Ob nun aus reinen Kostengründen oder auch mit dem Gedanken, sich unabhängiger von Energieversorgern zu machen – kärntenweit gibt es regen Zulauf zu sogenannten Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaften. Zahlen der E-Control zeigen, dass sich deren Zahl mit mehr als 600 in zwei Jahren mehr als verdreifacht hat.

Diese können auch in Form einer Genossenschaft (EEG) organisiert sein, was die Raiffeisen Landesbank Kärnten seit 2024 unterstützt. „Seit Anfang Mai stehen 37 Energiegenossenschaften im Firmenbuch. Wir sind damit vom Lesachtal bis ins Lavanttal vertreten“, schildert Nachhaltigkeitsmanager Wolfgang Saiwald. Schon bald werden es über 50 sein.

Möglichkeit, Netzkosten zu senken

Vierteljährlich werden die Preise für alle EEG in einem Komitee festgelegt: Für abgenommenen Strom wird aktuell ein Einspeisepreis von 9,35 Cent pro Kilowattstunde gezahlt. Inklusive Steuer und abzüglich der Vergünstigung, die jährlich über den Netzbetreiber abgerechnet wird, kostet die Kilowattstunde 8,78 Cent. Vergütung und Stromrechnung gibt es monatlich. Da der Strom je nach Verfügbarkeit verteilt wird, sind Teilnehmer weiterhin auf einen Energieversorger angewiesen. Voraussetzung ist ein Smart-Meter.

Der Zustrom von Mitgliedern, die, anders als manche vermuten, nicht Kunden der jeweiligen Genossenschaftsbank sein müssen, in Zahlen: Pro Woche erhalte man in Summe 50 bis 100 neue Anträge. Aktuell halte man bei rund 2100 Zählpunkten, über die Private, Landwirte, Firmen, aber auch Betreiber von Wasserkraftwerken oder Gemeinden Energie einspeisen und oder voneinander beziehen. Der Vorteil: Da der Strom im Umfeld des Umspannwerks auf der gleichen Netzebene fließt, spart man sich Netzkosten und Abgaben.

Nachhaltigkeitsmanager Wolfgang Saiwald und RLB-Vorstandsdirektor Gert Spanz (rechts)
Nachhaltigkeitsmanager Wolfgang Saiwald und RLB-Vorstandsdirektor Gert Spanz (rechts) © RLB Kärnten

„Energie bleibt in der Region“

Gert Spanz, Vorstandsdirektor Raiffeisen Landesbank Kärnten, rechnet mit noch mehr Zuspruch: „Das Potenzial ist weiterhin sehr groß. Im Gegensatz zur herkömmlichen Einspeisung, bei der Strom zu niedrigen Preisen verkauft und später teuer zurückgekauft wird, bleibt in der Energiegemeinschaft die Energie in der Region.“ Wegen jährlich steigender Netzkosten und Abgaben, die sämtliche Haushalte spürbar belasten, seien Energiegenossenschaften eine zukunftsweisende und wirtschaftlich sinnvolle Alternative.

Zuletzt kam es unter anderem in Mittelkärnten sowie im unteren Gail- und Drautal zu neuen Gründungen. „Weiße Flecken gibt es noch im Mölltal, oberen Drautal, rund um Gmünd und in ganz Klagenfurt“, so Saiwald. In den bestehenden EEG suche man eher zusätzliche Abnehmer, damit der Überschuss nicht in höhere Netzebenen geht und von OeMAG und Co. vergütet werden.