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Hygiene AustriaOffener Bruch mit Palmers: Lenzing zieht Manager ab, Aufklärung unmöglich

Versuch Lenzings, operative Kontrolle bei Hygiene Austria zu übernehmen, ist gescheitert. "Umfassende und schonungslose Aufklärung ist unabdingbar". Palmers weist Vorwürfe zurück.

Hygiene Austria-Schutzmasken © Karl Schöndorfer TOPP
 

Bei der Hygiene Austria, einem Joint Venture von Palmers und Lenzing, ist es jetzt wegen des Maskenskandals zum offenen Bruch zwischen den beiden Eigentümern gekommen. Der börsennotierte Faserhersteller Lenzing gab in einer Aussendung bekannt, dass mit sofortiger Wirkung die Nominierung des neuen Geschäftsführers von Hygiene Austria zurückgezogen wird, der bisherige Geschäftsführer wird abberufen. 

Außerdem ist der Versuch, auf Basis der vertraglichen Vereinbarung mit Palmers, die operative Kontrolle von Hygiene Austria zu übernehmen, offenbar gescheitert: "Da wir keinen vollständigen Zugang zu wichtigen Unterlagen sowie verlässlicher Dokumentation erhalten haben, sieht sich Lenzing außer Stand, die operative Geschäftsführung im Interesse der Kunden der Hygiene Austria auszuüben und die beabsichtigte forensische Arbeit zur Aufarbeitung der Vorgänge umfassend und in der erforderlichen Qualität umzusetzen."

Unterlagen in den Räumlichkeiten von Palmers

Denn die dafür notwendigen Unterlagen "befinden sich zum größten Teil in den Räumen von Palmers, zu denen Lenzing weder Zutritt noch Zugriff bekommen hat". Trotz intensivstem Ressourceneinsatz seitens Lenzing, sei die dringend erforderliche rasche Aufklärung mit belastbaren Resultaten ebenso wenig möglich, "wie die tatsächliche Ausübung der Geschäftsführung. Lenzing sieht daher die Aufarbeitung der aktuellen Vorwürfe bei den zuständigen Behörden. Dabei wird Lenzing nach besten Kräften unterstützen."

"Versprechen Made in Austria nicht eingelöst"

Mit sofortiger Wirkung wird die Nominierung von Stephan Sielaff als Geschäftsführer der Hygiene Austria zurückgezogen und Stephan Trubrich wird als Geschäftsführer abberufen. Damit wurden beide Geschäftsführer, die Lenzing stellt, abberufen. Ein ehest baldig zu bestimmender Wirtschaftstreuhänder wird mit der Verwaltung der Lenzing-Anteile an Hygiene Austria betraut.

"Made in China"

An der im Frühjahr 2020 zur Maskenproduktion gegründeten Hygiene Austria hält die Lenzing AG 50,1 Prozent, die Palmers Textil AG 49,9 Prozent.

Das in Wiener Neudorf (Bezirk Mödling) ansässige Unternehmen hatte eingeräumt, dass ein Teil der als "Made in Austria" vermarkteten Masken in China zugekauft wurde.

Im Vorstand der Lenzing AG wird künftig ausschließlich Stephan Sielaff für alle Agenden betreffend der Beteiligung an der Hygiene Austria zuständig sein. Sielaff wird alle Entscheidungen mit dem Aufsichtsrat abstimmen.

Tino Wieser Allein-Geschäftsführer

Damit bleibt in der Geschäftsführung der Hygiene Austria nur noch Tino Wieser, der auch dem Vorstand des Hygiene-Austria-Minderheitseigentümers Palmers Textil AG angehört.

Sein Verwandtschaftsverhältnis zur Büroleiterin von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), die mit seinem Bruder Palmers-Vorstand Luca Wieser verheiratet ist, ist in den letzten Tagen im Zuge der innenpolitischen Turbulenzen rund um den Maskenskandal thematisiert worden.

Das Projekt Hygiene Austria wurde, heißt es in der Aussendung von Lenzing, von Lenzing mit der tiefen Überzeugung mitgegründet, mit österreichischer Qualität einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung in der größten Pandemie der letzten hundert Jahre leisten zu können. Das Versprechen "Made in Austria" wurde offensichtlich nicht durchgehend gewährleistet. Eine umfassende und schonungslose Aufklärung ist daher unabdingbar.

