Die Konjunkturflaute und die schwächelnde Industrie haben den Rückgang schon erwarten lassen. Und tatsächlich hat Kärnten im ersten Halbjahr 2024 um 4,6 Prozent weniger exportiert. Das Volumen ist laut Statistik Austria in diesem Zeitraum auf 4,7 Milliarden Euro zurückgegangen.
Weil jedoch die Importe fast doppelt so stark um 9,2 Prozent auf vier Milliarden Euro gesunken sind, ergibt sich dennoch ein Außenhandelsbilanzüberschuss von fast 770 Millionen Euro. Kärnten ist damit (im ersten Halbjahr 2024) neben Oberösterreich, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg eines von nur fünf Bundesländern mit einer positiven Außenhandelsbilanz. Sie gelte als „Wohlstandssäule“ für Kärnten, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl. Und die Leiterin der Außenwirtschaft, Hemma Kircher-Schneider, ergänzt: „Nach Gewicht betrachtet, hat sich die exportierte Menge aus Kärnten sogar um 7,7 gesteigert. Das deutet auf eine gute Nachfrage hin.“
Exportoffensive wird verstärkt
Laut ÖVP-Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig ist der Handelsbilanzüberschuss „auch ein Ergebnis der Exportoffensive, mit der das Land und die Wirtschaftskammer Kärnten jährlich eine Million Euro investieren.“ Die Maßnahme soll daher verstärkt werden.
Deutschland ist mit fast 30 Prozent bzw. einem Volumen von 1,37 Milliarden Euro Kärntens wichtigster Handelspartner. Allerdings sind die Exporte dorthin um mehr als sechs Prozent zurückgegangen. Dahinter folgt neuerdings China, wohin elf Prozent der Kärntner Exporte geliefert wurden - der Warenwert hat sich damit mehr als verdoppelt. An dritter Stelle folgt Italien mit einem Anteil von zehn Prozent. Somit geht die Hälfte aller Exporte von Kärntens Unternehmen in diese drei Länder.
Exportzuwachs in Mexiko, -rückgang in Taiwan
Slowenien und die USA bleiben wichtige Exportländer für Kärnten. Exportzuwächse erzielte Kärnten in Mexiko (plus 95 Prozent), Singapur (plus 41 Prozent) und Russland (plus 14 Prozent). Deutlich weniger exportiert hat Kärnten nach Taiwan (minus 53 Prozent), Schweden (minus 36 Prozent), Indonesien (minus 35 Prozent), Südkorea (minus 30 Prozent) und Portugal (minus 29 Prozent. Auch Exporte in die Schweiz, nach Frankreich und Ungarn sind deutlich weniger geworden. Der Anteil der Kärntner Exporte in EU-Länder geht von 70 auf 65 Prozent zurück.
Maschinen als wichtiges Exportgut
Die wichtigsten Exportgüter Kärntens sind nach wie vor Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, die um 7,5 Prozent zulegten. Der Export anderer Warengruppen ging hingegen stark zurück: Eisen und Stahl um 17 Prozent, Papier und Pappe um 23 Prozent, Fleisch um 40 Prozent.
Vor allem der Blick nach Deutschland, Kärntens wichtigstem Handelspartner, bereitet für die kommenden Jahre Sorge. Schuschnig hat daher am kommenden Donnerstag einen Exportgipfel einberufen, um mit der Wirtschaft ein „Exportpaket“ für die nächsten Jahre zu erarbeiten. Es gelte, die Märkte zu diversifizieren. Mandl sagt: „Handelsabkommen wie das Mercosur-Abkommen könnten sich für Kärnten positiv auf die Erschließung neuer Märkte auswirken.“