„Viele schlaflose Nächte“ habe ihn diese Entscheidung gekostet, erzählt Johannes Erblehner: Letzte Woche hat er das Gasthaus „Zur Sonne“ am Frohnleitener Hauptplatz zugesperrt. Ein traditionsreiches Haus, dessen Geschichte bis in die 1920er Jahre zurückreicht und ebenso lange in Familienbesitz ist. Dementsprechend schwer sei ihm der Schritt gefallen, den er dann aber sehr kurzfristig vor der Schließung verkündet hat. Dringend notwendig sei er aber gewesen: „Ich bin zugleich Land-, Forst- und Gastwirt gewesen, das funktioniert auf Dauer nicht.“ Das sei aber nur einer von mehreren Gründen gewesen.
Die lange Geschichte des Gasthauses, das für deftige Hausmannskost wie Flecksuppe & Co. beliebt war, aber auch für viele Kulturveranstaltungen, ist damit aber noch nicht ganz fix zu Ende: „Es ist jetzt einmal ruhend gelegt“, erklärt Erblehner, der sich jetzt eine Nachdenkpause verordnen will – genau dafür sei zuvor einfach keine Zeit gewesen. Das Haus ist jedenfalls in Familienbesitz und soll zunächst einmal ein Gasthaus bleiben.
Eine ähnliche Nachdenkpause hat man sich übrigens im Gasthaus Martinelli, dem „Steinmetzwirt“ auf der Leber in Stattegg verordnet. Das Haus ist seit 1890 als Gasthaus bekannt, im Juli des Vorjahres gab die Familie aber bekannt, dass man aufgrund von Personalproblemen, aber auch aus familiären Gründen vorerst zusperrt – momentan „versorgt“ lediglich ein Selbstbedienungsautomat die Gäste. Pläne für eine Wiedereröffnung gebe es derzeit keine, hieß es auf Kleine-Zeitung-Anfrage. Auf unbestimmte Zeit geschlossen hat derzeit auch das Leonhardstüberl nahe der Reiterkaserne – wir berichteten.
In den letzten Jahren verschwanden einige alteingesessene Gasthäuser aus dem Grazer Stadtgebiet: Der „Postl“ in der Annenstraße wurde zum Kebaplokal, der „Laufke“ verabschiedete sich ausgerechnet im 100. Jubiläumsjahr. Der „Schwarze Adler“ nahe der Kunstuni ist mittlerweile ein Burger-Hotspot, um nur einige zu nennen.
Neue Gesichter, altes Gasthaus: Weißes Kreuz in Geidorf
Mitten im Wirtshaussterben, wie es seit Jahren in ganz Österreich zu bemerken ist, gibt es in Graz aber auch eine positive Gegenbewegung: Im November sperrte das frühere „Eckstein“ als „Glockenspielkeller“ wieder auf – bewusst unter dem alten Namen und mit modern interpretierter, gehobener Wirtshausküche.
Frischer Wind in den ältesten Gemäuern
Und kommende Woche sind es gleich zwei sehr alte Grazer Gasthäuser, denen frischer Wind eingehaucht wird: Schon am Montag übernimmt das Team der „Underground Kitchen“ das Weiße Kreuz in der Heinrichstraße in Geidorf. Nach einem spontanen Pop-up im Dezember, wo man nur wenige Tage geöffnet hatte, ist man vom großen Potenzial des Wirtshauses nun noch mehr überzeugt. „Das hat alle unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Tobias Graf. Deshalb legt man ab Montag auch ganz offiziell los – mit werktags täglich wechselnden Mittagsmenüs, einer eigenen Abendkarte (Mittwoch bis Freitag), samstags ganztägigen Genuss und sonntags einem gemütlichen Mittagsangebot.
Gekocht wird Hausmannskost mit modernem Anstrich, von Käsespätzle bis zum gegrillten Hasenrücken. Das Wirtshaus, das heuer auch seinen 300. Geburtstag (!) feiert, soll ganz bewusst den Charakter einer Traditionsgaststätte behalten, verändert wurde kaum etwas, vom Hirschgeweih bis zum urigen Stammtisch direkt in der Küche: „Nur die Gesichter sind neu“, grinst Graf.
Schanzlwirt will an alte Zeiten anschließen
Beim Schanzlwirt gegenüber des LKH lässt sich die Geschichte sogar bis ins Jahr 1416 zurückverfolgen, da wurde erstmals eine Taverne an dieser Stelle genannt, auch wenn der Bau „erst“ aus dem 16. Jahrhundert stammt. Auch in diesen alten Gemäuern weht frischer Wind: Denn gerade werden sie für die Rückkehr des „Schanzlwirts“ als Traditionsgasthaus hergerichtet, nachdem er in den letzten Jahren als Kindercafé, vietnamesisches Lokal und Edel-Filiale des Kult-Würstelstands „Wilding“ genutzt wurde. Mit frischem Anstrich, neuen Möbeln und dennoch viel Traditionsbewusstsein will der neue Wirt Christian Schrempf an frühere Glanzzeiten anschließen. Am Freitag, dem Valentinstag, sperrt er zum ersten Mal auf, aber schon lange davor war der Andrang groß: „Wir haben schon viele Reservierungen hereinbekommen, auch für einen Leichenschmaus vom Friedhof gegenüber – und sogar schon Buchungen für Weihnachtsfeiern, dabei haben wir ja noch gar nicht geöffnet.“