Konter von Palmers

"Zu keiner Zeit hat Palmers die Aufklärung der Untersuchung behindert oder Unterlagen zurückgehalten", hießt es in einem Palmers-Statement in Reaktion auf die Lenzing-Aussendung. Die Unterlagen seien im Rahmen der Hausdurchsuchung am 2. März den Behörden übergeben worden. Darüber hinaus seien alle Unterlagen immer auch den von Lenzing gestellten Geschäftsführern vorgelegen, "da immer nur beide Geschäftsführer wirksam für Hygiene Austria LP GmbH zeichnen konnten".

Scharfe Kritik von Leichtfried

SPÖ-Vizeklubvorsitzender Jörg Leichtfried äußerte Kritik: Die Causa scheine sich "zu einem der größten Kriminal- und Korruptionsfälle der jüngeren Wirtschaftsgeschichte zu entwickeln und das im Umfeld von Sebastian Kurz."

Ein österreichischer Weltkonzern, die Lenzing AG, ziehe sich von einem Tag auf den anderen zurück, weil sie offenbar befürchte, dass "politisch gewollt Aufklärung verhindert werden soll", so Leichtfried.

Der Schaden für den Standort Österreich sei bereits entstanden. "Angesichts der persönlichen Verbindungen zwischen Kanzlerbüro und Hygiene Austria werden die Aussagen des Kanzlers, er wusste von nichts, von Tag zu Tag unglaubwürdiger. Dass die Regierung offenbar einem solchen Unternehmen auch am Vergabegesetz vorbei einen Millionenauftrag zuschanzen wollte, ist ein Skandal und muss restlos aufgeklärt werden!"

Übernahme von Anteilen?

Allerdings hätten Lenzing und Palmers vergangenes Wochenende über eine Übernahme der Lenzing-Anteile an der Hygiene Austria durch Palmers verhandelt. Die Verhandlungen seien derzeit noch nicht abgeschlossen, heißt es vom Unternehmen. Dem verbleibenden Hygiene Austria-Chef Tino Wieser sei es ein Anliegen "sämtliche Vorwürfe hinsichtlich der behaupteten Mängel" aufzuklären.

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Danke für Ihr Verständnis.

Horstreinhard
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Es ist erschütternd, welche hasstriefenden Kommentare abgegeben werden

Und Leichtfried stimmt ein - gibt es keine SPÖ-nahen Mitarbeiter in Entscheidungspositionen in dem Unternehmen?🤔

pregwerner
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@himmel17: Gute Idee!

如果中国要参与其中,至少也要让他们读懂吧!

himmel17
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Geil

Ich versteh` plötzlich Chinesisch.

himmel17
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P.S.:

Dank Google-Übersetzer.

voit60
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Der Traum vom schnellen Reichtum

Kann für die Freunde und Bekannte vom Kurz schnell ins Gegenteil drehen.

bam313
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Ist eh schon passiert.

Nun haben sie sich mit Korruption auseinander zu setzen.
Wer nichts weiß, muss alles glauben, sagten schon die Science-Busters.
Und Basti ist ein Paradebeispiel dafür.
Der kennt nur Kamaras und sein aufgesetztes Grinsen.
Und der ist unser Kanzler ....
Wahrscheinlich verschwindet dieser Beitrag gleich wieder.

seierberger
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Absatz Möglichkeit

Die Masken, welche offensichtlich aus China kamen, könnte ja man über die Plattform Kaufhaus Österreich vertreiben.

Die Geschäftsführung wird dahin ja bestimmt einen guten Draht haben.

bam313
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Haben die noch eine Geschäftsführung?

Die sind ja alle abgetaucht ...

bam313
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Haben die noch eine Geschäftsführung?

Die sind ja alle abgetaucht ...

GordonKelz
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Die korruptesten Länder dieser Erde....

können bei uns noch viel lernen ......!
Gordon Kelz

bam313
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Und wie!

Soll ich einen Lehrplan zusammenstellen?
Korruption für Anfänger.
Der schlägt sicher voll ein - wir brauchen gar keine Waffenproduktion mehr. *lach*

himmel17
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Übertreibungskünstler?

Oder Kabarettist?

bam313
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Wahrscheinlich

Zweiteres ....

hausverstand58
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Diese Seriosität die hier vermittelt wird....

Hygiene Austria .... ein Polit-Günstling?

WASGIBTSNEUES
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FFP2 Maskenpflicht

warum hinterfragt eigentlich kein Journalist warum es ausgerechnet zur FFP2 Maskenpflicht gekommen ist obwohl sogar die WHO die Wirksamkeit in Frage stellt.
Warum hinterfragt kein Journalist warum zb. die Grazer Firma, welche wirklich Masken in Österreich erzeugt, bis dato keine Aufträge oder Anlagen von der Regierung bekommen hat.
Ich habe um teures Geld € 14,00 eine FFP2 Maske von Hygiene Austria gekauft mit der Überzeugung ein österr. Unternehmen zu unterstützen, soviel zu kauft lokal!

checker43
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Die WHO

stellt die Wirksamkeit nicht in Frage. Die WHO empfiehlt FFP2 für exponierte Berufsgruppen, womit sie den FFP2 wohl eine höhere Wirksamkeit zuschreibt.

bam313
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Weil Aventrium auch zukauft.

