen sie uns für blöd verkaufen? Echt? Im Ernst? Mit so fadenscheinigen Argumenten? Sie sind der Palmers Schwiegersohn, der Vorstand, der alles veranlasst hat?

Pelikan22
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Die Masken, die wir Alten von der Landesregierung bekommen haben, sind deklariert!

Da steht ganz deutlich drauf Made in PRC - Also Volksrepublik China. Da wurde nichts umdeklariert auf Made in Austria! Und unser Landesregierung ist bekanntlich rot - schwarz!

bam313
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Das war aber die beste Meldung des Tages!

Wer deklariert denn für Alte.
Bitte nicht persönlich oder gar auf sich selbst beziehen.
Aber das ist schon ein starkes Stück.
Jetzt kommt dann bald:
Wenn du mich wählst bekommst eine Impfung. *lach*

 
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