Wie am Mittwoch bekannt wurde, waren die acht beim Amoklauf im BORG Dreierschützengasse getöteten Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahre alt*: Laut den „Salzburger Nachrichten“ (SN) war ein Mädchen 14, es gibt noch vier getötete Schülerinnen im Alter von 15 und eine im Alter von 16 Jahren. Die drei erschossenen Burschen waren 17 Jahre alt. Das zehnte Opfer, das im LKH-Uniklinikum am Nachmittag seinen schweren Schussverletzungen erlegen ist, ist eine 59 Jahre alte Lehrerin. Bis auf einen Burschen waren alle Getöteten österreichische Staatsbürger, einer hatte zudem die französische Staatsbürgerschaft. Viele Betroffene haben Wurzeln in anderen Ländern.
So kam ein Gymnasiast, der kommende Woche seinen 18. Geburtstag gefeiert hätte, laut SN aus Polen. Eine 15-Jährige stammt aus Bosnien-Herzegowina: Ein „Vorbild“ für die ganze Gemeinde soll sie gewesen sein, berichten Medien aus ihrem Heimatland, in denen Verwandte zu Wort kommen. Eine weitere Familie aus Bosnien-Herzegowina hat ein 17-jähriges Todesopfer zu beklagen. Fotos zeigen den blonden Burschen im Fußballdress.
Die elf verletzten Personen sind laut Polizei im Alter von 15 bis 26 Jahren und stammen aus Österreich (8), Rumänien (2) und dem Iran.
Ein Opfer im Freien erschossen
Der Tatablauf ist der Polizei weitgehend bekannt, wird aber öffentlich nicht im Detail kommuniziert. Nur so viel: Der Amokschütze war im gesamten Schulgebäude aktiv, die meisten tödlichen Schüsse fielen in zwei Klassenräumen im dritten Stock. Auf eines seiner Opfer ist er schon im Freibereich getroffen. Die geschulterte Schrotflinte nutzte der Täter dazu, um die verbarrikadierten Türen zu den Klassenzimmern aufzuschießen. Nachdem der 21-Jährige mit seiner Glock-Pistole auf mindestens 22 Personen geschossen hatte, richtete er die Waffe gegen sich selbst und erschoss sich am Schulklo.
Eine erste Streife der Polizeiinspektion Eggenberg war sechs Minuten nach den ersten Notrufen (diese gingen um Punkt 10 Uhr in der Landesleitstelle ein) bei der Schule und hat sich in schwerer Schutzausrüstung in Richtung Gebäude vorgewagt, um die Lage zu erkunden. Etwa zwei Minuten später traf Verstärkung durch die Schnelle Interventionsgruppe (SIG), die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) und das Einsatzkommando Cobra-Süd ein – die Spezialeinheiten sind am Stützpunkt-West in der Karlauerstraße stationiert. Die Beamten trafen auf eine Lehrkraft, der sie in den dritten Stock schickte. Weitere Details zum Polizeieinsatz lesen Sie hier.
Dass nach bereits 17 Minuten nach dem Notruf die Situation in der Schule als „gesichert“ eingestuft werden konnte, streicht man in der Landespolizeidirektion besonders hervor. Denn damit war auch den Notfallsanitätern der Zugang zu den Schwerverletzten möglich. „Das rasche polizeiliche Vorgehen der oft gemeinsam trainierenden Polizeieinheiten sowie der schnelle Rettungseinsatz dürfte dem Anschein nach mehreren Menschen das Leben gerettet haben“, heißt es von der Landespolizeidirektion.
Pläne für Sprengstoffanschlag wurden verworfen
Über das Motiv des 21-jährigen Amokschützen ist laut Polizei noch nichts bekannt. Zwar wurden in der Wohnung des Mannes einen an seine Mutter gerichteter Brief und auch ein Video sichergestellt, diese würden aber keine Rückschlüsse auf ein mögliches Tatmotiv zulassen. Dies erhofft man durch die Auswertung seines Handys und andere Datenträger, was aber noch mehrere Wochen dauern kann.
Sichergestellt wurde, wie berichtet, eine nicht funktionsfähige Rohrbombe. Offenbar hatte der Täter Pläne für einen Sprengstoffanschlag geschmiedet, diese dann aber wieder verworfen. Zur Person des 21-Jährigen hält die Polizei fest, dass er in der Steiermark geboren ist und mit seiner alleinerziehenden Mutter (ebenfalls Österreicherin) im gemeinsamen Haushalt lebte. Sein Vater stammt aus Armenien, lebte aber seit der Trennung nicht mehr bei seiner Familie.
Drohmails tragen eine bekannte Handschrift
Unterdessen würden Trittbrettfahrer versuchen, die Situation auszunutzen, um weitere Angst zu schüren. So sind bei der Polizei Stunden nach der Bluttat mehrere Droh-Mails eingegangen, darunter auch eine gegen das Grazer Pestalozzi-Gymnasium gerichtet. Dort seien vor Ort auch Vorkehrungen getroffen worden, heißt es. Allerdings erinnere der Wortlaut der Mails an die Serie von Bombendrohungen, die Österreichs Exekutive schon geraumer Zeit beschäftigen. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit dem Grazer Amoklauf müsse nicht bestehen.
*Anmerkung des Autors: Die Polizei hatte ursprünglich das Alter der jugendlichen Opfer mit „zwischen 15 und 17 Jahren“ angegeben.