FPÖ gewinnt in Feldbach und Bad Gleichenberg dazu
In der Bezirkshauptstadt ist die ÖVP mit einem Ergebnis von 60,06 Prozent zwar Wahlsiegerin (Verlust von -3,58 Prozentpunkten), verliert aber ein Mandat. Die Absolute geht sich aus, die Zweidrittelmehrheit ist aber passé. Die eigentliche Gewinnerin ist die FPÖ mit Zugewinnen von mehr als neun Prozentpunkten und einem Ergebnis von 22,23 Prozent. Verloren haben SPÖ, Grüne und KPÖ.
In Bad Gleichenberg hingegen hat die ÖVP mit einem Minus von 1,31 Prozentpunkten und einem Ergebnis von 47,85 Prozent die Absolute „um zwei Stimmen beziehungsweise circa einen Prozentpunkt“ verfehlt, wie Bürgermeister Michael Karl erzählt. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Die FPÖ gewinnt knapp 23 Prozentpunkte dazu und kommt damit auf ein Ergebnis von 36,66 Prozent. Die SPÖ stürzte auf nur 9,25 Prozent ab. Bedeutet: Zwölf Mandate für die ÖVP, zehn Mandate für die FPÖ, nur mehr zwei Mandate für die SPÖ und ein Mandat für die Grünen.
Die Freiheitlichen haben bezirksweit stark zugelegt und in manchen Kommunen aus dem Stand den Einzug in den Gemeinderat geschafft. Michael Wagner, FPÖ-Spitzenkandidat im Kurort und Bezirksparteiobmann: „Die Stimmung in unserer Partei im Bezirk ist euphorisch. Aber wichtig ist, dass wir am Boden bleiben.“ Jetzt gilt es zu schauen, „in welchen Gemeinden Bürgermeister eine Koalition brauchen“. So etwa in Bad Gleichenberg: „Wenn man mit uns spricht, sind wir bereit“, sagt Wagner.
Liste Klaus in Mureck ist stärkste Kraft
In Mureck ist die Bürgermeisterpartei Liste Klaus stärkste Kraft – mit einem Ergebnis von 49,57 Prozent (Verlust von knapp 18 Prozentpunkten). Sie bekommt elf von 21 Mandate und hält damit die absolute Mehrheit. Die ÖVP unter Spitzenkandidat Simon Koiner-Graupp – die Bezirkspartei hoffte mit ihm auf einen neuen ÖVP-Bürgermeister in der Südoststeiermark – gewinnt zwar dazu (knapp neun Prozentpunkte), kommt aber nur auf ein Ergebnis von 25,6 Prozent. Tim Tschinkel von den Freiheitlichen darf sich über Zugewinne von knapp 14 Prozentpunkte freuen. Damit gelingt ihm der Einzug in den Gemeinderat mit gleich vier Mandaten. Die Grüne Verena Mayr hingegen fällt aus dem Gemeinderat: „Gemeinderätin zu sein, war für mich eine irrsinnig interessante Erfahrung.“
Bad Radkersburg: ÖVP bleibt voran
In Bad Radkersburg muss die ÖVP starke Verluste verkraften (knapp 9 Prozentpunkte), ist mit 36,03 Prozent aber die stärkste Kraft. Auf Platz zwei liegt die FPÖ mit 21 Prozent und einem Plus von 6,4 Prozentpunkten. Die SPÖ verliert knapp fünf Prozentpunkte und erreicht 16,71 Prozent. Danach folgen Bürgerliste, Grüne und die neu formierten Neos – mit 5,91 Prozent.
ÖVP-Bürgermeister Karl Lautner zeigt sich nicht erfreut über das Ergebnis: „Es hat sich gezeigt, dass die Koalitionsparteien (Anm. d. Red.: ÖVP und SPÖ) hervorragende Arbeit geleistet haben, dies aber nicht honoriert wurde.“ Das Wahlziel, die Absolute zurückzugewinnen, konnte nicht erreicht werden. Für die ÖVP gibt es nur eine einfache Mehrheit.
Es dürfte sehr bunt werden im Gemeinderat, für die Neos geht sich nämlich ein Mandat aus. Was Lautner aber anmerkt: „Mit den Neos sehe ich derzeit keine Basis für Zusammenarbeit im Gemeinderat, Stichwort Fakenews. Sie haben im Wahlkampf übertrieben.“ In Bezug auf Koalitionsverhandlungen möchte Lautner mit allen Parteien Gespräche führen. Rechnerisch würde es sich mit FPÖ und SPÖ ausgehen. Überglücklich zeigt sich jedenfalls der Freiheitliche Johannes Wonisch: „Mir drückt es die Tränen raus“ – vor Freude natürlich. Mit einem solchen Ergebnis habe er nicht gerechnet.
Südoststeiermark bekommt eine Bürgermeisterin
In der Südoststeiermark dürfte es künftig wieder eine Bürgermeisterin geben: Mit 61,17 Prozent ist die ÖVP unter Spitzenkandidatin Andrea Pock die stärkste Kraft in St. Anna am Aigen, auch, wenn es ein Minus von 9,33 Prozentpunkten für die Volkspartei zu verkraften gibt. Dafür hat dort die FPÖ ordentlich zugelegt und ein Ergebnis von 28,48 Prozent erzielt. „Ich muss vom Gemeinderat noch gewählt werden, aber eigentlich steht dem Bürgermeisteramt nichts mehr im Wege“, formuliert Pock vorsichtig.
