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Graz-Buch der WocheHistorische Möglichkeiten

Vier Jahre nach dem ersten Teil: Stefan Rothbart setzt sein erfolgreiches Histo-Experiment im Twenty-Six-Verlag fort.

Stefan Rothbart, Twenty-Six Verlag, 2014, 2018
Stefan Rothbart, Twenty-Six Verlag, 2014, 2018 © Preis
 

Sein erster Streich wurde 2014 von der einschlägigen Netz-Community "histo-couch.de" zum Buch des Monats gekürt. Jetzt hat es Stefan Rothbart wieder getan: Sein neues Buch "Möglichkeit des Friedens" schließt nahtlos an den Vorgänger "Wahrscheinlichkeit des Krieges" an.

Das aktuelle Werk - ein historischer Roman, der im Duktus zuweilen an ein Sachbuch erinnert - kreist um die Phase der Zwischenkriegszeit bis zum "Anschluss" 1938. Wieder dreht sich der Plot um den namenlosen Historiker, einen Geschichtsprofessor und Berater von Kaiser Franz Josef. Der Intellektuelle findet zunehmend Gefallen an der Dollfuß-Ära wird von den Nationalsozialisten verfolgt und rennt schließlich um sein Leben.

Der Erzähler wird so zum Zeitzeugen und mit ihm der Leser. Wir spazieren mit dem Professor durch die Büros von Kurt Schuschnigg & Co und die diversen Kaffeehäuser jener Zeit. Rothbart schildert, wie die Gesellschaft langsam zerbricht, die Armut wächst und die Mächtigen auf eine Katastrophe zusteuern - verliert dabei aber nicht einen Hauch von Ironie.

Dennoch ist die Lektüre keine einfache, verliert sich mitunter in Theorien und lässt das romanhaft Spielerische vermissen. Nicht jedes historische Detail hätte man dem Leser zumuten müssen, stattdessen hätte etwas mehr Atmosphäre und Emotion gut getan.

Nichts desto trotz beweist der 32-jährige Autor einmal mehr, sein reichhaltiges Wissen. Dass der Stattegger politisch interessiert ist, manifestiert sich an seiner gegenwärtigen Tätigkeit als Gemeinderat. Und sein historisches Sachwissen zeigte er bereits in Büchern wie "Der Grazer Schlossberg" und "1809 - die Festung".

Fazit

"Möglichkeit des Friedens" ist ein ambitioniertes Projekt, das vor allem für historisch Versierte ein gefundenes Fressen darstellt. Wer sich allerdings einen historischen Roman in seiner vollen prosaischen Breite erwartet, wird enttäuscht sein.
Wir finden dennoch: Ein gelungener zweiter Teil.

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