„Ehrlich gesagt nutze ich das Handy schon recht viel - für Spotify, TikTok, Snapchat, WhatsApp und Insta. Die drei Wochen ohne Handy zu überstehen wird arg und sehr schwer", sagt Ilena Doler. Aber die Viertklässlerin des BRG/BORG Wolfsberg nimmt die Herausforderung an und beteiligt sich am nächste Woche beginnenden Handy-Experiment.

Mehr als 1300 Schülerinnen und Schüler aus Kärnten wagen ab Mittwoch im Zuge eines wissenschaftlich begleiteten Projekts eine dreiwöchige digitale Auszeit - entweder in der knallharten Variante des Komplett-Entzugs, in der Light-Form mit täglich einer Stunde Bildschirmzeit oder die Handynutzung wird wie gewohnt fortgeführt. Auch diese Schüler sind als Kontrollgruppe wichtig und Teil der Untersuchung.

Die Kleine Zeitung begleitet in den nächsten Wochen das Handyexperiment am BORG Wolfsberg - wie es schon der ORF im Vorjahr im Rahmen einer Dokumentation tat: 69 Oberstufen-Schülerinnen und Schüler am Konrad-Lorenz-Gymnasium in Gänserndorf übten damals den dokumentierten Handyverzicht, 21 von ihnen scheiterten.

„Das Thema ist bei den Klassenvorständen auf fruchtbaren Boden gefallen. Mir war wichtig, dass das eine Lehrkraft in die Hand nimmt und die Schüler betreut“, sagt BORG-Direktorin Sabine Weber. Eva Fischer, Lehrerin für Digitale Grundbildung und Deutsch, übernimmt diese Aufgabe. 42 Schüler der vierten Klassen verzichten auf den ständigen Begleiter, elf nicht.

„Auch die Schüler haben die Doku angeschaut und wir bereiten uns derzeit auf die Handyabgabe am Mittwoch vor. Bus-, Zug- und Stundenpläne, die sonst aus dem Handy abgerufen werden, müssen organisiert werden. Es geht um Kleinigkeiten, wie man beispielsweise die Treffen mit den Eltern plant. Die Schüler sind Feuer und Flamme und guter Dinge, das zu schaffen“, so Fischer. Auch sie verzichtet aufs Handy, hat sich ein Tastentelefon organisiert, um erreichbar zu sein.

Die Schüler gehen das Projekt tatsächlich mit Optimismus an. „Meine Bildschirmzeit ist unter einer Stunde und ich nutze es nicht zum Spielen. Daher werde ich es schaffen“, sagt Alexander Reischl. Hannah Thaler-Friesacher hat sich für die Light-Variante entschieden: „Ich bin zwei, drei Stunden täglich am Handy und würde die Zeit gerne reduzieren.“ Jana Zarfl ist ebenfalls selbstkritisch und sagt: „Es zipft mich manchmal selbst an, dass ich bis zu drei Stunden am Handy hänge. Ich erwarte mir mehr Zeit für andere Dinge.“

Sophia Scharf hat von ihren Eltern nur zehn Minuten tägliche Bildschirmzeit bekommen. „Wecken und Snappen. Das war‘s“, erklärt sie. Dennoch wählte sie den Handyverzicht light. „Zehn Minuten sind zehn Minuten“, lächelt sie.

Was wird den Schülern fehlen? „Am meisten das Musikhören und dass ich beispielsweise beim Laufen die Daten nicht abrufen kann. Außerdem unternehme ich viel in meiner Freizeit und werde von meinen Eltern oder von der Oma geführt. Das zu organisieren, wird schwierig“, blickt Anja Traussnig in die handylose Zukunft. Jakob Dohr erwähnt ebenfalls, dass er beim Autofahren viel Musik hört, das Smartphone aber auch „aus Langeweile oder zum Spielen“ nutzt. „Angst habe ich vor dem Experiment nicht, aber es wird schwierig, es zu schaffen.“

Liam Holzbauer hat sich indes für die Kontrollgruppe entschieden. „Ich bin zwei, drei Stunden täglich am Handy ganz ehrlich: Ganz ohne schaffe ich es wahrscheinlich nicht.“