Endlos durch nur 30 Sekunden lange TikTok-Videos scrollen, dank Instagram das Leben bekannter Influencer idealisieren, mit Freunden via Snapchat oder WhatsApp in Dauerkontakt stehen, Selfies verschicken und Likes verteilen – für die meisten Jugendlichen gehört die Handynutzung zum Alltag. Um dem zur Routine gewordenen Smartphonegebrauch entgegenzuwirken, wurde das österreichweite Handy-Experiment ins Leben gerufen. Ziel ist es, Schüler und Schülerinnen dazu zu motivieren, drei Wochen lang auf ihr Handy zu verzichten. Gemeinsam mit Lehrkräften und Eltern wird getestet, wie schwer es den Jugendlichen fällt, 21 Tage lang von der virtuellen Welt abgeschnitten zu sein und die Bildschirmzeit auf ein Minimum zu reduzieren.

Auch die Mittelschule (MS) Radenthein, die aktuell 186 Schüler und Schülerinnen besuchen, nimmt an dem Experiment teil. Ab heute, Mittwoch, stellen sich insgesamt 106 Jugendliche aus fünf Klassen (1b, 2b, 3b, 4a und 4b) der Aufgabe. 78 von ihnen verzichten auf ihr Smartphone, das von ihren Eltern aufbewahrt wird, 28 bilden eine Kontrollgruppe und kümmern sich um die anonymen Umfragen.

Konzentration, Schlaf und Stimmung

Somit beteiligt sich mehr als die Hälfte der Schülerschaft an dem Projekt. Das Besondere: Die 78 „Testpersonen“ verzichten nicht nur während des Schultages auf ihr Smartphone, sondern entsagen sich diesem rund um die Uhr. Zuhause werden die Geräte von den Eltern sicher verwahrt. „Im Zentrum des Experiments steht keine Kontrolle, sondern Selbstbeobachtung und Reflexion. Wie verändert sich mein Alltag ohne Smartphone? Wie wirkt sich die verringerte Nutzung der sozialen Medien auf Konzentration, Schlaf, Stimmung und Freizeit aus? In mehreren Klassen wurde dieses Thema bereits im Herbst des Vorjahres im Pflichtgegenstand ‚Digitale Grundbildung‘ vorbereitet“, schildert Leitung-Stellvertreterin und Projektleiterin Elisabeth Gaberle.

Die Intention aller Beteiligten sei es, den Jugendlichen die Chance zu bieten, ihre eigenen Gewohnheiten zu erkennen und selbstbestimmter mit den digitalen Medien umzugehen. Es bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse die Jugendlichen aus dem Experiment ziehen und welche Apps und Funktionen sie am meisten vermissen werden. „Es gibt natürlich auch Schüler, die von Anfang an gesagt haben, dass sie nicht teilnehmen werden, weil sie nicht so lange auf ihr Handy verzichten wollen, beziehungsweise können. Auch das war eine erste Erkenntnis für uns. Gleichzeitig gibt es jedoch auch zahlreiche positive Rückmeldungen der Schüler, die sich auf diese Herausforderung freuen und auch schon ihre Eltern für die Idee begeistern konnten“, sagt Gaberle.

Handyfreie Zeit an der MS Lurnfeld

Auch an der MS Lurnfeld – gemeinsam mit der örtlichen Volksschule bildet sie das Bildungszentrum Lurnfeld – steigt die Spannung. 155 Schüler und Schülerinnen besuchen die Schule – 49 von ihnen nehmen an dem Experiment teil. Es ist ein jahrgangsübergreifendes Projekt, an dem sich Jugendliche der ersten bis vierten Klassen beteiligen. Zusätzlich haben sich zehn Teilnehmer bereit erklärt, Teil der Kontrollgruppe zu sein. „Die Schüler sind mit Motivation bei der Sache und sind heute Morgen schon euphorisch mit ihren Handys ins Lehrerzimmer und die Direktion gestürmt. Wir bewahren die Smartphones in einem Safe auf, der während des Experiments auch bei uns bleibt. Die Kinder entsagen sich also auch in ihrer Freizeit dem Handy. Deshalb wurde mit dem Kollegium vereinbart, den Unterricht so zu gestalten, dass das Gerät 21 Tage lang nicht gebraucht wird. Und auch Laptops sollten nur im Bedarfsfall zum Einsatz kommen“, erklärt Leitung-Stellvertreterin Denise Plomenig.

Gemeinsam mit den Projektleiterinnen Michaela Zwischenberger und Michaela Wieser wurden die Teilnehmer vorab auf die handyfreie Zeit vorbereitet. „Wir sind in die Klassen gegangen und haben die Schüler informiert. Sie wissen natürlich, dass die Teilnahme freiwillig ist und sie jederzeit zu uns kommen können, sollten sie Bedenken haben. Zudem gibt es ein wöchentliches Treffen, im Rahmen dessen sie sich über ihre Erfahrungen austauschen können. Es wird besprochen, wie es ihnen damit geht und welche positiven und negativen Erfahrungen sie machen. Das gibt ihnen die Gelegenheit, das Erlebte zu reflektieren und sich gegenseitig zu ermutigen“, so Plomenig weiter. Zudem führen die Jugendlichen ein Tagebuch, um ihre Erfahrungen zu dokumentieren.