Wer Sucht liest oder hört, denkt im ersten Moment vielleicht an illegale Substanzen wie Kokain, Heroin oder Cannabis. Doch in der „Negativ-Skala“ ganz oben stehen in Kärnten andere Süchte. Platz 1 belegt Nikotin, den jede fünfte Person im Land konsumiert. „Wir beobachten allerdings, dass Erwachsene inzwischen immer häufiger auf E-Zigaretten und Tabakerhitzer zurückgreifen, Jugendliche rauchen immer weniger, konsumieren dafür aber andere Produkte wie Nikotinbeutel“, sagt Gesundheitslandesrätin Beate Prettner am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz.

Auch die Plätze zwei bis vier belegen legale Süchte: Kaufsucht, Alkohol, Medikamente – wobei diese keineswegs verharmlost werden sollten, auch hier kann es zu weitreichenden und schwerwiegenden Folgen kommen. Obwohl der Alkoholkonsum bei Jugendlichen zurückgeht, gelten 40.000 Kärntnerinnen und Kärntner als alkoholabhängig bzw. legen ein problematisches Konsumverhalten an den Tag. Auf Platz fünf und sieben liegen schließlich Cannabis und Opiate. Bei „Gras“ sei unter Kärntens Jugendlichen ein stärkerer Konsum bemerkbar. Prettner: „Wir wissen nicht, ob es daran liegt, dass wir früh mit Beratung und Begleitung beginnen oder an der Nähe zu Nachbarländern, in denen es mehr Angebote gibt.“ Zudem seien das Internet und im Speziellen das Darknet eine große Herausforderung.

Jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr

Umso wichtiger sei es, dass seit April dieses Jahres das Drogenambulatorium in Klagenfurt einen neuen jugendspezifischen Schwerpunkt anbietet. Jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr steht die neue „Ambulanz für Jugendliche und junge Erwachsene“ allen innerhalb dieser Zielgruppe offen, die Unterstützung bei der Bewältigung von Drogenkonsum benötigen. „Wenn junge Menschen aus Neugier oder um zu einer Gruppe dazuzugehören, Drogen probieren, bleibt es bei manchen bei einem Mal“, sagt Claudia Scheiber, Leiterin der Klagenfurter Drogenambulanz. „Manche machen aber die Erfahrung, dass sie Ängste lindern, Schlafprobleme bekämpfen können, dann führt das zur Selbstmedikation, zum missbräuchlichen Konsum.“ Auch Eltern oder Betreuerinnen und Betreuer in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe seien herzlich willkommen. Das Team besteht aus Experten aus den Bereichen Medizin, Sozialarbeit, Psychotherapie und Psychologie. Scheiber: „Denn oft liegen dem Drogenkonsum psychische Erkrankungen zugrunde.“

Ausbau von Betreuungs- und Beratungsplätzen

Im Vorfeld der Sitzung des Kärntner Suchtbeirates am Montag stellte Prettner zudem aktuelle Entwicklungen in der Suchtprävention und -hilfe vor – mit einem klaren Fokus auf den systematischen Ausbau von Betreuungs- und Beratungsplätzen im Land. Mit der aktuellen Erweiterung der Kapazitäten in den Drogenambulatorien in Klagenfurt und Villach sei ein bedeutender Schritt gesetzt worden: In Klagenfurt steigt die Zahl der Behandlungsplätze von 700 auf 1000, in Villach von 200 auf 400. „Diese Erweiterung geht mit zusätzlichem Personal und räumlichen Anpassungen einher“, so Prettner. Insgesamt stehen in Kärnten damit rund 2320 Behandlungs- und Beratungsplätze zur Verfügung. „Studien zeigen klar: Eine gute Anbindung an das Hilfssystem verhindert nicht nur gesundheitliche Schäden, sondern auch soziale Abstürze wie Langzeitarbeitslosigkeit“, erklärt die Landesrätin.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf neuen Versorgungsmodellen: Seit April 2025 gibt es mit APAK, dem „Ambulanten Programm für Alkoholkranke“, ein Pilotprojekt in Mittelkärnten, das neue Wege in der Versorgung von Menschen mit Alkoholproblematik geht. Es soll eine wohnortnahe, ambulante Therapie ermöglicht werden, bei der die Betroffenen im gewohnten sozialen Umfeld bleiben können. „Das ist besonders wichtig für Berufstätige, junge Frauen und Mütter – Gruppen, die wir bisher nur schwer erreichen konnten“, berichtet Prettner. „Bereits nach zwei Monaten sehen wir, wie gut das Programm angenommen wird.“

Eva Maria Adlmann, Barbara Binter-Geyer, Beate Prettner und Claudia Scheiber (von links)
Eva Maria Adlmann, Barbara Binter-Geyer, Beate Prettner und Claudia Scheiber (von links) © KLZ / Sandra Müllauer

Neue Leiterin

Veränderungen stehen auch in der Unterabteilung „Prävention und Suchtkoordination“ an: Die langjährige Suchtkoordinatorin Barbara Binter-Geyer geht bereits am Dienstag in den Ruhestand. Nachfolgerin wird Eva Maria Adlmann, Leiterin der Unterabteilung, die demnächst den neuen Namen „Sucht und psychosoziale Angelegenheiten“ tragen wird. Binter-Geyer blickt auf die letzten 25 Jahre in der Suchtkoordination zurück. „Besonders stolz macht mich, dass wir heute in Kärnten flächendeckend professionelle Hilfe anbieten können. Und es gelingt zunehmend, die Menschen zu erreichen und ihnen gezielte Unterstützung anzubieten“, betont Binter-Geyer. Adlmann streicht den Bereich Prävention hervor: „Wir setzen bereits im Kinder- und Jugendalter an und bieten eine Vielzahl an wissenschaftlich fundierten Maßnahmen in den Schulen an. Gleichzeitig werden Lehrkräfte geschult, um direkt in den Klassenzimmern suchtpräventiv zu arbeiten.“

Reaktion

Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer merkte an, dass Prävention bereits in einer sehr frühen Phase beginnen muss: „Andere europäische Staaten, wie beispielsweise Island, setzen ganz besonders darauf, Kindern und Jugendliche sinnstiftende Aktivitäten und Freizeitbeschäftigungen anzubieten. Kinder und Jugendliche sollen sich stärker selbst verwirklichen können.“ Es gilt, so Köfer, im Alltag und in der Freizeit etwas zu bieten, was ihnen Spaß macht und sie erfüllt: „So werden Suchtmittel erst gar nicht zu einem Thema oder einer Lösung.“