Gleich mehrere potentielle Siegertexte bot der dritte Lesetag bei diesem schweißtreibenden Literaturmarathon. Begonnen hat er mit der Schweizerin Nora Osagiobare und ihrem Text „Daughter issues“, der von Töchtern und Vätern handelt, aber auch eine schwierige Mutterbeziehung thematisiert. Sie schreibe über „rücksichtslose Frauenfiguren“, sagte die Autorin im Einleitungsvideo. Und sowohl die kokainsüchtige Protagonistin als auch deren Mutter entsprechen diesem Bild, während der Vater ein sensibler Mann ist, der es widerspruchslos erträgt, von seiner Frau betrogen zu werden. „Das ist ein Siegertext“, eröffnete Klaus Kastberger begeistert die Diskussion: Laura de Weck lobte das Talent der Autorin, „innere Zustände der Figuren in Bildsprache zu übersetzen“, Mithu Sanyal die „unglaubliche Wucht“ des Textes. Nur Philipp Tingler bemängelte, dass er sich an überkommene literarische Moden erinnert fühle, weswegen er an „Malen nach Zahlen“ denken müsse.
Bachmann-Preis
Heuer viel Kritikerlob für souveräne Sprachkunst
Eindrucksvolle Texte prägten auch am Schlusstag einen starken Bachmann-Jahrgang
© Johannes Puch