Auf dem Gösser-Areal in Spittal tut sich wieder etwas. Wo jahrelang Stillstand, Brandruine und Debatten das Bild prägten, rollen nun Bagger. Ein weiteres Unteroffiziershaus beim ehemaligen Gösserbräu wird derzeit abgerissen. Staub liegt in der Luft, Mauern fallen, und erstmals seit Jahren ist wieder sichtbare Bewegung auf dem rund 16.000 Quadratmeter großen Gelände an der Stadteinfahrt, wo sich einst das traditionelle Wirtshaus Gösserbräu befand. „Das Offiziershaus kommt weg“, bestätigt Andreas Messner, Geschäftsführer der MiD Bau. Der aktuelle Abriss ist eine „Bauvorbereitung“. Mehr nicht – aber auch nicht weniger. Denn damit wird das Areal für den nächsten Schritt freigemacht.

Einreichung steht bevor

Konkret plant der Klagenfurter Investor nun die Einreichung zur Baugenehmigung. „An den Plänen hat sich nichts geändert“, so Messner weiter. Gemeint ist nach wie vor ein gemischt genutztes Stadtquartier mit Handel, Dienstleistung und Wohnen. Geplant und vorgestellt wurde im Jahr 2021 ein Lebensmittelmarkt, fünf weitere Geschäftsflächen sowie ein Gastronomiebetrieb im Erdgeschoß. In den Obergeschoßen sollen 30 bis 40 Wohnungen – vor allem mit Größen zwischen 50 und 80 Quadratmetern – entstehen, ergänzt durch Arztpraxen und Büros.

Gösser-Areal: So soll sich Spittal östlich der Fachhochschule präsentieren, diese Visualisierung wurde 2021 präsentiert
Gösser-Areal: So soll sich Spittal östlich der Fachhochschule präsentieren, diese Visualisierung wurde 2021 präsentiert © KK/Arge Okai Stefan Thalhammer

Auch eine öffentliche Tiefgarage mit rund 200 Stellplätzen ist vorgesehen. Sie soll Besucher dazu animieren, ihr Auto abzustellen und zu Fuß in die Innenstadt zu gehen. Vorgesehen sind außerdem begrünte Dächer, zahlreiche Baumpflanzungen und eine fußgänger- sowie radfahrerfreundliche Verkehrslösung mit besserer Anbindung Richtung Fachhochschule und Zentrum. Einen genauen Termin für die Einreichung nennt Messner noch nicht, doch die Richtung ist klar: Sobald die Gebäude abgetragen sind, soll eingereicht werden. „Im September hoffen wir, dass wir mit dem Bau starten können“, sagt er mit Blick auf den Baubeginn.

Ein Areal mit bewegter Vergangenheit

Die Entwicklung des Areals beschäftigt die Stadtgemeinde bereits seit fast einem Jahrzehnt. Im September 2016 stellte die MID Bau GmbH erstmals ihre Pläne im Ausschuss für Verkehr, Raumplanung und Stadtentwicklung vor. Der Planungsraum umfasste nicht nur das Gösserbräu samt Parkplatz, sondern auch die Unteroffiziershäuser sowie angrenzende Flächen bis zur Prof.-Prasch-Straße. Vorgesehen war schon damals eine zweigeschoßige Verbauung mit Tiefgarage, Geschäftsflächen im Erdgeschoß und – aufgrund der Nähe zur Fachhochschule – Wohnungen in den Obergeschoßen.

Zeitgleich wurde deutlich, dass es ohne umfassende Abstimmungen nicht gehen würde. Eigentumsverhältnisse mussten geprüft, ein Masterplan erarbeitet und Fragen zu Verkehr, Bebauung und Grünraum geklärt werden. Vertreter der Stadt betonten, dass keine Anrainer zum Verkauf gedrängt würden und Großprojekte nur unter Einbindung aller Interessen entstehen sollten. Während planerisch gearbeitet wurde, verfiel das Areal zunehmend. Nach der Schließung des Gasthauses 2016 häuften sich Beschwerden über Müllablagerungen und Verwahrlosung. 2017 sorgte die Fällung der bis zu 150 Jahre alten Kastanienbäume im historischen Gastgarten für öffentliche Diskussionen.

Der einschneidendste Moment folgte im Jänner 2020: Das leerstehende Gösserbräu brannte bis auf die Grundmauern nieder. Rund 200 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Die Ermittlungen ergaben Brandstiftung, ein 19-Jähriger wurde als Täter ausgeforscht. Damit verschwand eines der ältesten Wirtshäuser der Stadt endgültig aus dem Stadtbild.

Vom Wirtshaus zum Stadtquartier

In den darauffolgenden Jahren wurde die Brandruine abgetragen, ein Architekturwettbewerb mit zehn Büros durchgeführt und das Siegerprojekt präsentiert. Das Areal sollte zum „Einfahrtstor zur Innenstadt“ werden, die erste Baustufe wurde mit bis zu 30 Millionen Euro beziffert. Mehrfach wurde ein Baustart angekündigt – zunächst 2022, später 2024 –, doch immer wieder kam es zu Verschiebungen. Dass sich das Projekt mehrfach verzögert hat, liegt laut Messner „an verschiedensten Gründen“. Ursprünglich hätte man früher beginnen wollen, doch die Umsetzung verschob sich. Nun aber deutet vieles darauf hin, dass in diesem Jahr tatsächlich Bewegung in das Großprojekt kommt.