„Ich wollte immer schon für meinen Sohn eine Firma aufbauen“, erzählt Ferat Ay und fügt hinzu: „Und ich wollte immer schon mein eigenes Autohaus besitzen.“ Nun, mit 51 Jahren, erfüllt er sich seinen Traum. Ende 2025 hat Ay nach fast 36 Jahren bei „Mazda Grundnig“ in Wolfsberg aufgehört zu arbeiten, 22 Jahre lang hat er sogar im Wohnbereich des Autohauses gewohnt. Im Autohaus Grundnig hat er einst als Technikerlehrling begonnen, wechselte noch in der Lehrzeit in den Verkauf und hat schon nach kurzer Zeit zusammen mit Johann Fromm die Firma geleitet. Fromm als Geschäftsführer, Ay als Verkaufsleiter.
„Ich habe die Firma im guten Einvernehmen verlassen und bin Johann Fromm und Autohaus-Gründer Hubert Grundnig sehr dankbar. Denn alles, was ich gelernt habe, haben mir die beiden beigebracht“, sagt Ferat Ay, dessen Sohn Cemal (24) in seine Fußstapfen trat. Er hat ebenfalls bei „Mazda Grundnig“ eine Lehre als Techniker absolviert und ist nun im Verkauf tätig. Aber nicht mehr lange: Ende März wird auch Cemal Ay das 1986 gegründete Autohaus verlassen.
5000 Quadratmeter Grund
Danach wird sich das Vater-Sohn-Gespann voll und ganz auf sein neues Projekt konzentrieren: Das „Autohaus Ay“, das sie gemeinsam leiten werden. Dafür wurde ein über 5000 Quadratmeter großes Grundstück in Zellach – nördlich der Baumschule Ruthofer – gekauft. Um Platz für das Autohaus zu schaffen, wird der alte Stadl (ein alter Vieh- beziehungsweise Heu-Stadl der Johann-Offner-Unternehmensgruppe) demnächst abgerissen und ein moderner Bau mit großer Glasfassade errichtet.
„Ich bin dort gleich daneben aufgewachsen. Mein Papa Cemal Ay ist 1973 von der Türkei nach Wolfsberg gekommen, als Österreich aktiv um türkische Gastarbeiter geworben hat. Ich bin 1974 in der Türkei geboren und 1975 hat unser Vater die ganze Familie zu sich nach Wolfsberg geholt. Wir haben neben dem Offner-Stadl, der mindestens 150 Jahre alt ist, in einem kleinen Häuschen gewohnt“, schwelgt Ferat Ay in Kindheitserinnerungen: „Mein Papa hat zweischichtig gearbeitet: In der Offner-Werkzeugindustrie und nachmittags bei der Baumschule Ruthofer. Bis ich 18 war, haben wir dort gewohnt. Inzwischen gibt es das Häuschen nicht mehr.“
Beim Erzählen wird er auch ein wenig wehmütig: „Mein geliebter Papa ist im Juni 2025 im Alter von 79 Jahren gestorben. Er war mir der liebste Mensch, ich habe jede Entscheidung mit ihm gemeinsam getroffen. Ich bin meinem Papa unendlich dankbar, dass er uns damals die Gelegenheit geboten hat, von der Türkei nach Wolfsberg zu kommen und finde es schade, dass er unser eigenes Autohaus nicht mehr erleben kann.“
1,275 Millionen werden investiert
Anfang März wird mit dem Abriss des Stadls begonnen, frühestens im Mai ist aufgrund der Behördenverfahren mit dem Baustart zu rechnen. Der Wolfsberger Architekt Heinz Petschenig, der das „Autohaus Ay“ geplant hat, rechnet mit einer Bauzeit von acht bis zehn Monaten. Verbaut wird übrigens nur die Hälfte der gut 5000 Quadratmeter. Was mit dem Rest passieren wird? „Das lassen wir uns noch offen“, sagt Ferat Ay, der das Investitionsvolumen mit rund 1,275 Millionen Euro beziffert.
Welche Automarke er anbieten wird? „Derzeit habe ich noch keine. Der Automarkt wird sich in den nächsten ein, zwei Jahren brutal verändern, alleine heuer kommen noch acht Marken auf den Markt. Nachdem die Chinesen jetzt eine gute Qualität haben und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis mit mehrjähriger Garantie, bin ich gegenüber einer chinesischen Marke nicht abgeneigt“, antwortet Ay. In der Werkstätte werden laut dem künftigen Autohausbesitzer Reparaturen für alle Automarken angeboten, „und wir werden auch attraktive Gebrauchtwagen haben, nachdem ich ein gutes Einvernehmen mit sämtlichen Banken habe und dadurch Autos günstiger kriege, als am Markt. Beispielsweise Leasing-Rückläufer“.