Kulturvereine, die Mitarbeiter beim AMS anmelden, erste Kündigungen (etwa beim Musikforum Viktring), eine Reduzierung der Ausstellungstätigkeit in den städtischen Galerien, das Aussetzen von städtischen Stipendien und Preisen und die drohende Absage der Klagenfurter Literaturkurses: Das Kulturjahr endete mit Hiobsbotschaften für die Kulturmenschen der Landeshauptstadt. Die Lage ist bekannt: Weil Klagenfurt kein Budget hat, tritt die Zwölftelregelung in Kraft, alle Ermessensausgaben – und damit Subventionen für die freie Szene – sind gestrichen.

Das Land Kärnten hat schon bekundet, Klagenfurter Kulturveranstalter bei der Auszahlung von Subventionen vorzuziehen – ob das das Überleben der Vereine sichert, bis die Landeshauptstadt ein Budget hat, wird sich zeigen. Auf Landesebene soll es nur geringe Einschnitte im Kulturbudget geben, veranschlagt sind 29,94 Millionen Euro (heuer 30,75 Millionen). Im Juni startete man auch mit dem ersten Zukunftsforum im Rahmen der Entwicklung einer Kulturstrategie, das Interesse am Thema „Vernetzung und Kooperation“ war mit über 200 Teilnehmenden aus Kultur, Politik oder Verwaltung enorm. Zwei weitere Foren (u.a. zu „Räume der Kunst und Kultur“) folgten, im kommenden Jahr soll es drei weitere Blöcke geben.

Klagenfurter 
Kulturschaffende untermauerten ihre Forderung nach einem Budget. Oben: Tanja Prušnik vor der später abgebauten Installation. Rechts Chin-Chao Lin, ab Herbst Chefdirigent des KSO
Klagenfurter Kulturschaffende untermauerten ihre Forderung nach einem Budget. Oben: Tanja Prušnik vor der später abgebauten Installation. Rechts Chin-Chao Lin, ab Herbst Chefdirigent des KSO © Puch, STK, Katz

Nicht betroffen von den finanziellen Problemen der Landeshauptstadt sind aufgrund von Mehrjahresverträgen das Klagenfurt Festival sowie das Stadttheater. Dessen Intendant Aron Stiehl hatte schon Ende 2023 Alarm geschlagen: Aufgrund der Lohnsteigerungen um 9,15 Prozent für die rund 270 Mitarbeiter klaffte im Budget eine Lücke von rund einer Million Euro. Im April wurde bekannt, dass es im Rahmen des Finanzausgleichs vom Bund zusätzliche 1,39 Millionen Euro für das Haus gibt. Das Stadttheater durfte sich auch über eine Kooperation mit der Volksbank Kärnten freuen, dank der junge Menschen bis 27 gratis ins Theater gehen, sowie einen Musiktheaterpreis in der Kategorie „Uraufführungen“ für die Oper „Hiob“. Im Oktober wurde bekanntgegeben, dass der Taiwanese Chin-Chao Lin ab der kommenden Saison Nicholas Milton als neuer Chefdirigent des Kärntner Sinfonieorchesters nachfolgen wird.

Chin-Chao Lin wurde als neuer Chefdirigent des Kärntner Sinfonieorchesters vorgestellt
Chin-Chao Lin wurde als neuer Chefdirigent des Kärntner Sinfonieorchesters vorgestellt © Stadttheater Klagenfurt

Hervorragend gelaufen ist die erste Saison von Nadja Kayali: Die Intendantin des Carinthischen Sommers konnte mit einem ebenso kulinarischen wie anspruchsvollen Programm die Besucherzahl mit 13.500 Gästen mehr als verdoppeln. Und Angelica Ladurner durfte in ihrer letzten Saison als Prinzipalin des Ensembles Porcia rund 30.000 Besucher begrüßen. Florian Eisner, ihr Nachfolger als Porcia-Intendant, hat bereits einen ersten Akzent gesetzt: Im November wurde der erste „Österreichische Komödienpreis Porcia“ ausgelobt.

Abbau einer Kunstinstallation

Für Wirbel sorgte im September der Abbau einer zweisprachigen Kunstinstallation von Tanja Prušnik, die im Rahmen von CarinthiJa 2020 auf der Draubrücke Lavamünd errichtet worden war. Laut Landeshauptmannstellvertreter Martin Gruber (ÖVP), der für die Brücken zuständig ist, sei man darauf aufmerksam gemacht worden, dass das Landesausstellungsprojekt „seit Jahren der Witterung ausgesetzt“ sei. Deshalb habe man es abgebaut – allerdings ohne die Künstlerin im Vorfeld zu informieren. Landeshauptmann Peter Kaiser ließ die Installation im Museum für Moderne Kunst zwischenlagern.

Schon im August hatten Martin Gruber und sein Parteikollege Sebastian Schuschnig durch einen Auszug aus der Landesregierung gegen die Verleihung des Kärntner Kulturpreises an den Autor Josef Winkler protestiert. Dieser würde Kärnten „ablehnend“ gegenüberstehen, so die Begründung. Die Kulturpreisverleihung vor zwei Wochen geriet dann zu einem starken Plädoyer für die Freiheit der Kunst und – mit Blick auf die Lage in Klagenfurt – die Förderung der Kunstschaffenden.