Oder haben die seit Neueuestem eine Zellstoffbude in Graz stehen?
Bei Sappi Gratkorn könnten sie den Rohstoff einkaufen.
Aber das geht nicht, weil dann könnte unsere Regierung nicht mitschneiden.
Alles klar?

himmel17
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Hygiene Austria? Besser wäre: Hygiene China

Was sagt überhaupt die Konkurrenz dazu? Hat sie auch Dreck am Stecken? Oder ist sie nur verschlafen und langsam? Sind alle gleich? Fragen über Fragen!

Brauchealles
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Hygiene Austria

Selten einen treffenderen Firmennamen gehört.Den kann man sich auf der Zunge zergehem lassen.

Immerkritisch
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Im nächsten Korruptionsranking

werden wir hinter sämtlichen südamerikanischen und afrikanischen Ländern gereiht werden! Selbstbedienungsladen Österreich....

checker43
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Hat

Palmers nicht sein (damals leeres) Geschäft in der Sporgasse für den Kurz-Wahlkampf 2017 zur Verfügung (ob gegen entgelt oder nicht, weiß ich nicht) gestellt? Danach wurde es für 4.775,39 Euro Monatsmiete angeboten.

scionescio
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Es gilt die Unschuldsvermutung ...

... war das Erste, was den Türkisen und der Hygiene Austria dazu eingefallen ist ... nach dünner Suppe schaut das nicht mehr aus!

Im Standard gibt es ein paar interessante Infos dazu, welche Arbeitsplätze da wieder mit Fördergeldern gesichert wurden:

"Palmers und Lenzing dürften nicht die seriösesten Partner hinzugezogen haben. Gelb ist die Bonität bei Steady Global Partners, rot bei Ad Job Assist. Äußerst schwach ist sie auch bei First Staff und Ante Portas.

Ante Portas hat eine Gewerbeberechtigung allein als Sicherheitsdienst mit niedrigeren Kollektivverträgen. Als Arbeitskräfteüberlasser darf die Firma nicht tätig sein. Alle vier Firmen sind klein, wurden frisch gegründet und haben zugekaufte gewerberechtliche Geschäftsführer. Steady wurde als Scheinfirma identifiziert, Ad Jobs ist in Konkurs."

Laut Ermittlern wurde jeweils 3 heimische Masken (die unter sehr unhygienischen Bedingungen produziert wurden) zusammen mit 17 chinesischen Masken verpackt.

Wenn du gute Beziehungen in Österreich hast, kannst du dir anscheinend sehr viel erlauben ... manche übertreiben es dann doch ein bisschen.

himmel17
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Gefängnis

Wenn das alles stimmt, gibt `s "schwedische Gardinen" für Manager.

scionescio
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@himmel17: das glaubst du doch selbst nicht ...

... da wird wieder die selektive Demenz ausbrechen, ein kleiner Mitarbeiter wird den Kopf hinhalten müssen und den Rest macht ein gevifter Anwalt.

Das System lebt davon, dass alle im Dunstkreis so viel Dreck am Stecken haben, dass es niemand riskieren kann, dass tatsächlich einem etwas passiert und damit die Gefahr besteht, dass er auspackt und ein Dominoeffekt eintritt.

Außerdem passieren so viele Skandale, dass in ein paar Wochen kein Hahn mehr danach kräht ... die Aufregung um Blümel und Brandstetter hat sich ja auch schon gelegt, ein Nehammer ist auch aus dem Schussfeld und über die Tanner regt sich auch keiner mehr auf - wir haben uns mittlerweile schon an die Skandale gewöhnt und nehmen sie nur mehr resignierend mit einem Achselzucken zur Kenntnis ... und viele sind so vergesslich, dass sie bei der nächsten Wahl wieder ihr Kreuzchen bei Türkis/Blau machen, weil die gerade wieder das Blaue vom Himmel versprechen (und noch nie auch nur annähernd gehalten haben!).

satiricus
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@himmel:

Aber nicht in unserer Bananenrepublik. Da bekommen Manager eher noch einen fetten Bonus, bevor sie sich vertschüssen.......

himmel17
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Cayman Islands

Dort treffen sich nicht wenige Manager, um auf Yachten usw. :)))

 
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