250.000 Menschen wieder in ArbeitKurzarbeit seit Jahresbeginn deutlich rückläufig

Öffnungsschritte als Ursache: Zwischen Jänner und Juni 2021 kamen österreichweit 250.000 Personen aus der Kurzarbeit wieder in klassische Beschäftigung. Arbeitsminister Kocher erwartet weiteren Rückgang.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Corona: Kurzarbeit seit Jahresbeginn deutlich rückläufig
Corona: Kurzarbeit seit Jahresbeginn deutlich rückläufig © APA/Barbara Gindl
 

Die Öffnungsmaßnahmen haben heuer zwischen Jänner und Juni zu einem deutlichen Rückgang bei den Kurzarbeitszahlen geführt. Das gab das Arbeitsministerium bekannt. Im ersten Halbjahr haben demzufolge mindestens 250.000 Personen aus der Kurzarbeit wieder Beschäftigung gefunden. Für die kommenden Monate sei weiterhin mit einem schrittweisen Rückgang der Kurzarbeit zu rechnen, so Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP).

Im Detail gestalten sich die Zahlen wie folgt: Im Jänner 2021 waren 407.974 Personen in Kurzarbeit, im Februar waren es 397.994, im März 322.939, im April 275.827 und im Mai 224.811. Im Juni wurden bisher 119.367 Menschen in Kurzarbeit gezählt, die Abrechnung sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Das Arbeitsministerium geht davon aus, dass sich die Zahl noch um 10.000 bis 20.000 Personen erhöhen könnte. Somit ergebe sich zwischen Jänner und Juni eine Differenz von zumindest 250.000 Personen weniger in der Kurzarbeit, so das Ministerium.

Rückgang seit März

Die Abrechnungen würden zeigen, dass die Kurzarbeitsnutzung bereits seit Anfang des Jahres schrittweise gesunken sei. Den ersten merklichen Rückgang habe es bereits im März, nach den Öffnungen des Handels und der körpernahen Dienstleistungen, gegeben. Die Öffnungsschritte im Mai hätten die Kurzarbeit vor allem in der Gastronomie und im Tourismus verringert. In der Warenherstellung und im Bau seien die Zahlen heuer generell deutlich niedriger als im vergangenen Jahr. Die Kurzarbeitsnutzung hat sich den Angaben zufolge in allen Bundesländern gleichmäßig verringert und im ersten Halbjahr 2021 mehr als halbiert.

300 Betriebe in der Steiermark arbeiten "kurz"

Für Arbeitsminister Kocher zeigt die Bilanz der Phase 4 der Kurzarbeit (von April bis Juni 2021), dass die Öffnungsschritte "deutlich positive Effekte am Arbeitsmarkt bewirkt haben". Für die nächsten Monate sei weiterhin mit einem schrittweisen Rückgang der Anmeldungen zur Kurzarbeit zu rechnen. "Für das Übergangsmodell ab Juli 2021 bedeutet das, dass die Zahl der tatsächlichen Kurzarbeitenden auf unter 100.000 absinken könnte", erklärte Kocher laut Mitteilung.

In der Steiermark lässt sich dieses Absinken bereits deutlich beobachten. AMS-Chef Karl-Heinz Snobe sprach zuletzt im ORF davon, dass erst knapp 300 Betriebe mit ca. 1000 Arbeitskräften die Phase 5 der Kurzarbeit beantragt hätten. Im ersten Halbjahr griffen noch 6000 Betriebe für in Summe 38.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diese Form der Unterstützung zurück.

156 Betriebe in Kärnten in Kurzarbeit

Auch in Kärnten sinkt die Zahl der Betriebe in Kurzarbeit in der Phase 5 deutlich. Aktuell haben laut dem Kärntner AMS-Chef Peter Wedenig 156 Betriebe mit 905 Mitarbeitern Kurzarbeit beantragt. Im Vergleich dazu waren es in der Phase 4 bis Ende Juni mit 2700 Betrieben und rund 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch deutlich mehr. Welche Betriebe in Kärnten sind trotz anziehender Wirtschaft noch in Kurzarbeit? "Einzelne Handels- und Dienstleistungsbetriebe, aber auch zum Teil Tourismusbetriebe, die sich beispielsweise auf Seminare oder Reisegruppen spezialisiert haben, und bei welchen das Geschäft noch nicht so angezogen hat", sagt Wedenig. Es sei deshalb "gut, dass es dieses Modell noch gibt".

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) sieht in dem deutlichen Rückgang der Kurzarbeit "ein sehr starkes Zeichen für die wirtschaftliche Erholung der Betriebe" sei. "Es besteht aber immer noch Bedarf in verschiedenen Branchen etwa in der Luftfahrt, der Stadthotellerie oder der Industrie etwa wegen unterbrochener Lieferketten. Österreichs Betriebe seien zurück am Weg zur Normalität und die Kurzarbeit habe sich bestens bewährt, um Mitarbeiter während der für die Betriebe so schwierigen Lockdownphasen zu halten und damit Betrieben wie Mitarbeitern eine Perspektive für die Zeit danach zu geben", so die WKÖ.

Nach Ansicht von NEOS-Sozial- und Wirtschaftssprecher Gerald Loacker hat die Regierung den richtigen Zeitpunkt zum Auslaufenlassen der Kurzarbeit verpasst. "Das Modell der Kurzarbeit hatte seine Richtigkeit, gerade am Anfang der Covid-Krise und während der Lockdowns", sagte Loacker in einer Aussendung. Jetzt erweise sie sich aber gerade im Tourismus und im Handel als "Bremsblock für Arbeitsplätze und Konjunktur". In der Hotellerie würden in den Bundesländern dringend Arbeitskräfte gesucht, während in der Stadthotellerie Menschen noch in Kurzarbeit seien. Loacker verlangt von Minister Kocher deshalb, die Kurzarbeit auslaufen zu lassen.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!