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Adler insolventPleitewelle im Modehandel: Nun rächen sich alte Schwächen

Im Modehandel rollt die Pleitewelle. Nun kämpft Adler ums Überleben. Corona ist Beschleuniger, aber nicht Ursache. Großpleiten in der Branche gab es schon vor der Pandemie. Eine Analyse.

++ THEMENBILD ++ CORONA : MODEKETTE ADLER STELLT INSOLVENZANTRAG
"Alles passt", wirbt Adler. Die deutsche Muttergesellschaft ist insolvent © APA/BARBARA GINDL
 

Er glaube fest daran, Adler zu alter Stärke zurückführen zu können, sagte Thomas Freude im Sommer 2018. Es war kein gutes Jahr für den Modehandel und für Adler. 1948 gegründet, war das Unternehmen zu einem der größten Textileinzelhändler in Deutschland geworden, schlitterte aber wie viele eingesessene Modeketten unter zunehmendem Onlinedruck und eigenen Versäumnissen in die Krise. Umsatz und Gewinn schrumpften und Adler-Chef Freude versuchte einen Neustart: Er sperrte unrentable Geschäfte zu und richtete den Fokus wieder einzig auf die ursprüngliche Zielgruppe – der wachsenden und kaufkräftigen Alterskohorte 55 plus.

Kommentare (7)
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melahide
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Ich

Bin sowieso kein Freund dieser Gross-Konzern-Struktur. Früher gab es Textilläden „an der Ecke“ wo zumeist eine geschulte Verkäuferin da war bzw due Ladenvesitzerin selbst. Die auf Wünsche der Kunden eingehen konnte. Wir sind fleißig zu den Konzernen gelaufen. Jetzt beschweren sich gerade ältere Menschen oft, dass es die kleinen Läden nicht mehr gibt. Wegen Service und so.

Das haben wir auch bei Elektronik. Beim Familienbetrieb war es „Teil des Service“ das man den neuen Fernseher lieferte, aufbaute, anschloss und ausführlich erklärte...

Bei Media Markt druckt man dir das Teil in die Hand und du kannst selber schauen wie du mit Kabeln/Sendersuchlauf usw klar kommst ...

Ich versuche vieles wieder „klein“ zu kaufen. Man kann fragen, man bekommt Tipps, regionale Arbeitsplätze erhalte ich auch ...

P.s.: In Graz hab es lange eine Dame die Hemden nähte. War zwar teurer, dafür massgefertigt und von guter Qualität, dass es mehrere Jahre hielt. Die ist leider auch schon in Pension ...

WASGIBTSNEUES
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Würde hier den Modehandel und

diese Art von billigst Konzernen nicht ins gleich Boot nehmen. Adler, Primark und Konsortien sind dafür verantwortlich das kleine, lokale Modehändler gestorben sind. Mit Ihren Billigstmarken, hergestellt in asiatischen Länder ohne Rücksicht auf Menschenrechte, Umwelt etc. ist es kein Schaden wenn diesen Läden verschwinden.

notokey
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Mittlerweile

nutzen auch die Luxuslabels die Kostenvorteile durch Produktion in Billiglohn-Ländern. Auch teure Markenware ist ganz selten noch in Europa erzeugt. Die Gewinne der Luxuslabels sind z.T. ganz ordentlich gestiegen.

Adler und Primark sind nur in 2. Linie schuld, dass viele Kleine schließen müssen. In erster Linie sind es die vielen neuen, großen Geschäfte, die auf der Grünen Wiese eröffnet wurden, die dann die Kaufkraft von den kleinen, regionalen Händlern abgezogen haben.

Trieblhe
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@wasgibtsneues

Da haben Sie vollkommen Recht, Problem ist nur, auch viele der herkömmlichen Markenkonzerne lassen dort produzieren. Für europäische Ware müssen’s das Geldtascherl weit aufmachen. Mir ist’s das auch wert, viele können das aber nicht, das ist klar.

WASGIBTSNEUES
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Stimmt schon

das auch Luxuslabels dort produzieren, aber die € 5,00 T-shirts und die Masse wird von diesen Billigläden dort geordert.
Zu Notokey - ja die großen Geschäfte auf der grünen Wiesen stimmen schon, aber wer sind diese? Adler, NKT und wie sie alle heissen.
Schuld am sterben der lokalen Händler ist die Geiz-ist-Geil Mode und das wir verlernt haben darüber nachzudenken ob 10x im Jahr neue Wäsche wirklich notwendig sind.

notokey
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Jede Bestellung im Internet

hat zur Folge, dass Arbeitsplätze "irgendwohin" verlagert werden können. Auch regionale Betriebe kooperieren mit nationalen und/oder internationalen Dienstleistern im Rahmen von Online-Shops. Die Folge davon ist, dass Arbeitsplätze vor Ort gestrichen werden (können). Wird spannend, ob das die Gewerkschaft irgendwann aufgreift.

Das letzte Jahr sollte dem letzten Globalisierungsfan klar gemacht haben, dass der Online-Handel keinen relevanten Beitrag für die Staatskasse leistet. Auch die hohe Arbeitslosigkeit zeigt, dass der Fokus auf E-Commerce Arbeitsplätze vernichtet oder verlagert, neue aber nicht dort schafft, wo sie zuvor reduziert worden sind.

Man darf gespannt sein, ob der neue Fachminister wirklich daran arbeiten (darf), dass REALE Arbeitsplätze im unmittelbaren Lebensumfeld von uns Österreicherinnen und Österreichern erhalten werden und nicht die ganze Wertschöpfung an unseren Konsumausgaben in Zukunft Stück für Stück abwandern darf.

Größte Wertschätzung für Österreichs Industrie, die viele Menschen beschäftigt, aber ohne den stationären Handel sähe unser Lebensumfeld ganz schön traurig aus. Das thema hat auch einen stark unterschätzten sozialen Effekt, der nicht beachtet wird.

GordonKelz
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Eine Kunst bei diesen Fetzen....

...die in Hungerländern "umsonst " hergestellt werden um bei uns teuer verkauft zu werden!
Gordon