Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch der Tag Donald Trumps, „von Gott geschützt, um Amerika wieder groß zu machen“ (Trump über Trump), nur 24 Stunden hat. Dementsprechend geriet das Maßnahmenbündel, das der 78-Jährige für Tag Eins seiner abermaligen Präsidentschaft versprach, vielleicht doch etwas zu groß. So wollte Trump etwa am ersten Amtstag Zölle gegen Kanada und Mexiko verhängen, in Höhe von bis zu 25 Prozent.
Davon nahm Mr. President vorerst Abstand. „Ich denke, wir werden es am 1. Februar tun“, heißt es nun vom Mann im Weißen Haus, nachdem kurz zuvor Meldungen die Runde machten, Trump wolle sich zunächst einmal die Handelsbeziehungen genauer erklären lassen. Möglicherweise ein Vorgeschmack auf viele Unvorhersehbarkeiten, die anstehen. So markant die Ansagen Trumps waren – versprochen wurden ja nicht nur rigide Zölle, sondern auch umfassende Deregulierung und Steuersenkungen in den USA –, so unsicher ist die Realisierbarkeit.
Wirtschaftspolitik als „Blackbox“
Faktisch sei die Wirtschaftspolitik Donald Trumps, zumindest in Bezug auf Protektionismus und Zölle, zum Status Quo „eine Blackbox“, erklärt Wifo-Chef Gabriel Felbermayr im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. „Klar“ sei aber, „dass höhere Zölle für das exportorientierte Österreich nicht gut wären“. In den eigenen Konjunkturprognosen hätte man beim Wifo bereits entsprechende Schritte Trumps eingepreist. „Aber keine Extremszenarien wie einen brutalen und sofortigen Zollanstieg ab Anfang Februar“, ergänzt Felbermayr. In Deutschland, so schätzt es zumindest das Kieler Institut für Weltwirtschaft, könnten die Exporte in die USA langfristig um zehn bis 15 Prozent zurückgehen, wenn Trump die Zölle großflächig auf zehn Prozent erhöht. Das wiederum würde beim in der Rezession gefangenen Nachbarn abermals Wirtschaftswachstum in Höhe von 0,3 Prozent des BIP vernichten.
Forciert Trump tatsächlich die vehemente Abschottung gegenüber China – hier sprach der Republikaner stets von Zöllen von bis zu 60 Prozent –, könnte das für Europa zudem markante indirekte Effekte haben. Primär, weil dann wohl umso mehr chinesische Produkte hier ihre Absatzmärkte suchen und Preisniveaus in Folge gehörig durcheinanderwirbeln könnten. Verlangsamen die US-Zölle zugleich Chinas Wachstum, könnte das wiederum zum Problem für europäische Exportgüter in China werden, weil dort die Nachfrage sinkt.
Dass die Wirtschaftspolitik vom US-Präsidenten direkte Auswirkungen auf die Kärntner Wirtschaft haben kann, hat sich bereits in der ersten Amtszeit von Donald Trump gezeigt. Damals ist in dem Konflikt um Subventionen für die Konzerne Boeing und Airbus zu einem Handelsstreit zwischen den USA und der EU gekommen. Gegenseitige Strafzölle waren die Folge.
„Bis zu dem Zeitpunkt waren die USA unter den Top fünf der Exportmärkte für Kärntner Unternehmen, dann nicht einmal mehr unter den Top zehn“, erinnert sich Hemma Kircher-Schneider, Leiterin der Außenwirtschaft in der Wirtschaftskammer Kärnten. Nach der Pandemie konnten viele heimische Betriebe gute Exportsteigerungen in anderen Märkten erzielen und an das Vor-Corona-Niveau anknüpfen, während das Geschäft mit den USA stagnierte. Erst nach dem Amtsantritt von Joe Biden als 46. US-Präsident gab es wieder satte Zuwachsraten im Export. Von 2021 auf 2022 waren es 45 Prozent und von 2022 auf 2023 noch einmal 21 Prozent. Nun sei es durchaus möglich, dass es unter Trump erneut zu einem deutlichen Export-Knick kommt.
Österreichweit ist Amerika sogar noch wichtiger für die heimische Wirtschaft. „Nach Deutschland sind die USA der zweitwichtigste Exportmarkt für österreichische Unternehmen“, betont Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung. Würde Trump seine Ankündigungen umsetzen, könnte durch „America first ein enormer Druck entstehen“, ist sie überzeugt. Mischensky betont: „Trumps Ankündigungen muss man als Weckruf und Aufruf verstehen. Österreich muss seine eigene Wettbewerbsfähigkeit steigern, aber auch eine gute Gesprächsbasis zu den USA aufbauen und positiv auf die US-Regierung zugehen.“ Darüber hinaus sei wichtig, sich breit aufzustellen und für andere Handelspartner wie Indien, Mexiko und Mercosur-Staaten zu forcieren.
Infineon: „Reihe von Maßnahmen ergriffen“
Die heimischen Firmen verfolgen jedenfalls derzeit besonders genau, die Geschehnisse in den USA. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt auf Anfrage Halbleiterhersteller Infineon: „Infineon verfügt grundsätzlich über ein effizientes und breit aufgestelltes Produktions- und Vertriebsnetz. Wir halten alle geltenden rechtlichen Anforderungen, Gesetze und Vorschriften in allen Märkten ein, in denen wir tätig sind. Wir haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um mögliche Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen in unseren jeweiligen Märkten zu überwachen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine Spekulationen über künftige politische Maßnahmen, einschließlich Handelsmaßnahmen, anstellen können.“
Zur zweiten Amtszeit von Donald Trump sei man „neutral eingestellt“, heißt es aus der Wietersdorfer Unternehmensgruppe, die seit über 30 Jahren einen Produktionsstandort in den USA hat und mit den verschiedenen Geschäftsfeldern weltweit tätig ist. „Dadurch haben wir eine höhere Resilienz als Kärntner Unternehmen, die sich auf das Exportgeschäft mit den USA konzentriert haben“, sagt Geschäftsführer Michael Junghans.
Ebenfalls, wenn auch kürzer in den USA vertreten, ist die Kostwein Gruppe, die vor drei Jahren in Greenville (South Carolina) einen neuen Maschinenbau-Standort gegründet hat. Hans Kostwein, Geschäftsführer der Kostwein Gruppe, sagt: „Es ist 2024 gelungen, den Umsatzrückgang gering zu halten. Der Forecast für heuer ist ähnlich, wobei es für die gesamte Industrie noch wie Glaskugel lesen ist. Extrem wichtig wird sein, wie sich Deutschland entwickelt. Bewährt hat sich für uns die Diversifikation in den USA, Indien und auch Kroatien. In Österreich ist es durch die Lohnkostenentwicklung nämlich immer schwieriger, konkurrenzfähig zu bleiben.“ Wie in Kärnten sind in den USA Montage sowie Produktion angesiedelt.