Handys während der Unterrichtszeit sind an der Mittelschule Liezen schon länger verboten. Vor der ersten Stunde werden sämtliche Telefone ausgeschaltet in einer Lade im Lehrertisch deponiert. Erst nach der letzten Stunde werden sie den Schülerinnen und Schülern wieder ausgehändigt. Jetzt geht man aber noch einen Schritt weiter, zumindest für drei Wochen. Die Schule nimmt am Experiment „Drei Wochen ohne Smartphone“ teil.

Dieses fand letztes Jahr mit drei Klassen eines niederösterreichischen Gymnasiums erstmals statt. Der ORF begleitete die 69 teilnehmenden Jugendlichen, das Ergebnis wurde im Rahmen des Formats „Dok1“ unter dem Titel „Drei Wochen Handy-Entzug“ ausgestrahlt. Von 4. bis 24. März folgt nun Runde zwei, dieses Mal mit Schulen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Mobiltelefone werden an der Liezener Mittelschule während des Unterrichts generell ausgeschaltet in einer Schublade im Lehrertisch aufbewahrt
Mobiltelefone werden an der Liezener Mittelschule während des Unterrichts generell ausgeschaltet in einer Schublade im Lehrertisch aufbewahrt © MS Liezen

Knapp 130 Teilnehmer in Liezen

In der Bezirkshauptstadt wird knapp die Hälfte der 260 Schüler auf ihre digitalen Begleiter verzichten. Genau seien es 128, informiert Sasika Breutmann, die mit der Projektabwicklung betraut ist. 42 weitere nehmen in Kontrollgruppen teil. Sie benutzen ihr Handy ganz normal, füllen aber auch die Fragebögen für die begleitende wissenschaftliche Untersuchung aus.

Insgesamt also 170 Schüler. „Alle 13 Klassen machen mit“, berichtet Direktor Andreas Gasteiner. „Sechs teilweise, sieben zur Gänze, wenn man auch die Kontrollgruppen mitzählt.“ Im Bezirk findet die Aktion beispielsweise auch noch am Gymnasium Stainach statt, steiermarkweit nehmen rund 11.000 Schüler teil. Für die auch heuer geplante ORF-Doku sind sie alle aufgerufen, Material – etwa Videos – zu übermitteln.

Schüler sollen weg von Social Media

Der Grundgedanke hinter dem Experiment sei vor allem, die Jugendlichen weg von Social Media zu bringen, erklärt Lehrerin Breutmann. „Wir beobachten das ja, es ist Schulschluss, die Handys werden wieder ausgegeben und zuallererst werden einmal Snapchat, WhatsApp und TikTok aufgemacht und geschaut, was man versäumt hat. Weil das Handy war ja sechs Schulstunden eingesperrt.“

Der Verzicht auf Social Media werde vielen schwerfallen, glaubt die Projektverantwortliche. Das bestätigen auch zwei, die mitmachen. „Snapchat“, antwortet Daniel auf die Frage, was ihm am meisten fehlen wird, wie aus der Pistole geschossen. Der Schüler aus der 2b-Klasse hat sich zur Teilnahme entschieden, „weil ich wissen möchte, wie die früher ohne Handy ausgekommen sind, ob das überhaupt funktioniert.“

Seine Klassekollegin Helena, genannt Leni, gibt an, dass ihr wohl vor allem das Schreiben mit Freunden per WhatsApp abgehen wird. Ihre Motivation? „Ich möchte wissen, was das mit einem macht, wenn man drei Wochen ohne Handy ist und sich mit anderen Sachen beschäftigen muss.“ Sowohl Leni als auch Daniel sind sich sicher, dass sie die das Experiment durchziehen werden.

Die Ängste der Eltern

Manche Teilnahme habe jedoch nicht die damit verbundene Social-Media-Abstinenz, sondern die Angst der Eltern, ihre Kinder nicht stets erreichen zu können, verhindert, berichtet Breutmann. Etwa jene von Nuria. Die Schülerin aus der 4c erzählt, dass sich ihre Eltern dagegen entschieden hätten. „Ich muss mit meiner Mutter telefonieren können, ich fahr ja mit dem Zug nach Hause und so“, erklärt sie.

Bei jenen, die mitmachen, werden einige das Smartphone aus Gründen der Erreichbarkeit wohl entgegen der Empfehlung, es zuhause zu verwahren, trotzdem mit sich führen, vermutet Gasteiner. „Zwar im Flugmodus, aber eben doch.“ Breutmann ergänzt: „Wir haben tatsächlich auch Schüler, die sich schon Tastenhandys organisiert haben.“

Wie viele ziehen durch?

Die Frage, wie viele die ganzen drei Wochen durchhalten werden, beantworten die beiden weniger optimistisch als ihre Schüler, nämlich mit „50 Prozent“ beziehungsweise „ein Drittel“. Werden die Jugendlichen aus dem Experiment etwas mitnehmen? „Ich glaube schon. Wir hoffen, dass sie umdenken“, sagt der Schulleiter. „Sicher“, meint die Projektverantwortliche.