In Klagenfurt wurden heute die Preise bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur vergeben. Und der mit 25.000 Euro dotierte Bachmann-Preis geht an die Steirerin Natascha Gangl. Ihr war zuvor auch schon der mit 7.500 Euro dotierte BKS-Publikumspreis zuerkannt worden. Natascha Gangl, die mit großen Abstand die meisten Punkte von den Juroren bekommen hat, studierte Philosophie in Wien und Szenisches Schreiben bei uniT Graz. Sie lebte in Mexiko und Spanien. Gangl schreibt Prosa, Essays und Sprechtexte, entwickelt Musik- Objekt- und Sprechtheater sowie Hörstücke, die auch zu Ereignissen und Ausstellungen werden. In ihrem poetischen Text „der Sta“ verbindet sie Sprache, Identität und Kriegsverbrechen im Grenzgebiet zwischen Österreich, Ungarn und Slowenien. Den Text zum Nachlesen und die Jurydiskussion zum Nachschauen gibt es hier. Die „Ingeborg“ genannte Trophäe kommt nun in die Oststeiermark.
Sie sei jedenfalls „sprachlos“, so die Autorin, für die die letzten Tage mit den Texten der Kolleginnen und Kollegen sehr bewegend gewesen seien. Besonders sei auch, wie widerspenstig die Literatur in Österreich sei, viele würden sich eine offene, vielsprachige Steiermark wünschen. Sie selbst schreibe schon lange nach Gehör, das Hören sei ein wichtiger Teil ihrer schriftstellerischen Arbeit.
Der Deutschlandfunk-Preis
Der Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro) geht an Boris Schumansky. Schumatsky ist freier Autor und veröffentlicht neben seinen Büchern auch Essays und Radiofeatures, zunächst in der „taz“ und im Deutschlandradio, heute unter anderem in der „ZEIT“, der „NZZ“ und der „FAZ“. Sein nächster Roman erscheint 2026 im Residenz Verlag. Den Text zum Nachlesen und die Jurydiskussion zum Nachschauen gibt es hier. Nominiert hat ihn Philipp Tingler.
Kelag-Preis
Der Kelag-Preis (10.000 Euro) geht an Nora Osagiobare. Geboren 1992 in Zürich, studierte sie Literarisches Schreiben in Biel und Wien. Mit ihrem Debütroman »Daily Soap« war sie Stipendiatin der Autor:innenwerkstatt Prosa am Literarischen Colloquium Berlin und erhielt dafür einen Werkbeitrag des Kantons Zürich. Sie lebt in Zürich. Zum Text und der Jurydiskussion geht es hier. Nominiert hat sie Thomas Strässle, der lobt, ihr Text habe alles, was gute Literatur brauche, der Preis sei „mehr als verdient“.
3sat-Preis
Den Anfang macht der 3sat-Preis, dotiert mit 7500 Euro. Und er geht an Almut Tina Schmidt. Geboren 1971 in Göttingen, lebt sie als freie Schriftstellerin in Wien. Sie las auf Einladung von Brigitte Schwens-Harrant. Ihren Text kann man hier nachlesen sowie die Jurydiskussion nachschauen. In ihrer Laudatio lobt sie, wie „gekonnt“ die Autorin aus einem Frauenleben erzählt, es eröffne sich ein sozialer und ethischer Raum.
Festivalschreiberin Carinthischer Sommer
Diesen Preis – ein zweimonatiger Aufenthalt am Ossiacher See sowie 3000 Euro – vergibt der Carinthische Sommer, ausgewählt wurde vom Team rund um Nadja Kayali die Kärntnerin Tara Meister. Tara Meister wuchs in Kärnten auf, studierte Humanmedizin in Wien und aktuell Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt veröffentlichte sie ihren Roman „Proben“ (Residenz). Text und Jurydiskussion finden Sie hier.
Favoritenfeld
Das Feld der Favoriten hat sich mit den Lesungen am Samstag deutlich erweitert: Die Schweizerin Nora Osagiobare heimste einhelliges Jury-Lob ein, für Klaus Kastberger war es gar „ein Siegertext“. Auch der Text der in Wien lebenden Deutschen Almut Tina Schmidt wurde hoch gelobt. Zum Schluss überzeugte der russischstämmige Deutsche Boris Schumatsky, der für Mara Delius den „vermutlich besten Text in diesem Jahr“ schrieb. Im Favoritenkreis der 49. Tage der deutschsprachigen Literatur finden sich nach den drei Lesetagen auch die Steirerin Natascha Gangl mit ihrem poetischen Text „Da Sta“, in dem sie Sprache, Identität und Kriegsverbrechen im Grenzgebiet zwischen Österreich, Ungarn und Slowenien verhandelt, sowie der deutsche Physiker und Autor Thomas Bissinger, der mit „Nilpferd“ einen Auszug aus seinem historischen Romanprojekt „Ehrenfest“ vortrug. Im weiteren Kreis für einen der sechs Preise dürften sich auch Kay Matter mit „Doppelzweier Leichtgewicht“, Nefeli Kavouras mit „Zentaur“ und Sophie Sumburane mit „Sickergrubenblau“ finden.
Neben dem Vorsitzenden Klaus Kastberger finden sich in der Jury wieder Mara Delius, Laura de Weck, Mithu Sanyal, Brigitte Schwens-Harrant, Thomas Strässle und Philipp Tingler.
Die Eröffnung
Eröffnet wurden die 49. Tage der deutschsprachigen Literatur mit der Klagenfurter Rede von Nava Ebrahimi und einem politischen Statement des Juryvorsitzenden Klaus Kastberger, der sich in seinen Eröffnungsworten unter dem Titel „Aus Kostengründen“ betont kritisch mit aktuellen Einsparungen im Kulturbereich auseinandersetzte - so wurde etwa der Klagenfurter Literaturkurs heuer gestrichen, der den literarischen Nachwuchs gefördert hatte.
Das Bachmann-Haus
Am Freitag wurde auch das Bachmann-Haus eröffnet. Das Haus in der Klagenfurter Henselstraße, in dem Ingeborg Bachmann wesentliche Kindheits- und Jugendjahre verbrachte, ist nun ein weiterer Standort des kärnten.museums und ein lebendiger Erinnerungsort, an dem Leben und Werk der Autorin gewürdigt wird.