Grenzen erkennen, Grenzen dehnen, Grenzen überwinden. Das 20-jährige Jubiläum der Partnerschaften zwischen dem Schulverbund Südtiroler Pustertal und Osttirol stand im Zeichen dessen, was Länder und Menschen trennt – vor allem aber, was sie eint und zusammenbringt: „Grenzen – los“, so das Motto. Die Vorsitzende des Schulverbund Pustertal, Maria-Magdalena Kranebitter, unterstrich bei den Feierlichkeiten im Kulturzentrum Grand Hotel Toblach die Bedeutung des Projekts: „Wir brauchen Partnerschaften, damit wir Grenzen auflösen können. Das Herzstück einer Partnerschaft ist, dass wir miteinander reden, dass wir voneinander erfahren und lernen – und dann so oft es geht gemeinsam handeln.“

 Maria-Magdalena Kranebitter ist Vorsitzende des Schulverbund Pustertal in Südtirol
 Maria-Magdalena Kranebitter ist Vorsitzende des Schulverbund Pustertal in Südtirol © André Schmidt

Auch Martin Mayerl, Abgeordneter zum Tiroler Landtag und Bürgermeister von Dölsach, wohnte der Feier, die musikalisch von den gemeinsam spielenden Orchestern sowie von Sängerinnen der Mittelschulen Sillian und Nußdorf-Debant umrahmt wurde, bei: „Partnerschaften können nicht verordnet werden, sie müssen gelebt und von Menschen mit Begeisterung getragen werden.“ Dabei betonte Mayerl die aktuellen Herausforderungen der Jugend, aber auch die Chancen, die sich durch die Partnerschaften ergeben: „Wir waren einmal getrennt. Aber die gemeinsame Kultur, die gemeinsame Geschichte, das gemeinsame Denken lässt sich nicht dauerhaft auseinanderbringen.“

Der Grundstein der Schulpartnerschaften wurde 2003 gelegt

Ihren Ursprung hatte die Schulpartnerschaft bereits im Jahr 2003 als der damalige Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder und der Tristacher Bürgermeister Lois Walder, der 2016 viel zu früh verstarb, die Idee ersannen, die Schul- und Kulturlandschaften der Region Osttirol und des Südtiroler Pustertals wieder zusammenzuführen. Es folgten Treffen der damaligen Schulinspektionsleitungen sowie noch im selben Jahr ein Kennenlernnachmittag, an dem 25 Direktorinnen und Direktoren beider Landesteile und aller Schulformen teilnahmen. Eine Sitzung im Bezirksschulrat Lienz und ein anschließendes Treffen von Lehrpersonen künftiger Partnerschulen markierte im Jahr 2005 den Startschuss.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von gemeinsamen Darbietungen der Orchester der Mittelschulen Sillian und Nußdorf-Debant sowie von Gesangsdarbietungen Südtiroler und Sillianer Schülerinnen
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von gemeinsamen Darbietungen der Orchester der Mittelschulen Sillian und Nußdorf-Debant sowie von Gesangsdarbietungen Südtiroler und Sillianer Schülerinnen © André Schmidt

Die Ziele sind bis heute die gleichen geblieben und beinhalten den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Lehrerinnen und Lehrern, gemeinsame Fortbildungen oder die Entwicklung und Erprobung von Schulmaterialien. Aber auch Klassenpartnerschaften, gegenseitige Schul- und Unterrichtsbesuche sowie gemeinsame Projektarbeiten stehen im Fokus.

Bettina Ellinger, Abteilungsleiterin der Bildungsregion Tirol Ost, hob dabei das Engagement der Lehrpersonen hervor: „Einen herzlichen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen aus den Schulen, die sich immer wieder darum bemühen, dass dieser Austausch regelmäßig stattfinden kann“, so Ellinger. „Da steckt viel Organisation dahinter, Lokalitäten müssen gefunden und Termine koordiniert werden. Und manchmal muss man die Grenze überschreiten – aber in einem positiven Sinne. Das sind wunderbare, nachhaltige Projekte, die den Schülerinnen und Schülern auf ewig in Erinnerung bleiben.“

Auch Bettina Ellinger, Abteilungsleiterin der Bildungsregion Tirol Ost, wohnte den Feierlichkeiten bei
Auch Bettina Ellinger, Abteilungsleiterin der Bildungsregion Tirol Ost, wohnte den Feierlichkeiten bei © André Schmidt

Drei Großprojekte brachten Tausende von Schülerinnen und Schülern zusammen

Viel Aufmerksamkeit erreichten vor allem die drei Großprojekte, an die bei der Feier noch einmal erinnert wurde. Bei „Singmo mitnondo!“ im Jahr 2009 sangen und tanzten 3000 Schülerinnen und Schüler aus Ost- und Südtirol in Toblach miteinander. „Lafmo mitnondo!“ brachte junge Menschen mit Laufveranstaltungen in Bruneck, aber auch in vielen kleinen Dörfern zusammen. Bei „Helfmo mitnondo!“ (2016) trafen sich alleine bei der Abschlussveranstaltung auf dem Lienzer Hauptplatz über tausend Jugendliche, um diesen in einen „Platz des Helfens“ rund um das Thema Erste Hilfe zu verwandeln.

An die Großprojekte der vergangenen 20 Jahre wurde in Toblach gerne zurückgedacht
An die Großprojekte der vergangenen 20 Jahre wurde in Toblach gerne zurückgedacht © André Schmidt

Aber auch Veranstaltungen aus dem vergangenen Jahr ließen die Veranstalter Revue passieren: eine Radtour von Schulen aus Sillian und Toblach zum Gardasee oder das Projekt „Kinder, Kunst und Kulinarik“, das unter anderem in einer Präsentation in Wien mit Sänger Max Raabe gipfelte. Zudem wurden aktuelle Kunstprojekte vor- und im ersten Stock des Kulturzentrums ausgestellt. Bekannte Ost- und Südtiroler Künstler wie Hans Salcher, der das Plakat zum Jubiläum malte, David Pallua, der Lienzer „Kunst-Veteran“ Bernd Hanser sowie Maria Christina Hilber waren zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Partnerschulen daran beteiligt.

Mit abschließenden Worten blickte Schulqualitätsmanagerin Renate Kollnig (Bildungsregion Ost), die zusammen mit Gerd Reichegger, Koordinator des Schulverbund Pustertal, durch das prall gefüllte Programm führte, nach vorne: „Es liegt an uns, diese Partnerschaften weiter zu pflegen und auszubauen, damit auch zukünftige Generationen von den Vorteilen und den Besonderheiten profitieren.“