Jüngster und ältester Bürgermeister feiern
Der jüngste ÖVP-Bürgermeister in der Südoststeiermark, Raphael Scheucher aus Halbenrain, hat allen Grund zur Freude: Er fuhr mit seiner Volkspartei ein Ergebnis von 73,73 Prozent ein, bedeutet ein Plus von knapp 13 Prozentpunkten. „Ein Danke an die Wähler. Das Ergebnis ist eine Auszeichnung für unsere Arbeit. Unsere Projekte und Ziele sind offenbar der richtige Weg“, freut sich Scheucher. Die ÖVP gewinnt damit zwei Mandate dazu. Scheucher bedankt sich auch bei den anderen Fraktionen: „Die Arbeit im Gemeinderat funktioniert sehr gut.“
Auch der älteste ÖVP-Bürgermeister – nicht nur im Bezirk, sondern sogar in ganz Österreich – darf jubeln. Mit 68,18 Prozent konnte Robert Hammer aus Unterlamm seine elf Mandate im Gemeinderat nicht nur halten, sondern sogar eines dazugewinnen. Die FPÖ kann ihre drei Mandate halten, die SPÖ ist in Unterlamm hingegen künftig nicht mehr im Gemeinderat vertreten. Ebenfalls nicht im Gemeinderat vertreten sind die neu gegründeten Bürgerlisten. Alfred Krenns BLU kam auf 4,03 Prozent und Gerhard Stroblers „Liste Fair“ auf 4,58 Prozent.
Gewinne und Verluste
In Kapfenstein erzielte ÖVP-Bürgermeister Ferdinand Groß Zugewinne: und zwar ein Plus von 7,6 Prozentpunkten und damit ein Ergebnis von 72,16 Prozent.
Auch in St. Peter am Ottersbach gewann die ÖVP unter Bürgermeister Reinhold Ebner dazu: 5,31 Prozentpunkte. Damit kommt die Volkspartei dort auf 54,36 Prozent. Gerhard Sundl sorgte mit seinem Wechsel von der Bürgerliste zur FPÖ im Vorfeld ja politisch für Wirbel, dieser fuhr ein Ergebnis von 30,52 Prozent ein. Die SPÖ liegt abgeschlagen auf Platz drei. Die ÖVP hält damit die Absolute: „Wir sind sehr glücklich über das Ergebnis“, freut sich Ebner. Das Ziel der FPÖ, eben diese Absolute zu sprengen, hat man nicht geschafft. Die Blauen „bleiben“ bei fünf Mandaten. Anton Solderer (SPÖ) habe sich mehr erwartet, gibt er zu: „Aber am Ende hat der Wähler die Macht.“ Zwei Mandate bleiben der SPÖ in St. Peter.
Starke Verluste hingegen verzeichnet die ÖVP in Mettersdorf am Saßbach, in Paldau und etwa in Kirchberg an der Raab: „Für das, was wir taten, ist das Ergebnis nicht erfreulich. Das Verdoppeln der FPÖ ist nicht erklärbar, das muss der allgemeine Trend sein“, resümiert ÖVP-Bürgermeister Helmut Ofner knapp.
Auch in Gnas verlor die ÖVP stark, und zwar rund 14 Prozentpunkte. Damit kommt die Volkspartei dort auf ein Ergebnis von 64,96 Prozent. „Das Ergebnis ist ganz gut für uns. Das Schwierige ist, alle Orte gleich gut zu betreuen. Wir haben uns wirklich bemüht und viel geschafft.“
SPÖ verliert stark
Tieschen wurde – wie erwartet – wieder rot gefärbt. Mit einem Minus von nicht einmal einem Prozent startet SPÖ-Bürgermeister Martin Weber in seine sechste Periode mit Zweidrittelmehrheit.
Das bezirksweite SPÖ-Ergebnis ist für ihn jedenfalls sehr schmerzhaft. „Wir sind in St. Anna nicht mehr im Gemeinderat, nicht mehr in Straden, nicht mehr in Halbenrain“, zählt er auf. Fehler müsse man nun intern analysieren. Das schlechteste SPÖ-Ergebnis fuhr Andreas Pölzl in Bad Gleichenberg ein: mit einem Minus von mehr als 20 Prozentpunkten und einem Absturz von acht auf zwei Mandate.
Zugewinne für FPÖ
In etlichen südoststeirischen Gemeinden freuen sich die Freiheitlichen über Zugewinne: etwa in Klöch, Straden, Bad Radkersburg, Mettersdorf am Saßbach, Kirchberg an der Raab, Eichkögl, Paldau und in Riegersburg.
Wahlberechtigte und Wahllokale
Nach Europa- sowie Nationalrats- und Landtagswahl im Vorjahr standen an diesem Sonntag die Gemeinderatswahlen 2025 in der Steiermark am Programm. 70.631 Personen durften im Bezirk Südoststeiermark in 104 Wahllokalen in 25 Gemeinden zur Wahl schreiten.
Der wochenlange Wahlkampf fand somit seinen Abschluss. Viele neue Gesichter, einige neue Listen, Polit-Hickhack und der ein oder andere Patzer machten ihn in der gesamten Steiermark spannend. In der Südoststeiermark stellt sich nun insbesondere die Frage, ob die ÖVP im traditionell schwarzen Kernland ihre Vormachtstellung halten kann. Nur in Tieschen regiert ein SPÖ- und in Mureck ein Listen-Bürgermeister.